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Pfeifen von Schimmel befreit

Instrumentenbaumeister saniert wertvolle Kirchenorgel in Mulsum

tp. Mulsum. In den nächsten Wochen muss die Mulsumer St. Petri-Kirchengemeinde während der Gottesdienste und Feiern ohne ihre Orgel auskommen. Das Musikinstrument wird komplett saniert. Orgelbauer Harm Kirschner und Auszubildender Christian Besel aus Stapelmoor (Ostfriesland) haben in den vergangenen Tagen die Holz- und Metallpfeifen ausgebaut, um sie in ihrer Werkstatt zu reinigen, von Schimmelansätzen zu befreien und dann neu zu stimmen. Ende September soll alles wieder zusammengebaut sein, damit die aus dem Jahr 1870 stammende Röver-Orgel dann mit sauberen Tönen erklingen kann.
Es war schon eine schweißtreibende Arbeit, die Pfeifen aus dem engen Musikinstrument auszubauen, im Kirchenraum zwischenzulagern und anschließend für den Transport in die ostfriesische Werkstatt in einen Wagen zu verladen. Die kleinen Pfeifen, aus denen die hohen Töne klingen, waren leicht zu bewegen. Bei den großen Holzpfeifen, die die tiefen Töne erzeugen, musste kräftiger und zum Teil mit zwei Mann zugepackt werden. Denn einer dieser Klangkörper wiegt immerhin bis zu 40 Kilogramm.

Wenn auch von außen auf den ersten Blick nicht sichtbar, verbirgt die Mulsumer Röver-Orgel immerhin 900 Pfeifen hinter ihrer Holzprospekt. Wie behält man da den Überblick, um alle Pfeifen später wieder richtig einzubauen? „Die sind alle nummeriert“, erklärt Kirschner. Für den Routinier ist es kein Problem, alles an den richtigen Platz zu stecken und zu verbinden.

Wie Kirschner mitteilte, ist die Mulsumer Orgel in den 1920er Jahren und in den 1980er Jahren gereinigt worden. Bei den Sanierungsarbeiten wurden zum Teil auch Veränderungen vorgenommen, was an verleimten Stellen zu erkennen ist. Ein Orgelbauer hat mit einem Bleistift ein Datum in der Orgel notiert, das ebenfalls Sanierungsarbeiten dokumentiert.

„Im Laufe der Jahre setzen sich in den Orgelpfeifen nun einmal kleine Staubpartikel fest, die den Ton verändern“, so Kirschner. „Und der Staub wird dann zu einem wundersamen Nährboden für Pilze an den Klangkörpern.“

Woher der Schimmelpilz kommt, ist nach den Worten des Orgelbauers nur schwer zu erklären. „Der Ansatz könnte durch die Heiz- und Lüftungsgewohnheiten forciert werden.“ Aber vielleicht liege das auch am allgemeinen Klimawandel. „Genau weiß man das alles nicht.“

Kirschner stuft die Mulsumer Orgel als gut erhalten ein. „Die Substanz ist gut, die Technik funktioniert, wie in den 20er Jahren geplant. Heute allerdings mit Strom und nicht mit einem von Menschen getretenen Blasebalg. Der Orgelbauer ist sich sicher: Wenn alle Pfeifen gereinigt sind, wird das Klangbild der Orgel weitaus schöner sein als bisher. „Dann können alte musikalische Meisterstücke wie auch moderne und zeitgenössische Klänge sauber wiedergegeben werden.“ Wie Kirschner berichtete, solle die Orgel dann mit in die Konzertreihe der Stader Orgelakademie aufgenommen werden.

Mit speziellen Mitteln und Verfahren reinigt Kirschner nach eigenen Worten die betagten Pfeifen der Orgel. „Ich setze auch ein Mittel ein, dass die Schimmelbildung an Holz und Metall über viele Jahre verhindert.“ Doch bis dahin seien noch einige Werkstattstunden notwendig.

Die Sanierungskosten seien mit 28 000 Euro veranschlagt, teilte Pastorin Evelyn Schneider mit. Zur Sanierung würden Spenden und Kollekten aus dem vergangenen Jahr eingesetzt. Aus der St Petri-Stiftung 2011 und 2012 würden 5400 Euro und aus diesem Jahr 700 Euro eingesetzt. „15 000 Euro haben wir aus eigenen Kräften zusammengebracht“, so Pastorin Schneider. Die Landeskirche trägt 8450 Euro (30 Prozent) zu den Sanierungskosten bei. „Ein bisschen muss noch gesammelt werden, dann haben wir die Finanzierung geschafft.

Am 7. Januar 1869 schloss die Mulsumer Kirchengemeinde gegen erheblichen Widerstand einiger Gemeindemitglieder einen Neubaukontrakt mit dem Stader Orgelbauer Johann-Hinrich Röver aus Stade. Das Instrument kostete damals 1411 Taler. Das war immerhin der Preis von 64 fetten Ochsen.