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Pferderennen auf Krautsand: Eine Attraktion geht verloren

Die Rennen auf Krautsand sind wahrscheinlich Vergangeneheit (Foto: oh)
ig. Krautsand. Noch im August des letzten Jahres schwärmte Ministerpräsident David Mc Allister vom Rennen am Krautsander Elbstrand: "Beste Werbung für die Region. Beste Werbung für das Pferdeland Niedersachsen." Auch Hans-Wilhelm Bösch, Bürgermeister der Gemeinde Drochtersen, lobte das Event. "Ein Highglight in der Region. Gut für unser Image."
Aus und vorbei! Das Pferderennen auf der beschaulichen Halbinsel findet nicht mehr statt. Nach 20 Jahren und 19 Veranstaltungen gab der Vorstand des "Vereins für Trabrennen" jetzt auf einer Pressekonferenz das "Aus" des beliebten Events, das eigentlich am 2. Juni hätte stattfinden sollen, bekannt. Für den Bürgermeister Bösch "eine Tragödie".
Entscheidend für den Schluss-Strich: Der Sand darf nicht mehr geschoben werden. Grundstücksbesitzer Johnny Dralle sieht seinen Pappelbestand gefährdet. Auch plant der Landwirt in den nächsten Jahren, seine Obstplantage am Elbstrand zu erweitern. "Da fehlt uns dann viel Platz für den Sattelplatz", so Dieter Baukloh, Vorsitzender des Vereins für Pferderennen am Krautsander Elbstrand. "Wenn Sand nicht mehr geschoben werden darf, ist das Geläuf nicht mehr geeignet." Der Verein könne die Entscheidung Dralles verstehen. Er sei Landwirt und lebe von seinem Beruf. Auch sei es immer schwieriger geworden, dem Sand durch Bewässerung Festigkeit zu verleihen. Hinzu käme, dass das finanzielle Riskio für einen Verein mit 30 Mitgliedern einfach groß sei. Baukloh: "Die Zuschauerzahlen gingen kontinuierlich zurück. Dadurch wurden die Einnahmen geringer." Schon beim letzten Rennen konnten die Kosten nur knapp gedeckt werden. Einst kamen zum Event mehr als 5.000 Besucher. "Beim letzten Rennen waren es nur noch 1.000 zahlende Gäste." Auch die Bürokratie nehme überhand. Von den Organisatoren werde ein Anti-Sucht-Programm. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium genehmige Veranstaltungen, bei denen "gezockt" wird, nur noch, wenn ein Sozialkonzept vorliegt. "Wie sollen wir das schaffen?", klagt Baukloh. Und auf Pferdewetten könne man nicht verzichten.
Ein Grund für das Aus ist aber auch das fehlende ehrenamtliche Engagement. "Es wird immer schwieriger, freiwillige Helfer zu finden", so der der 2. Vorsitzende, Georg von Borstel. Beide sehen sich auch aufgrund ihres Alters nicht mehr in der Lage, die schweren körperlichen Arbeiten zu bewältigen. Von Borstel: "Deshalb wollten wir auch von unseren Ämtern auf der Jahreshauptversammlung im März zurücktreten und Jüngeren den Vortritt lassen". Verworfen werden von der Gemeinde und vom Vorstand auch Überlegungen, einen anderen Standort für das Rennen zu finden. "Angedacht war ein Bereich am Ruthenstrom", erläutert Bürgermeister Bösch. "Die Herrichtung würde 300.000 Euro verschlingen." Auch fehle dort die Atmosphäre. Sein Schlusswort nach der Pressekonferenz: "Eine touristische Attraktion geht verloren."