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Angeblicher Mitschnacker: Wie aus Gerüchten "Fakten" wurden

Ein Mann hatte ein Mädchen am Straßenrand mit seiner Tochter verwechselt und aus dem Auto gegrüßt - der Beginn einer fatalen Kette (Foto: jd)

tk. Harsefeld. Wenn Kinder belästigt werden, nimmt die Polizei das ernst. Was jetzt in Harsefeld geschah, trägt aber Züge einer Massenhysterie - befeuert durch soziale Netzwerke. Zwei Mädchen wurden angeblich von Mitschnackern angesprochen. Ein Vorfall war ein Missverständnis, der andere eine Lügengeschichte. Im Netz wurden daraus aber harte Fakten.

"Wir hätten zwei Mann nur für den Telefondienst abstellen können", sagt Harsefelds Polizeichef Holger Heins. Pausenlos gingen Hinweise auf einen goldfarbenen Wagen ein. Ganz konkret wurden Männer genannt, die mit Sicherheit der Mitschnacker sein sollten. "Jedem Hinweis müssen wir nachgehen", sagt Heins. "Dabei gerieten völlig unbescholtene Menschen ins Visier der Polizei", sagt Polizeisprecher Rainer Bohmbach.

In Windeseile wurde die Nachricht vom angeblichen Mitschnacker verbreitet. Und viele beließen es nicht beim Teilen, sondern packten noch etwas obendrauf. "Wie stille Post", sagt Holger Heins. Gerüchte wurden zu Fakten.

Am Mittwochabend war klar, dass es keinen Mitschnacker gibt. Doch noch immer trudelten Hinweise auf konkrete Männer und Autos ein.

"Dass sich Eltern Sorgen machen, kann ich verstehen", sagt Rainer Bohmbach. Eine solche Welle hat er aber noch nicht erlebt. Facebook und Co. können der Polizei helfen - aber nur dann, wenn es beim Teilen von Fakten bleibt. Wenn die halbe Landkreis-Polizei Gerüchten hinterherjagt, bleibt anderes liegen. Und: Beim "echten" Mitschnacker werden netzwerk-kritische Zeitgenossen Fakten vielleicht für Gerüchte halten.

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