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Scheitert ihr Traum von der Hundepension am Behördenstarrsinn

Sorgen sich um ihre Hundeschule/Pension: Eva-Maria Meyer und Meike Hees (li.)
 
Die umgebauten Ställe: Hier darf Damwild gehalten werden aber keine Hunde (Foto: oh)
(mi). Mit einer Hundepension und Hundeschule haben sich Eva-Maria Meyer (46) und Meike Hees (42) einen Traum erfüllt. Seit drei Jahren betreiben sie ihren "Hundhof" auf einem sechs Hektar großen Waldgrundstück direkt neben dem Gelände des ehemaligen NATO-Depots zwischen Seevetal und Marxen (Samtgemeinde Hanstedt). Die als Verhaltensbiologin bzw. Tierpflegerin ausgebildeten Frauen nehmen Hunde in Pension und helfen schwierigen oder traumatisierten Vierbeinern und ihren Besitzern.
Der Betrieb ist angemeldet, zahlt Steuern und das Veterinäramt hat alles abgenommen. Das Grundstück ist perfekt, die Nachfrage groß und die Kunden zufrieden. Doch die zwei Frauen müssen dennoch um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Der Grund: Sie betreiben einen "Schwarzbetrieb".
Das wirft ihnen zumindest die Bauaufsicht des Landkreises Harburg vor. Um weitermachen zu dürfen, sollen sie jetzt für eine Änderung des Flächennutzungsplans ca. 20.000 Euro bezahlen und einen Waldweg als Zufahrtstraße auf 3,50 Meter ausbauen. Geschätzte Kosten: rund 73.000 Euro.
Meike Hees und Eva-Maria Meyer haben für ihre Pension/Hundeschule ein ehemaliges Damwild-Gehege gepachtet und die vorhandenen Ställe umgebaut. Diese Ställe waren aber nur für Damwild genehmigt, nicht für Hunde. Doch damit nicht genug: Eine Nutzungsänderung blockiert der Landkreis seit Monaten. Denn obwohl die Hundepension über eine gut ausgebaute, ehemalige NATO-Straße direkt zu erreichen ist, argumentiert die Behörde, das Gelände sei verkehrstechnisch nicht erschlossen. Keine Erschließung, keine Nutzungsänderung, keine Genehmigung. Die NATO-Straße eigene sich nicht, weil sie zu Seevetal, die Pension aber zur Samtgemeinde Hanstedt gehöre. Der Flächennutzungsplan müsse geändert werden, weil es sich bei der Hundepension im Gegensatz zum Damwild-Gehege um Gewerbe und nicht um im Außenbereich priviligierte Land- oder Forstwirtschaft handle, hat man den Hundehof-Betreiberinnen erklärt.
Grotesk: Priviligiert wären auf dem naturbelassenen Waldgrundstück demnach aber ein Schweinemaststall oder eine Biogasanlage.
Eva-Maria Meyer und Meike Hees sind mit ihrem Latein am Ende.
Einerseits müssen immer mehr Halter qua Gesetz mit ihren Hunden zu einer Hundeschule, anderseits, sei es ebenfalls qua Gesetz kaum möglich, eine Hundeschule zu eröffnen, die den Bedürfnissen von Tieren, Haltern und Nachbarn Rechnung trage. "Wo sollen wir denn hin? Mitten in den Ort dürfen wir nicht, und in einem Gewerbegebiet sind Klagen wegen des Gebells programmiert", sagen sie. Nicht umsonst lägen Tierheime ja auch meist im Außenbereich und nicht in Gewerbe- oder Wohngebieten.
Eva-Maria Meyer und Meike Hees hoffen jetzt darauf, gemeinsam mit den Behörden eine auch durchführbare Lösung zu finden. "Wir stören niemanden, fällen keine Bäume oder greifen sonst wie in die Natur ein, wir wollen hier nur mit den Hunden arbeiten, das muss doch möglich sein", appellieren sie an die Verantwortlichen.
Kommentar

Augenmaß und Kreativität - Fehlanzeige

Es ist unglaublich: Die Hof-Betreiberinnen setzen eine innovative Idee um, können sich selbst versorgen und bedienen eine steigende Nachfrage. Kurz: ihr Betrieb ist ein Zukunftsmodell.
Nur ihr Hundehof liegt auf dem Papier am falschen Ort. Statt dieses Problem zu lösen und zu helfen, suchen die Bürokraten der Bauaufsichtsbehörde offenbar nur nach Gründen, warum etwas nicht geht. Wenn man dem Hundehof wirklich helfen will, bedarf es aber Entscheidungen auf Basis des Gesetzes, die von Mut und Augenmaß geprägt sind. Offenbar beides Eigenschaften, die im Winsener Kreishaus zumindest bei der Bauaufsicht Mangelware sind. Ob man mit dieser starren Einstellung allerdings, wie immer betont wird" Kreativität und Innovation in den Kreis holt bleibt abzuwarten. Mitja Schrader

Wie der Landkreis jetzt reagiren will