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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage: Ermittlungen gegen Mann aus Harsefeld wegen Brandstiftung sind abgeschlossen

Großeinsatz in Harsefeld: Da nicht feststand, welche schadstoffhaltigen Flüssigkeiten verschüttet wurden, legten die Feuerwehrmänner Schutzkleidung an
jd. Harsefeld. Viele Menschen verbinden mit dem Jahreswechsel große Hoffnungen und hohe Erwartungen. Andere wissen schon jetzt, dass das neue Jahr nichts Gutes für sie bringen wird. Zu denen gehört Andre S.*: Den Hartz-IV-Empfänger erwartet ein Strafprozess. Der 33-Jährige muss sich demnächst vor dem Buxtehuder Schöffengericht verantworten. S. sorgte im Juli 2015 für den größten Feuerwehreinsatz in der Samtgemeinde Harsefeld seit dem Brom-Unfall am örtlichen Gymnasium (September 2013): In alkoholisiertem Zustand hatte er damit gedroht, ein Mehrfamilienhaus anzuzünden.

"Die Ermittlungen sind abgeschlossen und die Anklageschrift ist vor Kurzem an das Gericht gegangen", teilte der Sprecher der Stader Staatsanwaltschaft, Kai Thomas Breas, auf WOCHENBLATT-Anfrage mit. Die Strafverfolgungsbehörde wirft S. versuchte schwere Brandstiftung sowie gefährliche Körperverletzung vor. Nach Einschätzung von Breas muss S. mit einer Haftstrafe zwischen zwei und vier Jahren rechnen.

Der Tat vorausgegangen war ein Nachbarschaftsstreit, der offenbar eskalierte: Laut Polizei hatte S. in seiner Wohnung Terpentinersatz verschüttet. Dabei bekam auch seine Freundin einige Spritzer der leicht entzündlichen Flüssigkeit ab. Sie sei wegen Vergiftungserscheinungen und Hautausschlag ambulant im Krankenhaus behandelt worden, so Breas. Nach dem Wutausbruch in der Wohnung soll S. laut den Ermittlern auf der Terrasse und am Wohnhaus größere Mengen Nitro-Verdünner ausgekippt haben.

Gegenüber dem WOCHENBLATT hatte S. kurz nach dem Vorfall erklärt, nie ernsthaft die Absicht gehabt zu haben, Haus und Wohnung in Brand zu setzen: "Ich würde meiner Freundin und unseren beiden gemeinsamen Töchtern nichts zuleide tun." Doch für die Staatsanwaltschaft stellt sich das Geschehen anders dar: Nach Zeugenangaben soll S. draußen vor dem Haus ein Feuerzeug in der Hand gehalten und versucht haben, dieses zu entfachen. Offenbar ist ihm dies wegen seines berauschten Zustandes nicht gelungen. Laut Gutachter soll S.' Blut zum Tatzeitpunkt etwa 1,5 bis 1,7 Promille Alkohol aufgewiesen haben. Außerdem soll er zuvor Cannabis konsumiert haben.

Vor dem Zivilgericht läuft bereits ein weiteres Verfahren: Für den rund fünfstündigen Feuerwehreinsatz bekam S. von der Samtgemeinde Harsefeld und vom Landkreis Stade saftige Rechnungen präsentiert. Allein die Harsefelder Forderungen belaufen sich auf mehr als 7.000 Euro. S. soll auch für die kurzfristige Unterbringung der anderen Hausbewohner in einem Hotel aufkommen. Kostenpunkt: knapp 800 Euro. S. hat gegen den Gebührenbescheid geklagt. Nach seiner Ansicht sei der Aufwand nicht gerechtfertigt gewesen.


* Name v. d. Redaktion geändert