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Menschenknochen und Panzertrümmer

Zeitzeugen und Heimatforscher: Heinz Hauschild (li.) und Horst Hoferichter mit dem Fundstück, einem Trümmerteil eines Panzers "Sherman" aus dem Zweiten Weltkrieg
 
Heimatforscher Frank Hoferichter mit dem Zielfernrohr des Panzers und dem Seitenteil, das ein Bauer vor wenigen Tagen bei der Feldarbeit fand

Morbider Fund weckt Erinnerung an letzte Kriegstage / Fünf Soldaten starben 1945 bei Mienen-Detonation auf der Stader Geest

tp. Kutenholz. "Der Knall war damals im ganzen Dorf zu hören. Ich habe einen gewaltigen Schreck bekommen", erinnert sich Heinz Hauschild (82): Der aktuelle Fund von Panzer-Trümmern und Menschenknochen auf einer Wiese in seinem Heimatort Kutenholz auf der Stader Geest weckt in dem Zeitzeugen Erinnerungen an einen verlorenen, alten Krieg.

Ein Landwirt stieß am vergangenen Montag bei der Feldarbeit nahe der Hauptstraße (L123) mit seiner Mähmaschine gegen eine rund 800 Kilo schwere Metallplatte. Wie sich später herausstellt, handelt es sich um das Seitenteil eines Panzers, der im Frühjar 1945 bei einer Mienen-Explosion zerstört wurde.

Mit einem Radlader wurde die schmale, rund vier Meter lange Platte ausgegraben. Dabei trat neben Munition und Kleinteilen des Kriegsfahrzeugs ein menschlicher Oberschenkelknochen zutage.

Für Heinz Hauschild, der sich als Heimatforscher und Dorf-Chronist engagiert, ist der Fall klar: "Der Knochen gehört zu einem von fünf gefallenen englischen Soldaten." Nach seinen Erinnerungen starben die jungen Engländer bei einer spektakulären Kampfhandlung am 30. April 1945. Englisch Truppen, die an die Frontline, dem Bahndamm zwischen Kutenholz und Harsefeld, vorgedrungen waren, hielten sein Heimatdorf besetzt. Am Ortsrand hatten sich laut Hauschild einige deutsche Soldaten verschanzt.

Am 30. April habe eine Kolonne von drei bis vier englischen Panzern eine Tagesfahrt Richtung Bremervörde aufgenommen, so Hauschild. Als menschlichen Schutzschild hätten die Engländer einen Bauern aus dem Dorf auf die Haube des vordersten Panzers gesetzt. Die deutschen Soldaten, die den fahrenden Tross aus ihrem Versteck in der Feldmark beobachteten, ließen die ersten Panzer passieren. Dann, so Hauschild, hätten sie mit einer Schnur die Miene gezündet. Als der Explosionsknall durch den Ort hallte, war Landwirt Heinz Hauschild, damals 13 Jahre alt, gerade bei der Arbeit auf dem elterlichen Hof.

Später sah sich Hauschild den Gefechtsort an: Die Trümmer des Panzers sowie Leichenteile lagen nach seinen Schilderungen im Radius von rund 100 Metern um einen tiefen Erdkrater.

Die Überreste der fünf englischen Soldaten seien zunächst provisorisch am Ortsrand beigesetzt worden. Kurz nach Kriegsende, dem 2. September 1945, seien die umgebettet und in ihrer Heimat bestattet worden, so Hauschild.

Gemeinsam mit seinen Freunden vom "Heimat- und Kulturkreis" Kutenholz", Horst Hoferichter (76) und dessen Sohn Frank (52), hat Heinz Hauschild bereits 1990 an dem Fall geforscht. Bei Ausgrabungen mit dem Kreis-Archäologie-Mitarbeiter Dietrich Alsdorf fanden sie damals einen Rasierspiegel, ein Panzerrad, Ketten-Leitrollen, einen Sitz und ein Zielfernrohr. Die Fundstücke werden im örtlichen Heimatmuseum verwahrt.

Frank Hoferichter hat seinerzeit mit Expertenhilfe den Panzer identifiziert: "Ein Kettenpanzer 'Sherman M4' mit 75-Millimeter-Kanone und drei Maschinengewehren", so Frank Hoferichter. Von diesem Panzer seien weltweit 55.000 Stück gebaut worden - ein Massenprodukt. Kurios hingegen ist die Waffe, mit der der Panzer zerstört wurde: eine Seemiene aus Restbeständen des Militär-Materialdepots "Muna" im Nachbarort Hesedorf.

Für den Zeitzeugen Horst Hofericher ist die Zweckentfremdung dieser Miene ein Zeichen dafür, dass die Deutschen "mit letzten Mitteln gegen den Feind kämpften und der Krieg längst verloren war".

Bei einem weiteren Gefecht am 1. Mai 1945 starben laut Heinz Hauschild in Kutenholz weitere englische Soldaten, als Deutsche ihr Kettenfahrzeug sprengten.

• Im Jahr 1984 fanden Mitglieder der Jugendfeuerwehr bei der Reinigung der Feldmark Granaten in einem Graben.

• Die Fundstelle ist laut Polizei frei von Kampfmitteln. Der Knochen wurde einem Rechtsmediziner zur Begutachtung vorgelegt.