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Zum Üben ein Audi A8 - Die größte Kfz-Lehrwerkstatt in der Region liegt in einem Wald bei Mulsum

Schauen einem Audi unter die Motorhaube: Werkstattleiter Karl-Heinz Stolzke mit den Azubis Julian Brandt, Marvin Frenger und Fabian David (v.re.) (Foto: jd)
 
Ausbilder Jörn Hageleit (stehend) zeigt, wie die Elektronik funktioniert
(jd). Die Tarnung ist nahezu perfekt: In einem ausgedehnten Waldgebiet westlich von Mulsum, ganz am Rande des Landkreises, liegt die Elbe-Weser-Kaserne. Gut versteckt hinter dichten Bäumen befindet sich das deutschlandweit wichtigste Versorgungszentrum für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Das WOCHENBLATT berichtete kürzlich darüber. Der Wald birgt aber noch eine Überraschung: Dort ist auch die bei Weitem größte Kfz-Lehrwerkstatt der Region angesiedelt. Sie steht zwar auf dem Kasernengelände, gehört aber zu den zivilen Einrichtungen der Bundeswehr. Derzeit werden in der Lehrwerkstatt 64 Kfz-Mechatroniker ausgebildet.

"Anders als in einer normalen Vertragswerkstatt sind wir nicht auf bestimmte Automarken spezialisiert", sagt Leiter Karl-Heinz Stolzke: "Unseren Azubis steht eine große Bandbreite an Fahrzeugtypen zur Verfügung." Daher sei die Ausbildung wesentlich breiter gefächert. Wer nun denkt, dass sich die Bundeswehr für Schulungszwecke nur alte Autos leisten könne, liegt völlig daneben: In der Lehrwerkstatt stehen die aktuellen Spitzen-Modelle von VW, Audi und Co. Gerade ist Stolzke dabei, mit einigen seiner Schützlinge die Raffinessen eines Audi A8 durchzugehen: "Unsere Lehrlinge bekommen hier die Crème de la Crème des Automobilbaus serviert."

Wer sich im ersten Lehrjahr befindet, muss statt der Edel-Karossen zunächst mit den "Schrauberautos" Vorlieb nehmen. Die werden komplett in Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut. "Das übt gewaltig", meint Stolzke: "So machen sich unsere Azubis mit den technischen Details vertraut." Während in der Werkstatt mit Drehmomentschlüsseln und Schlauchklemmenzangen hantiert wird, sitzt Ausbilder Jörn Hageleit mit einigen Neulingen im Schulungsraum beisammen. Die jungen Leute haben große Schaltkästen vor sich, um die Grundlagen der Elektronik zu erlernen.

Auch mit dem militärischen Bereich gibt es einige Berührungspunkte: "Wir sind zwar eine zivile Werkstatt, doch im Rahmen von Praktika arbeiten unsere Azubis auch in der Instandsetzungshalle für die Bundeswehr-Fahrzeuge." Der Umgang mit Lkw sowie Spezialfahrzeugen sei ein weiterer Pluspunkt dieser Ausbildung, so Stolzke: "Dabei kommt niemand von uns mit Waffen in Kontakt." Die Bewaffnung werde vorher demontiert.

Pro Lehrjahr stellt die Werkstatt 16 neue Azubis ein. "Seit 1961 gibt es uns hier. In dieser Zeit haben wir rund 1.100 Lehrlinge ausgebildet", berichtet Stolzke. Nach seiner Auskunft haben die Absolventen beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Wer nicht von der Bundeswehr übernommen werde, finde oftmals eine Anstellung im öffentlichen Dienst. "Außerdem sind unsere 'Allrounder' auch in der privaten Wirtschaft sehr gefragt."

Stolzke selbst ist seit mehr als 30 Jahren dabei. Seit 2010 leitet er die Lehrwerkstatt.
Im kommenden Jahr geht er in Rente: "Dann bin ich 65". Aber er fühlt sich viel jünger: "Ich habe immer einen guten Draht zu den jungen Menschen gehabt. Durch den Umgang mit ihnen bin ich jung geblieben."


Gute Chancen für Hauptschüler

Wer sich für 2017 um einen Ausbildungsplatz in der Lehrwerkstatt bewerben möchte, sollte sich sputen: Die Frist endet am 31. Oktober. Auch Hauptschüler haben eine Chance - vorausgesetzt die Noten in Mathe, Physik und Deutsch sind gut.


• www.bundeswehrkarriere.de/fuer-schueler/ausbildung/zivile