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Im Winter alle Hände voll zu tun

An der Sortiermaschine: Nicola Möllnitz und Abteilungsleiterin Ilse Markull (hi.)

Knochenjob Obstbau: sortieren, Gräben reinigen, Baumschnitt und Vermarktung in der kalten Jahreszeit

tp. Ritsch/Borstel. Zur Blüte im Frühjahr und zur Ernte im Herbst rückt die Niederelbe mit den Obstbauregionen Altes Land und Kehdingen in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch was macht ein Obstbauer im Winter, wenn die Vegetation ruht? "Wir haben alle Hände voll zu tun", sagt Gerd Moje (45), der in Drochtersen-Ritsch und in Jork-Borstel Plantagen bewirtschaftet.

Der Familienbetrieb Moje, bei dem ein knappes Dutzend Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen, baut auf 39 Hektar Marschland Kirschen, Pflaumen, Äpfel und Birnen an. Der Ertrag schwankt zwischen 30 und 50 Tonnen je Hektar.

Damit die Bäume reichlich Früchte tragen, müssen sie sorgfältig gepflegt werden. Altbauer Gerhard Moje (73) durchkämmt jetzt täglich die Baumreihen, schneidet mit der Astschere abgetragene Zweige und "wilde Triebe" zurück. Mitarbeiter roden alte und kranke Bäume und pflanzen neue.

Unter den Bäumen gackern Gänse, Hühner und Flugenten. Die Hühner picken sich die Larven aus dem Boden, darunter die Maden der sich aus Südeuropa nach Norddeutschland verbreitenden Kirschfruchtfliege. So leistet das Federvieh einen Beitrag zum Pflanzenschutz. Und ihr Mist dient als Dünger.

Eier und Geflügelfleisch werden im Hofladen in Ritsch verkauft, den Großmutter Inge Moje (65) führt. "Vor 35 Jahren fing ich an, mit einem Handkarren Äpfel an der Straße zu verkaufen", sagt die gestandene Bäuerin. Inzwischen hat sich der Hofladen zum wichtigen wirtschaftlichen Standbein entwickelt. Neben Obst gehören Honig, Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren zum Sortiment.

Kälte herrscht das ganze Jahr über in der Sortieranlage mit angrenzendem Kühlhaus. Hier werden Äpfel der Sorten Boskop, Elstar, Jona Gold und Co. oder die beliebte Conference-Birne nach Größe und Qualität für den Haupt-Abnehmer "Elbe Obst" verpackt. Einen Teil der Früchte bringt Gerd Moje auf dem Hamburger Großmarkt an die Kunden. Mehrmals wöchentlich ist Markttag, dann klingelt für den viel beschäftigten Familienvater um Mitternacht der Wecker.

"Der Obstbau ist ständig im Wandel", sagt Gerd Moje. Informationen über neue Technik und Entwicklungstrends dieser Landwirtschaftssparte holt er sich während der "Norddeutschen Obstbautage", die in jedem Februar in Jork stattfinden. Gerd Moje interessiert sich stark für das Thema Klimaerwärmung. Nach seinen Beobachtungen werden die Winter zunehmend milder. Eine Folge: Die Knospen sprießen früh. Bricht danach eine Frostperiode herein, drohen massive Pflanzenschäden.

Der Klimawandel beschäftigt den Obstbauer auch in seiner Freizeit. Gerd Moje betreibt als Hobby eine Pfirsich-Zucht. Vielleicht wird diese Südfrucht ja eines Tages im Landkreis Stade heimisch.

• Tel. 04148 - 1608 (Obsthof Moje)