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Nachwuchs auf Umwegen! Nandu-Henne im Wildpark legte unbemerkt Eier - und machte einen Alpaka-Hengst zum "Vater"

Ein bisschen "Jurassic Park": Besonders als Küken erinnern die Nandus an Urzeit-Vögel (Foto: Wildpark/Thomas Ix)
mum. Hanstedt-Nindorf. Diese Geschichte hat den Stoff zu einem Hollywood-Film - allerdings spielen Tiere die Hauptrolle! Wenn Besucher des Wildparks Lüneburger Heide das Südamerika-Gehege erreichen, um sich Alpakas, Ziegen und Nandus anzusehen, fällt derzeit ein separater Holzverschlag im hinteren Bereich des Geheges auf. Das ist die Kinderstube zweier Nandu-Küken, die vor gut zwei Monaten geschlüpft sind. Über Nachwuchs freut man sich im Wildpark natürlich immer. Aber eigentlich hätte es weder die Eltern, noch die Küken im Wildpark geben dürfen. Warum?
Der Auftakt dieser kuriosen Geschichte liegt einige Jahre zurück. Damals hatte Senior-Chef Norbert Tietz versucht, Nandus im Wildpark zu etablieren. „Wir hatten viel Pech mit den Tieren. Sie erkrankten und verstarben“, erinnert sich Tierpflegerin Alexandra Urban. Die Enttäuschung war groß und das Kapitel der Nandus geschlossen. Vor einiger Zeit startete Junior-Chef Alexander Tietz einen weiteren Versuch. Gemeinsam mit Urban besorgte er drei Nandu-Eier von einem Züchter aus Bayern. Sie wanderten gleich in die Brutmaschine von Falkner Lothar Askani.
Mit Erfolg! Aus allen drei Eiern schlüpften gesunde Nandu-Küken. Urban nahm die Tiere mit zu sich nach Hause und kümmerte sich rund sechs Monate um die Aufzucht der empfindlichen Küken. Als die Nandus dann groß genug waren, stand der Umzug ins Südamerika-Gehege an.
Mit den drei Nandus hatte das Südamerika-Gehege nun eine ausgewogene Zusammensetzung - mehr dieser großen Laufvögel sollten es nicht werden. „Wenn die Henne Eier gelegt hatte, haben wir sie eingesammelt und gegen Gipseier ausgetauscht“, so Urban. Das Ausbrüten übernimmt übrigens der Nandu-Hahn.
Doch vor einigen Monaten hatte eine Henne von den Pflegern unbemerkt mehrere Eier gelegt. Der Hahn nutzte die Gelegenheit, setzte sich auf die Eier und bewegte sich fortan keinen Zentimeter mehr vom Nest. Er musste sogar auf den Eiern sitzend gefüttert werden. An einem Morgen im Juni bemerkte die Tierpflegerin, dass der Hahn sein Nest verlassen hatte. Neben dem Gipsei lagen dort zwei zerbrochene Eierschalen. Wo waren die Küken? Ihre suchenden Blicke durchs Gehege blieben schließlich an Alpaka-Hengst „Leandro“ hängen, der zwei kleine gefiederte Kreaturen im Schlepptau hatte.
„Für frisch geschlüpfte Nandu-Küken ist das erste Tier mit langen Beinen, das es sieht, die ‚Mama‘ und wird verfolgt“, erklärt Urban. „Leandro“ sei ein extrem neugieriger Alpaka-Hengst ist. Just in dem Moment, als die Küken schlüpften, muss er wohl wieder mal nach dem Rechten gesehen haben und wurde so unfreiwillig zur Nandu-Mama.
In den ersten Tagen sei es die größte Herausforderung für das Wildpark-Team gewesen, „Leandro“ und die Küken zu trennen. Das Alpaka musste für eine Zeit lang in den Stall und die Nandu-Küken bekamen mit ihrem Vater einen eigenen Holzverschlag. Dort können sie sich nun in aller Ruhe aneinander gewöhnen.