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Zu hoher Preis für Y-Trasse? Deutsche Bahn präsentierte Mandatsträgern aus der Region Alternativstrecken zur Y-Trasse

"Bahn frei für den Güterverkehr" lautete die Devise bei den umstrittenen Trassenvarianten (Foto: archiv)
 
Informierten über den Planungsstand: Simone Ilgner und Michael Baufeld von der Deutschen Bahn AG
ce. Brackel. "Es gibt für uns keine Präferenzen. Alles ist möglich - es fragt sich nur, zu welchem Preis." Das sagten Michael Baufeld, Sprecher Großprojekte der Deutschen Bahn AG, und Simone Ilgner, bei der Bahn unter anderem zuständig für die Y-Trasse, in Brackel. Dort stellten sie der Presse und rund 80 Mandatsträgern aus dem Landkreis Harburg Alternativ-Varianten zur seit 1992 immer wieder geplanten Aus- und Neubaustrecke Bremen-Hamburg-Hannover, der sogenannten Y-Trasse, vor. Bereits im Vorfeld waren die Planungen auf Proteste gestoßen (das WOCHENBLATT berichtete), und auch in Brackel war einigen kommunalen Vertretern der Preis für das Vorhaben nicht nur finanziell zu hoch.
Der Bund hat die Bahn für die Erstellung des Verkehrswegeplanes 2030 mit der Untersuchung von Alternativen zur Y-Trasse beauftragt. Ziel ist es, insbesondere den zunehmenden Güterverkehr "aufzufangen" und den stark belasteten Verkehrsknotenpunkt Hannover zu entlasten. Folgende in Frage kommende Trassenführungen wurden nach den Kritierien der baubetrieblichen Umsetzbarkeit, Risiken durch Schutzgebiete, Schallschutz und sich aus dem Trassenverlauf ergebende Risiken unter die Lupe genommen:
• Klassische Y-Trasse: Streckenneubau ab Lauenbrück in Richtung Bremen und Hannover (Kosten: rund 2,7 Milliarden Euro) sowie viergleisiger Ausbau der vorhandenen Route Buchholz - Lauenbrück (200 Millionen Euro). Natur- und Landschaftsschutzgebiete würden auf etwa 55 Kilometern berührt. Insgesamt gut 2.000 Wohneinheiten wären betroffen, auf 55 Kilometern müssten Lärmschutzwände gebaut werden. Das Planfeststellungsverfahren wäre neu durchzuführen, da das erste Verfahren zu lange zurückliegt.
• Ausbau der Y-Trasse für den Güterverkehr: Hier würde die neue Route hinter Maschen von der bestehenden Route Maschen-Uelzen abzweigen und westlich parallel zur A7 verlaufen. Kosten: 2,5 Milliarden Euro. Schutzgebiete würde die Trasse auf 80 Kilometern tangieren. Bis zu 25.000 Wohneinheiten wären betroffen, 65 Kilometer Lärmschutzwände müssten her.
• Erweiterung der Bestandsstrecken: Ein viergleisiger Ausbau bis Uelzen und Celle für 2,5 Milliarden Euro wäre erforderlich. Da etwa 100 Kilometer Schutzgebiete und 55.000 Wohneinheiten (55 Kilometer Lärmschutzwände) betroffen wären, hätten die Planer nach eigenen Angaben "Bauchschmerzen" bei der Umsetzung dieser Variante. Zudem müsste die A39 bei Bardowick teilweise verlegt werden, und einige Gewerbegebiete stünden im Weg.
• Neubaustrecke Ashausen - Suderburg bzw. Ashausen - Unterlüß: Erstere Variante würde mit 1,4 Milliarden Euro zu Buche schlagen, 30 Kilometer Schutzgebiete berühren und 5.000 Wohneinheiten (25 Kilometer Lärmschutz) betreffen. Die Unterlüß-Alternative käme auf etwa zwei Milliarden Euro, 55 Kilometer betroffene Schutzgebiete und 10.000 betroffene Wohneinheiten (55 Kilometer Lärmschutz). Die Trasse würde von Maschen über Ashausen, den Raum Winsen und durch die Samtgemeinde Salzhausen führen. Diese Aussicht sorgte bereits für Proteste bei Kommunen und Naturschützern (das WOCHENBLATT berichtete).
Nach einem Dialogverfahren zwischen Bahn und Land sowie Bürgerinfoveranstaltungen wird der Bund die Trassenvarianten einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterziehen. Sollte eine der Varianten seine Zustimmung finden, wird ab Sommer 2015 erst das Raumordnungs-, anschließend das Planfeststellungsverfahren beginnen. Baubeginn: wohl nicht vor dem Jahr 2025.

DAS SAGEN LANDKREIS UND KOMMUNEN:

(ce). "Wir favorisieren weiterhin die klassische Y-Trasse, jede Alternative würde die Planung und Umsetzung erneut um Jahrzehnte verzögern", sagte Erster Kreisrat Rainer Rempe nach der Infoveranstaltung. "Ich erwarte von der Deutschen Bahn und dem Land Niedersachsen, dass wir als unmittelbar betroffener Landkreis ab sofort in alle Planungsschritte der Alternativprüfungen direkt eingebunden werden." Rempe kritisiert die "kaum nachvollziehbare Kostenkalkulation" der Bahn bei der Vorstellung der Trassenvarianten. Die Berechnungen ließen vorhandene Daten etwa zum Nahverkehr "völlig unberücksichtigt".
Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause bewertete die Informationen der Deutschen Bahn als "sehr oberflächlich". "Wir erwarten kurzfristig die Einleitung eines offiziellen Beteiligungsverfahrens der betroffenen Kommunen durch das Land", so Krause. Zudem fordere er, dass bei zukünftigen Veranstaltungen zum Thema Y-Trasse nicht nur Vertreter der Bahn, sondern auch des zuständigen Ministeriums anwesend sind.
Helmut Gehrke, Bürgermeister der von der Y-Trassen-Variante Ashausen-Unterlüß betroffenen Gemeinde Vierhöfen, zeigte sich gegenüber dem WOCHENBLATT "enttäuscht darüber, dass wir erst jetzt aus den Unterlagen der Bahn erfahren haben, wie dicht die angedachte Trasse an unserem Dorf vorbeiführen würde".