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Alarm im Geschäft: Schuhe sind schuld - Wie ein WOCHENBLATT-Reporter zum vermeintlichen Ladendieb wird

Ein Paar Schuhe machte WOCHENBLATT-Reporter Jörg Dammann zum vermeintlichen Ladendieb
 
Der "Übeltäter" ist entlarvt: Ein sogenanntes RF-Etikett klebte unter der Einlegesohle
(jd). Das Weihnachtsgeschäft ist gelaufen. Die meisten Händler dürften mit den Umsätzen zufrieden sein. Doch nicht jeder Artikel, der aus dem Laden getragen wurde, ist zuvor bezahlt worden. Dem deutschen Einzelhandel entstehen durch Diebstahl Verluste in Höhe von sechs Millionen Euro - und zwar täglich! Viele Waren sind daher mit elektronischen Sicherungssystemen vor Langfingern geschützt. Doch diese Systeme haben ihre Tücken. Diese Erfahrung musste kürzlich WOCHENBLATT-Reporter Jörg Dammann machen. Was er erlebte, ist wirklich zum "Piepen":

Gemeinsam mit meiner Frau stürzte ich mich in den Einkaufstrubel, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Wir eilten von Laden zu Laden, und irgendwann wunderte ich mich, dass fast jedes Mal der Sicherungsalarm anschlug, wenn wir aus einem Geschäft gingen. Auch am Ausgang eines großen Elektromarktes tönte es wieder "piep, piep, piep". Doch diesmal wurde ich gestoppt: "Kommen Sie bitte kurz zurück", forderte mich eine Verkäuferin auf. Sie zückte eine Handsonde. Ich stand da wie ein ertappter Ladendieb, gefühlt waren die Blicke von mindestens Hundert Kunden auf mich gerichtet.

Doch die Sonde blieb stumm. Die Verkäuferin bat mich, zum Ausgang zu gehen. Erneut piepte es. Ich legte meine Jacke ab und kramte den Inhalt meiner Hosentaschen zur Seite. Doch wieder löste ich Alarm aus. Die Verkäuferin wollte mich ziehen lassen, doch nun war ich wild entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen: Ich "drohte" der jungen Dame an, mich notfalls sämtlicher Kleidungsstücke zu entledigen. Bevor ich die Hose herunterlassen wollte, waren die Schuhe dran. Und siehe da: Der Sicherungsalarm blieb stumm und mir eine große Peinlichkeit erspart. Wieder daheim, nahm ich die kürzlich erworbenen Treter genau unter die Lupe: Die Mini-Sicherung klebte unter der Einlegesohle.

Schutz vor Ladendiebstahl: Immer mehr Hersteller setzen auf "Quellensicherung" direkt an der Ware

Wer kennt das nicht: Man packt zu Hause die Einkaufstüte aus und an einem Kleidungsstück hängt noch das klobige Sicherungsetikett. Das Personal hat wie so oft nicht auf den Alarm am Ausgang reagiert und wer brav bezahlt hat, fühlt sich auch nicht betroffen. Doch nun muss man wohl oder übel muss erneut das Geschäft aufsuchen, denn die Etiketten aus hartem Kunststoff lassen sich meist nur mit speziellen Geräten entfernen, die fest im Ladentresen eingebaut sind. Wesentlich eleganter sind die neueren Funkfrequenz-Systeme, die Waren vor Diebstahl schützen sollen: Sie passen auf dünne Aufkleber aus Papier und lassen sich meist unsichtbar am oder im Produkt unterbringen. Das klingt praktisch, doch wehe, wenn diese sogenannten RF (Radiofrequenz)-Etiketten nicht deaktiviert sind.

"Meine Schuhe haben Alarm ausgelöst" oder "Wenn ich meine neuen Schuhe trage, piept es am Ladenausgang": Zahlreiche Beiträge mit solchen und ähnlichen Titeln finden sich in Online-Infoforen wie "gutefrage.net". Offensichtlich gibt es am häufigsten Probleme mit Schuhen. Im Internet machen etliche Kunden ihrem Ärger Luft, berichten über unangenehme Situationen, wenn sie in anderen Geschäften am Ausgang angehalten werden, weil die Sicherungsanlage ansprang.

Warum ausgerechnet besonders Schuhe betroffen ist, bleibt nur zu mutmaßen: Ein möglicher Grund kann sein, dass die dicken Sohlen das RF-Etikett abschirmen. Bezahlte Ware wird an der Kasse über einen Deaktivator gezogen, der mittels mechanischer Schwingungen eine Sollbruchstelle durchtrennt. Die elektronische Einheit im Etikett ist dadurch unwiderruflich lahmgelegt, sodass dieses kein Funksignal mehr aussenden kann.

Im Fall unseres Reporters war das Problem schnell gelöst: Er zog das Etikett einfach ab. Doch nicht immer lässt sich bei gekauften Artikeln eine Diebstahlsicherung so leicht unschädlich machen: Manche Hersteller gehen mittlerweile dazu über, die RF-Etiketten in Säume einzunähen oder fest in der Ware einzuschweißen. Quellensicherung nennt sich das.

Auf jeden Fall abzuraten ist von den Tipps, die im Internet kursieren: Dort wird unter anderem empfohlen, die betroffenen Schuhe oder Kleidungsstücke für ein paar Sekunden in die Mikrowelle zu stecken. Tatsächlich überleben die elektronischen Bauteile solch eine Prozedur nur selten. Doch es gibt einen unerwünschten Nebeneffekt: Die neugekaufte Ware kann Schaden nehmen.

Manche Hersteller verweisen darauf, dass die RF-Etiketten nach ein paar Wäschen oder chemischen Reinigungen ebenfalls hinüber sind. Ein guter Hinweis, der allerdings bei Schuhen herzlich wenig nützt.

Schwingungen lösen Alarm aus

Ein RF-Etikett ist mit einer hauchdünnen, silbrig glänzenden Metallspirale versehen, die als Antenne dient. Die Spirale ist über einen Steg mit einem Kondensator verbunden. Dieser lädt sich über die Antennen in den Sicherungsschleusen an den Ausgängen auf. Zwischen Kondensator und Spirale entstehen Schwingungen, die wiederum von den Antennen erfasst werden. Das System schlägt Alarm.