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Fußweg-Verbot für Radfahrer in Hanstedt

Auch der bisherige Fuß- und Radweg an der Hanstedter Hauptstraße ist jetzt mit dem neuen Schild versehen. Radfahrer müssen hier die Fahrbahn benutzen (Foto: oh)
 
Hier die Einfahrt in Hanstedt aus Richtung Quarrendorf mit der neuen Beschilderung (Foto: oh)
Für die einen ist es ein großer Schritt zur Erhöhung der Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr, für die anderen ist es schlicht ein Schildbürgerstreich: In ganz Hanstedt werden Radler ab zehn Jahren künftig gezwungen, auf der Straße zu fahren. Die Gehwege sind für sie Sperrgebiet. Bei Zuwiderhandlung droht sogar eine Ordnungsstrafe.
Das Rad zum Rollen gebracht hatte Karin Sager vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Sie stellte beim Landkreis den Antrag, weil sie künftig nicht mehr dazu gezwungen werden wollte, auf dem Radweg zu fahren. „Ich bin davon überzeugt, dass wir Radfahrer auf der Straße sicherer sind, als auf dem Gehweg“, so Karin Sager. Aber ist das tatsächlich überall und für alle so?


mum. Hanstedt. Die Gemeinde Hanstedt nimmt in puncto Radfahrer-Schutz eine Vorreiterrolle ein. Das meint zumindest Karin Sager (54) vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Ab sofort müssen alle Radfahrer ab zehn Jahren die Straße nutzen. Der Bürgersteig gehöre nur noch den Fußgängern. „Das ist ein erster wichtiger Schritt, um die Qualität des Fahrradfahrens zu verbessern“, sagt Sager. Ein Jahr lang kämpfte die Vize-Kreisverbands-Vorsitzende für diese Regelung. Jetzt hat der Landkreis ihrem Antrag zugestimmt. Allerdings: Tatsächlich hätte sich Karin Sager gewünscht, dass es Radfahrern selbst überlassen bleibt, wo sie fahren. Doch das jetzt verwendete Schild zwingt die Radfahrer auf die Straße.
Die bisher vorhandenen, im ADFC-Jargon „blaue Lollies“ genannten Schilder (sie zeigen an, dass Radfahrer und Fußgänger den Bürgersteig gemeinsam nutzen müssen), wurden abgenommen und durch Fußwegschilder ersetzt. Für Sager auch ein wichtiger Schritt hin zu mehr Verkehrsberuhigung in Hanstedt. „Alle Fahrenden gehören auf die Straßen, damit die schmalen Fußwege den Fußgängern bleiben und diese nicht gefährdet werden“, sagt Sager. Sie selbst ist Radfahrerin aus Überzeugung und legt jährlich bis zu 8.000 Kilometer zurück. Und wurde schon sechs Mal angefahren. „Jedes Mal war ich auf dem Fußweg unterwegs“, sagt sie. Mit ihrer Initiative will sie dieses Schicksal anderen Verkehrsteilnehmern ersparen.
Eine neue Regelung sei ohnehin längst notwendig gewesen, da immer mehr Menschen auf Elektrobikes (bis zu 45 km/h schnell) oder Pedelecs (bis zu 25 km/h) unterwegs sind. „Diese Verkehrsmittel sind viel zu schnell für den Fußweg und gehören auf die Straße“, so Sager.
Für Kinder ändert sich durch diese Neuregelung nichts: Jungen und Mädchen bis acht Jahren müssen weiterhin auf dem Bürgersteig fahren. Kindern bis zehn Jahren ist es freigestellt, ob sie Straße oder Fußweg nutzen. Für alle anderen Verkehrsteilnehmer bedeutet die Missachtung der Straßenpflicht eine Ordnungswidrigkeit.
Und was ist mit Verkehrsteilnehmern, die sich auf der Straße unsicher fühlen?
Karin Sager empfiehlt auch den unsicheren Radlern, sich nun mit dem Fahrrad auf die Fahrbahn zu trauen. Wer Zweifel hat, könne sich beim ADFC Tipps geben lassen. Zudem hoffe sie, dass andere Gemeinden dem Vorbild Hanstedts folgen werden.

Kommentar:

Das ist zu kurz gedacht!
Schade! Hier wurde eine gute Idee nicht bis zum Schluss durchdacht: Die Initiative von Karen Sager ist richtig. Wenn sie davon überzeugt ist, als Radfahrerin auf der Straße besser aufgehoben zu sein, dann ist es nur konsequent, ihr dies auch zu ermöglichen. Aber warum muss man das denn gleich zur generellen Bedingung für einen ganzen Ort machen. So hätte es sich an der Hauptstraße und auch an anderen Stellen angeboten, ein Zusatzschild „Radfahrer frei“ aufzustellen - und alle wären glücklich gewesen. Es gibt jede Menge Radfahrer - nicht nur Kinder und Senioren - die sich auf der Straße unsicher fühlen. Sie werden jetzt gezwungen, auf der Straße zu fahren. Denn schlimmer als die mögliche Strafe (Ordnungswidrigkeit) ist im Falle eines Unfalls die Frage, wie sich die Versicherung verhält, wenn gegen das Fahrtverbot auf dem Bürgersteig verstoßen wird.
Sascha Mummenhoff