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ACE-Chef: Leitplanken bringen nicht nur Segen

In den Landkreisen Stade und Harburg rasten in diesem Jahr Lastwagen in Leitplanken
 
Pascal Kasch (ACE) Fotos: Remon Hirschmeier/Polizei Stader (Archiv)

Nutzen und Risiko abwägen/ Verkehrslenkung contra Verletzungsgefahr

tp. Stade. Der kuriose Unfall, bei dem kürzlich ein Sandkipper auf der Bundesstraße B73 in Stade eine Leitplanke überfuhr und über eine Böschung auf ein Hausgrundstück in einem Wohngebiet rutschte, geht in das Unfallgedächtnis der Stadt ein. Denn es bleibt die ernste Erkenntnis, dass ein Menschenleben in Gefahr war: Der Grundstücksbesitzer (75) hielt sich bei sonnigem Wetter nur zufällig nicht im Garten auf. Angesichts des starken Verkehrsaufkommens an der B73 fordern kritische Beobachter nun, beim Ersetzen der völlig demolierten Leitplanke, diese Schutzvorrichtung im Bereich der Wohnsiedlung zu verstärken oder zu erhöhen. Doch davon raten sowohl ein Ingenieur der zuständigen Landesstraßenbaubehörde in Stade als auch Pascal Kasch (46), Stader Kreis-Chef des Autoclubs Europa (ACE) ab.

Zum einen handele es sich bei der Unglücksstelle, auf der auf gerader Fahrbahn Höchsttempo 70 Stundenkilometer gilt, nicht um einen bekannten Unfallschwerpunkt, heißt es vom Verkehrsamt und von der Stader Polizei. Zum anderen gelte es, wie bei jeder Installation von Leitplanken, Nutzen und Risiken für alle Verkehrsteilnehmer abzuwägen, ergänzt Pascal Kasch, der auch für den ACE im Kreis Harburg spricht. Herkömmliche Leitplanken seien so beschaffen, dass sie einem Pkw- und Motorradaufprall standhalten.

Schwerere Geschütze fahren die Planer bei Mittelleitplanken auf Autobahnen auf. Hier sollen sie den Durchbruch von Lastwagen auf die Gegenfahrbahn verhindern - was meistens gelingt: Bei einem Auffahrunfall im März auf der A1 am Maschener Kreuz kam einer der beiden beteiligten Sattelzüge in der Schutzplanke zum Stehen, der andere kippte auf die Fahrbahn, ein Anhänger wurde jedoch auf den Nebenstreifen der Gegenfahrbahn geschleudert. Im Mai überrollte ein mit Steinen beladener Sattelzug auf der A7 bei Garlstorf etwa 20 Meter der Schutzplanke, die sich dabei stark verbog.

An besonderen Gefahrenstellen, etwa bei Brückenpfeilern, können die aus Stahl bestehenden Leitplanken mit einem Betonunterbau verstärkt werden. Doch dabei ist Vorsicht ist geboten: Je stabiler die Leitplanke, desto höher das Risiko schwerer Verletzungen bei Bikern und Pkw-Insassen wegen fehlender bzw. geringer Knautschzone.
Ob und wo überhaupt eine Leitplanke errichtet werde, sei - mit Ausnahme der Autobahnen -  Ermessenssache, sagt Kasch. Er verweist einerseits auf die positive Funktion als Verkehrsleitmittel: Die gut sichtbaren, in scharfen Kurven teils farbig markierten Leitplanken veranlassten die meisten Verkehrsteilnehmer automatisch zu besonnener Fahrweise. Gleichzeitig aber engen sie den Straßenraum ein, was beispielsweise nach Verkehrsunfällen zu Staus und versperrten Rettungsgassen führen könne.

Die stetige Verbesserung der Leitplanken-Technik, von denen es laut Stader Verkehrsamt in Deutschland rund 40 bis 60 System-Anbieter gibt, ist eine Daueraufgabe: Geforscht wird derzeit u.a. an Speziallösungen gegen das Durchrutschen von Motorrädern und Cabrios unter der Planke, was schon zu schwersten Amputationsverletzungen und in schlimmsten Fällen zur Enthauptung führte.

Unterdessen mahnt der ACE-Vorsitzende Kasch zur Konzentration am Steuer, und vor allem: "Hände weg vom Smartphone" - tippen und telefonieren seien häufigste Ursachen von Unfällen, bei denen Autos von der Fahrbahn abkommen.