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Golfen mit doppeltem Handicap

Abschlag unter erschwerten Bedingungen: Den Ball drischt der einarmige Golfer Jürgen Schuback trotzdem schon mal mehr als 200 Meter weit
bc. Grünendeich/Deinste. Daheim hat er Probleme, sich ein Brötchen selbst zu schmieren. Auf dem Golfplatz drischt Jürgen Schuback (55) den kleinen weißen Ball schon mal 220 Meter weit. Der Mann aus Grünendeich spielt Golf mit nur einem Arm. "Beim Golfen habe ich gleich zwei Handicaps", grinst der sympathische Altländer. Handicap eins: 27. Handicap zwei: halbseitige Lähmung.

Seit einer Hirnblutung gehorcht ihm die linke Körperhälfte nicht mehr, sein linker Arm hängt schlaff herunter, sein Blickfeld ist eingeschränkt. Und trotzdem macht er vielen im Golf-Club "Deinster Mühle" was vor. Jürgen Schuback wird in diesen Tagen oft an seinen großen Traum erinnert: die Teilnahme an den Paralympics. Leider habe es Golfen nicht ins paralympische Programm der Spiele 2016 in Rio geschafft.

Das Potenzial hat Schuback allemal. 2013 holte er den Deutschlandpokal der Stiftung „Deutsche Schlaganfallhilfe“ und gewann die "BGS Handisport Mallorca international disabled open" auf Mallorca. Regelmäßig nimmt er an den Deutschen Meisterschaften für behinderte Golfer teil. Sein größter Erfolg: 2010 wurde er Vierter. Im kommenden Mai ist er zur Europameister eingeladen.

Wenn Jürgen Schuback mit seinem elektrischen Trolley das Fairway betritt, ist sein linker Arm am Körper fixiert. Andernfalls ist eine Verletzung programmiert. "Seitdem ich mir beim Abschlag den Daumen gebrochen habe, schnalle ich den anderen Arm fest", erzählt er. Wer schon mal Golf gespielt hat, weiß wie schwer es ist, den Ball mit zwei Händen in die richtige Richtung zu schlagen. Nur zwei Grad abweichend vom Optimalkurs und die Kugel landet im hohen Gras. "Das ist echter Leistungssport. Jürgen hat unheimlich schnell gelernt", sagt Clubpräsident Friedrich Hillebrand. Nur beim Putten benutze er einen Spezialschläger.

Der Schicksalsschlag traf Jürgen Schuback 1988. Völlig unvermittelt erlitt er eine Hirnblutung. Der Surfer und Skilehrer Jürgen Schuback war außer Gefecht gesetzt. Seine Familie fing ihn auf. Er absolvierte eine neunmonatige Reha, schwamm viel. Die ersten Gehversuche beim Golfen spielten sich auf der heimischen Diele ab. "Mit einem Handstock und Tennisbällen", schmunzelt Jürgen Schuback. 2005 schaffte er die Platzreife. Seitdem nimmt die Erfolgsstory ihren Lauf.

Fast täglich steht der Altländer auf dem Green, schlägt ab, chippt und puttet. 643 Mitglieder hat der Golf-Club "Deinster Mühle". Mit einem Arm schlägt hier nur einer. Vielleicht bekommen die Deinster bald ihren ersten Paralympics-Teilnehmer - sofern das IOC mitspielt.