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Abschied von einem Unikum

Manfred Hinck (li.) war schon als Schüler Kunde. Damals deckte er sich im Geschäft von Roland Meyer vor allem mit Heften ein
 
Die Auswahl an Schuluntensilien ist unerschöpflich
jd. Ahlerstedt. Roland Meyer wurde mit seinem Laden alt: Jetzt will der Ahlerstedter "Höker" aufhören. Er versorgte Generationen von Ahlerstedter Schülern mit allem, was sie für den Unterricht unbedingt haben mussten und was sie nach Schulschluss gern haben wollten: Roland Meyers reichte in seinem Schreib- und Spielwarengeschäft nicht nur Abertausende von Heften, Stiften, Radiergummis und Geodreiecken über den Ladentresen, sondern auch Berge von Modellautos, Puppen oder Plüschtieren. Doch nun will er seinen Laden schließen: Mit 75 sei das Alter erreicht, um aufzuhören, so der Junggeselle.

Ein festes Datum hat sich das Ahlerstedter Unikum allerdings noch nicht gesetzt: "Irgendwann in den kommenden Wochen wird es soweit sein." Bis dahin muss noch ordentlich die Kasse klingeln: In dem kleinen Laden, dessen Inventar mit seinem Inhaber alt geworden ist, stapeln sich die Waren bis unter die Decke. Allein die Schulutensilien dürften ausreichen, um weitere 20 Jahrgänge auszustatten. Auf den ersten Blick wirkt es ein wenig chaotisch, doch dieser Eindruck täuscht: Irgendwie ist alles systematisch sortiert, wobei offenbar nur Roland das System durchschaut.

Auch wenn das Aus nicht unerwartet kommt: Die Ahlerstedter werden den gemütlichen Hökerladen sicherlich vermissen. "Ich fahr' mal eben zu Roland", heißt es immer, wenn noch schnell eine Grußkarte, ein Bastelbogen oder ein Geschenk für den Kindergeburtstag besorgt werden muss. So mancher schaut auch gern zu einem Klönschnack vorbei: Bei Roland erfährt man schließlich das Neueste aus dem Dorf. Und egal, wie viel Geld man bei ihm lässt: Jeder Kunde bekommt einen schlauen Spruch gratis obendrauf.

Den Beruf des ehrbaren Kaufmanns hat Roland von der Pike auf gelernt: Nach den Lehrjahren in Gnarrenburg zog es ihn nach Düsseldorf. "Dort machte ich in Eier, Butter, Käse", berichtet er auf seine humoristische Art. Übersetzt bedeutet dies: Roland war im Lebensmittel-Großhandel tätig. Irgendwann Ende der 1970er Jahre sei er dann zurück nach Ahlerstedt gekommen, um seine Mutter, die im Dorf als "Tante Lieschen" bekannt war, im Laden zu unterstützen, so Roland. Das Geschäft gibt es bereits seit 1948: Damals hatte Rolands Stiefoma in der Stellmacherei ihres Mannes eine Ecke mit Schreibwaren eingerichtet, um ein kleines Zubrot zu verdienen.

Dann wurde die Werkstatt geschlossen und das Geschäft vergrößert. Mehr als zwei Jahrzehnte standen Mutter und Sohn einträchtig hinter dem Ladentresen, um die Ahlerstedter mit allen wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen - bis "Tante Lieschen" starb. "Das Duo war legendär", sagt Manfred Hinck, der mal eben auf einen Sprung vorbeischaut. Der gebürtige Ahlerstedter, der inzwischen in Hamburg lebt, war gerade auf Stippvisite in seinem Heimatdorf, als er hörte, dass Roland seinen Laden schließen will. "Das ist jammerschade", befindet Hinck, "doch die Zeiten lassen sich eben nicht zurückdrehen." Er selbst habe sich mit seinen Mitschülern oft bei Roland aufgehalten, um die Unmengen von Spielzeug zu bestaunen: "Das war hier das Dorfzentrum. Hier trafen sich Jung und Alt."