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Lipizzaner: Die Lieblinge der Monarchie

Lipizzaner-Pferde haben es Barbara Schulte angetan
 
Auch die Zuchtstuten werden regelmäßig geritten: Hier die international ausgezeichnete Stute Rigora mit Barbara Schulte im eleganten Damensattel bei einer Gestütsvorführung (Foto: Mireta von Rantzau)
bc. Hemelingbostel. „Höflich und zuvorkommend, wie ein Herr der alten Schule eben“, so beschreibt Barbara Schulte (65) ihre Lipizzanerhengste. Als Schulmädchen verdiente sie sich einst ihre Sporen auf einem solchen edlen Hengst und entdeckte ihre große Leidenschaft für die Lipizzaner-Pferde. Heute betreibt sie mit ihrem Mann Uwe das einzige Lipizzanergestüt Niedersachsens. „Lipizzaner sind keine empfindlichen Püppchen. Sie sind robust und genügsam, das mag ich“, sagt die mehrfach ausgezeichnete Züchterin.

Ihr Gestüt „Unter den Linden“ findet man am Rande der Stader Geest in dem kleinen Dorf Hemelingbostel (Samtgemeinde Fredenbeck). Sechs Lipizzaner stehen derzeit bei Barbara Schulte in den Boxen: vier Zuchtstuten und zwei Wallache.

Wegen ihres sanften Wesens und ihrer großen Gelehrigkeit stehen Lipizzaner hoch im Kurs bei Pferde-Freunden. Ursprünglich wurden sie als Prunk- und Paradepferde für die Habsburger-Monarchie gezüchtet. „Sie sollten durch ihre ausdrucksvolle Erscheinung und ihre eleganten Bewegungen den adligen Reiter besonders gut aussehen lassen“, erklärt Barbara Schulte.

Nach dem Ende der Kaiserzeit fanden die Lipizzaner im österreichischen Bundesgestüt „Piber“ eine neue Heimat. Dem Gestüt, dessen Aufgabe es ist, Lipizzaner-Hengste für die weltberühmte Spanische Hofreitschule in Wien zu züchten. In der „Spanischen“ wird seit 450 Jahren die Tradition der klassischen Reitkunst bis zur „Hohen Schule“ bewahrt. Berühmt sind die Lipizzanerhengste vor allem durch ihre gewaltigen Sprünge durch die Luft.

Barbara und Uwe Schulte pflegen engen Kontakt zu Piber. So war unter anderem der Großvater von Schultes Stute „Rava“ ein Hengst der Hofreitschule. Er war, ebenso wie seine Enkelin, einer der braunen Glücksbringer unter den heute vorwiegend weißen Lipizzanern.

In Hemelingbostel wachsen junge Lipizzaner aus traditionsreichen Blutlinien heran. Die Stuten des Gestüts „Unter den Linden“ stammen aus der Stutenfamilie „Rava“, deren Ahnenreihe lückenlos auf die Stammmutter „Rava“ zurückführt, die 1755 im kaiserlichen Hofgestüt Kladruby geboren wurde.

Lipizzaner lassen sich vielseitig einsetzen, bei Weitem nicht nur für die Dressur. „Auch Geländeritte sind möglich und Lipizzaner sind hervorragende Fahrpferde“, sagt Barbara Schulte. Auf ihrem Hof wachsen die Fohlen im Familienverband heran, um in vertrauter Umgebung angeritten zu werden. Erst danach wechseln sie in andere Hände.

Zu kommerziellen Zwecken sei die Pferdezucht wenig geeignet. „Mit der Pferdezucht kann man höchstens ein kleines Vermögen verlieren“, sagt Barbara Schulte mit einem Schmunzeln. Ihr Motto: Klasse statt Masse. Nicht jedes Jahr kommen auf „Unter den Linden“ neue Fohlen zur Welt.

Ohnehin steckt die Pferdezucht in der Krise. Die Bedeckungen in allen Rassen sind drastisch zurückgegangen. Wurden 2008 noch 52.829 Warmblutstuten in Deutschland besamt, waren es 2013 nur noch 29.728. Der Trend setzt sich fort. Hauptgrund für die Aufgabe der Zucht sind die hohen Kosten, die die meisten Züchter durch den Verkauf nicht decken können.

• Gerne führt Barbara Schulte Besucher nach Voranmeldung über ihr Gestüt: 04762–183642