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Flüchtlinge im Landkreis Harburg: Das Spiel mit den Zahlen

Ein TV-Team befragte WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff zu den jüngsten Entwicklungen in Undeloh (Foto: os)

Wohin mit den Flüchtlingen? Landkreis sieht sich gut aufgestellt - und sucht dennoch nach Alternativen.

(mum). "Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast". Dieses Zitat soll von Winston Churchill stammen. Geht es um die Einrichtung neuer Unterkünfte für Asylbewerber scheint der Landkreis Harburg Zahlen selbstverständlich nicht zu fälschen. Dafür - da sind sich Insider sicher - werden die Zahlen einfach "schön geredet".
Wie berichtet steht der Landkreis vor einer großen Aufgabe: Bis September müssen zu den bereits etwa 380 bestehenden Plätzen für Flüchtlinge 400 neue geschaffen werden. Das hat der Landkreis selbst häufig genug betont. Auf WOCHENBLATT-Nachfrage nennt Rainer Kaminski, Fachbereichsleiter Soziales, nun folgende Zahlen. "Derzeit sind 450 Flüchtlinge im Landkreis Harburg untergebracht." 52 seien in diesem Jahr dazu gekommen. 30 von ihnen wurden neuen Unterkünften zugewiesen. Kaminski plant mit folgenden Zahlen: In Winsen sind 21 Plätze und in Garlstorf zehn Plätze frei. In Stelle sollen bis zum 1. Oktober 50 Plätze bezugsfertig sein. Außerdem seien in Buchholz (20 bis 30 Plätze) und Hanstedt (35 bis 40 Plätze) Neubauten geplant. Wann diese genutzt werden können, ist offen. Unter dem Strich stehen derzeit nicht einmal 40 neue Plätze zur Verfügung. "Wir wissen ja gar nicht, wie viele Personen tatsächlich kommen", so Kaminski. "Ich denke, wir sind gut aufgestellt." Dennoch bittet er Besitzer leerstehender Immobilien, diese für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.
Vor diesem Hintergrund ist es kaum zu verstehen, dass Landrat Joachim Bordt Undeloh nicht mehr in Betracht zieht. Wäre es nach dem Willen des Landkreises gegangen, sollten im Laufe des Jahres dort 29 Asylbewerber in einem ehemaligen Café untergebracht werden. Doch in Undeloh regte sich nach dem Bekanntwerden der Pläne Widerstand. In einer Gemeinderatssitzung wurde offen gegen "Dunkelhäutige" und "Frauen mit Kopftuch" Stimmung gemacht.
Das zentrale Argument des Undeloher Gemeinderats gegen die Asyl-Unterkunft lautete: Es fehle die nötige Infrastruktur. Doch der Landkreis konterte: Man plane einen Fahrdienst in den nächstgrößeren Ort. Dann die Rolle rückwärts: „Ich habe mich nach sorgfältiger Abwägung entschieden, unsere Pläne für diese Unterkunft nicht weiterzuverfolgen“, hatte Landrat Joachim Bordt verkündet. Die abweisende Haltung vieler Undeloher hätte bei dieser Entscheidung allerdings keine Rolle gespielt.
Menschen, die die große Flüchtlingswelle Anfang der 90er Jahre miterlebt haben, als Asylbewerber in Turnhallen untergebracht werden mussten, fürchten, dass sich dies jetzt wiederholen könnte. Nur diesmal hätte der Landkreis ausreichend Zeit gehabt, für Alternativen zu sorgen.
"Zweifelhafter Protest: Verhindern Bürger eine Asyl-Unterkunft?" lautet der Titel eines TV-Beitrags, der am Dienstag, 14. Mai, ab 21.15 Uhr im Zuge der NDR-Sendung "Panorama 3" zu sehen war. Hier die Link: Zweifelhafter Protest: Verhindern Bürger Asyl-Unterkunft?

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