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Vom Bruder vor Front "gerettet": Wie Egon Detloff in der Elbmarsch das Kriegsende 1945 erlebte

Vor seinem Geburts- und Wohnhaus: Hier erlebte Egon Detloff aus Oldershausen das letzte Kriegsjahr 1945
ce. Oldershausen. "Ich muss mir meine Erlebnisse von der Seele reden. Ein Bekannter von mir staunte erst neulich wieder, wie gut ich mich noch an alles erinnern kann." Das sagt Kriegsende-Zeitzeuge Egon Detloff (84) aus den Elbmarsch-Dorf Oldershausen. Er wohnt heute noch in seinem Geburtshaus und -ort, wo er als 14-Jähriger das Jahr 1945 erlebte.
"Am 1. April 1945 musste ich zur Jugendweihe und wurde danach in die Hitlerjugend aufgenommen", blickt Detloff zurück. Auch im sogenannten "Volkssturm" wirkte er mit und wurde an der Panzerfaust ausgebildet. Am 18. April erhielt er - ebenso wie vier weitere Jugendliche aus dem Dorf - eine Einberufung zur Ausbildung als Flakhelfer. "Bis mittags sollten wir uns an einem nahegelegenen Bahnhof einfinden. Bei Nichtbefolgen drohte uns womöglich die Erschießung", erinnert sich Detloff. Seine Eltern, die Angst um ihren Sohn hatten, waren gegen den Einzug als Flakhelfer. Davor "gerettet" wurde Detloff in letzter Minute durch seinen neun Jahre älteren Bruder Herbert. Der Soldat war an der Front verwundet worden, kam zum Genesungsurlaub nach Hause und berichtete, dass die Engländer kurz vor Lüneburg standen. Umgehend machten sich deutsche Soldaten daran, an der Hauptstraße in Oldershausen Löcher für Maschinengewehr-Stände in Richtung Ilmenau-Kanal auszuheben. Pioniere brachten Sprengsätze an der Kanal-Klappbrücke an, um den Feind aufzuhalten. Die Brückensprengung scheiterte jedoch am örtlichen Schmiedemeister, der die Sprengleitung kappte. Daraufhin machte sich ein Wehrmachtsgruppenleiter aus einem Nachbardorf auf nach Oldershausen, kurbelte die Klappbrücke hoch und warf die Kurbelmaschine in den Kanal. Als dies die Engländer auf der anderen Uferseite bemerkten, beschossen sie mit Panzermunition eine Gastwirtschaft an der Brücke, in der sie den Täter vermuteten. Das Haus wurde stark beschädigt, verletzt aber niemand.
Über die Eisenbahnbrücke bei Nettelberg gelangten die Engländer am 21. April doch in die Elbmarsch. "Viele Menschen hatten weiße Lappen quasi als Friedensfahne an ihre Häuser gehängt", berichtet Egon Detloff. Vier Panzer und ein Lkw mitsamt Soldaten quartierten sich in Oldershausen auf dem Grundstück der Detloffs ein. Die beiden Stuben und die oberen Zimmer wurden beschlagnahmt, eine Kommandozentrale eingerichtet. "Wir Jungs fühlten uns richtig wohl zwischen all' den Fahrzeugen, wir bekamen von den neuen Mitbewohnern Kekse und Schokolade", weiß Detloff noch heute.
Kurz darauf erhielten alle Oldershausener den Befehl, den Ort vorübergehend zu räumen. Die neunköpfige Familie Detloff packte ihr Hab und Gut auf einen vom Pferd gezogenen Ackerkastenwagen und kam in Scheunen in der Umgebung unter.
Als der Krieg endlich vorbei war, durften die Detloffs am 9. Mai wieder in ihr Haus zurückkehren. Egon Detloff: "Haus und Grundstück noch ganz in Ordnung - bis auf einen großen Haufen Konservendosen, den die Engländer einfach aus dem Küchenfenster geworfen hatten."