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Harsefeld: "Drogenrazzia" neben der Schule

Eine "Tüte" mit "Gras" ist besonders bei jugendlichen "Kiffern" beliebt
jd. Harsefeld. Drogenfahnder waren in Harsefeld mit Spürhund gegen vermeintliche "Kiffer" im Einsatz. Auf dem Lande ist die Welt noch in Ordnung: Das hoffen jedenfalls viele Eltern. Sie glauben, dass die Sprösslinge weitab der Metropolen seltener mit Drogenkonsum oder Jugendkriminalität in Berührung kommen. Doch die heile Welt hat Kratzer bekommen - zumindest in Harsefeld. Dort war vor ein paar Tagen die Polizei im Einsatz: Drogenfahnder mitsamt Spürhund sowie mehrere Streifenbeamte führten eine "Razzia" durch. Sie wurden tatsächlich fündig - ausgerechnet in unmittelbarer Nähe der zwei größten Schulen des Ortes: In einem Unterstand am Bolzplatz zwischen dem Gymnasium und der Haupt- und Realschule entdeckten die Polizisten Reste von Joints.

Laut Mitteilung der Polizei trafen die Beamten an der kleinen Hütte zwar rauchende Schüler an, doch diese konsumierten keine Drogen. "Die jungen Leute hatten nur Zigaretten bei sich", erklärte Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Nach seiner Auskunft ließen die auf dem Boden verstreuten Kippen mit Hanfresten aber darauf schließen, dass der Verschlag als Treffpunkt für "Kiffer" diene. Da die Ermittler in einer großen Pause anrückten, vermutet die Polizei wohl, dass es Schüler sind, die sich dort ihre "Tüten" mit Marihuana drehen.

Auf Anfrage erklärte der Leiter der Haupt- und Realschule, Raymund Seeldrayers, dass es an seiner Schule keine konkreten Fälle von Drogenkonsum gebe und er von einem Polizeieinsatz nichts wisse. Vor Jahren habe es ein Problem mit dem illegalen Verkauf von Ritalin gegeben. Dieses habe die Schule aber mit Hilfe der Polizei gelöst. Auch Johann Book, Direktor des Aue-Geest-Gymnasiums, wies in einer Stellungnahme jegliche Vermutung zurück, dass an seiner Schule eine "Drogenproblematik" bestehe: "Wir sind hier kein Drogenumschlagsplatz."

Dennoch habe er nach einem anonymen Hinweis, "der sich auf das räumliche Umfeld der Schule bezog", Handlungsbedarf gesehen, so Book. Sicherheitshalber sei die Polizei informiert worden, die "den vermeintlichen Treffpunkt für Marihuanakonsum in Augenschein genommen habe". Die sich dort aufhaltenden Oberstufenschüler seien befragt worden. Von einem Fund irgendwelcher Drogen ist Book nichts bekannt. Nach seiner Auskunft wird sich das Gymnasium im Rahmen eines Präventionskonzeptes mit den Themen Sucht und Drogen befassen. Zur nächsten Schulelternratssitzung sei ein Vertreter der Polizei als Referent eingeladen.

Die Polizei werde die Sache weiter im Auge behalten, so Sprecher Bohmbach. Dass die Beamten an den Schulen eine Großrazzia durchführen, bei der womöglich jeder Schüler auf Drogen gefilzt wird, schließt Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, definitiv aus: "Wir können nicht alle Schüler unter Generalverdacht stellen, sondern dürfen nur Kleidung und Taschen durchsuchen, wenn es konkrete Anhaltspunkte gibt, die einzelne Personen belasten."

Die Wahrscheinlichkeit dürfte hoch sein, dass sich die mutmaßlichen "Kiffer" nun einen anderen Treffpunkt suchen, um ihr "Gras" zu rauchen. Schließlich gibt es rund um die Schulen genug lauschige Ecken, die nur schwer einsehbar sind. Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation ab April entwickelt. Dann öffnet in unmittelbarer Nachbarschaft der Neubau des Jugendzentrums seine Pforten. Dessen bisherige "Klientel" ist - vorsichtig gesagt - auch nicht "ohne". Da liegt das Problem aber eher beim übermäßigen Konsum von Alkohol.