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Besuch aus Brest in Brest

Die weißrussische Delegation nahm den Brester Bürgermeister Dieter Tomforde (mit Wappen) in die Mitte. Zur Begrüßung kam auch Gästeführerin Ursel Vieths (2.v.li.)
 
Irina und ihre Tochter Alice präsentieren das Logo ihrer Aktion ( Алиса Гринштейн / Ирина Шепелевич )
jd. Brest. Für ein vereintes Europa: Delegation aus Weißrussland wirbt für Frieden und Verständigung. Es gibt unzählige Orte in Deutschland, die Neustadt heißen. Einmalig ist hingegen der Ortsname Brest - allerdings nur im deutschen Sprachraum. Das 350-Seelen-Dörfchen Brest in der Nähe von Harsefeld hat nämlich elf Namensvettern in ganz Europa. Jetzt gab es Besuch von einem großen Bruder: Aus der Stadt Brest in Weißrussland (Belarus) kam eine sechsköpfige Delegation mit einer ganz besonderen Mission: "Mir" - Frieden, lautet die Botschaft, die quer durch Europa getragen werden soll. Die kleine Gruppe von Privatleuten aus der 300.000- Einwohner-Stadt durchfährt den Kontinent von Ost nach West, um für Frieden und Völkerverständigung zu werben. Reiseziel ist das französische Brest (140.000 Einwohner) in der Bretagne. Da passte es, etwa auf halber Wegstrecke einen Abstecher in das deutsche Mini-Brest zu machen.

Auf den ersten Blick wirken die Besucher aus dem Osten wie eine zusammengewürfelte Truppe. Sie sind zwischen 15 und 65 Jahre alt, die Jüngste geht noch zur Schule, die anderen üben höchst unterschiedliche Berufe aus: Da ist einmal Irina, die als Fotografin und Journalistin arbeitet. Von ihr kam die Idee, den Ortsnamen Brest in den Mittelpunkt einer Aktion zu stellen, die einen kleine Beitrag zur Einheit Europas leisten soll. Begleitet wird sie von ihrer Tochter Alice, die für die Tour extra vom Schulunterricht befreit worden ist und dem Unternehmer-Ehepaar Boris und Tatjana sowie von Sergei, der in der Touristik-Branche tätig ist, und von Valentin, einem Kunstmaler, der Kurs an einer Senioren-Akademie gibt. Mit dabei sind außerdem der Fahrer Marek und Andjei, ein Mitstreiter aus Polen.

Spätestens als sich die Gäste ihre weißen Sportjacken mit dem weißrussischen Wappen anziehen, wird deutlich, das sie eine gemeinsame Mission haben. Auf dem Rücken prangt in großen Lettern der Schriftzug "Brest" und dazu das Motto der Reise in mehreren Sprachen: "Vereint uns". Geplant sei, in diesem Jahr fünf Orte aus der europaweiten Brest-Familie zu besuchen, 2015 sollen dann die restlichen sieben folgen, berichtet Irina. Am Ende werde ein Dokumentarfilm über alle Orte produziert, durch den sich der gemeinsame Name wie ein roter Faden ziehen soll.

Dafür will die Gruppe Land und Leute kennenlernen: Das erste Etappenziel war die polnische Kleinstadt Brest (Brześć Kujawski), auf das jetzt das deutsche Dorf Brest folgte. Ein Empfangskomitee mit Bürgermeister Dieter Tomforde an der Spitze lud die Gäste nach ihrer Ankunft spät in der Nacht zunächst zur Suppe in das Harsefelder Rathaus, um per Beamer-Präsentation einen ersten Eindruck zu vermitteln. Tags darauf ging es auf Besichtigungstour mit Trecker und Anhänger. Das Gespann zockelte gemütlich durch das Dorf und das Tempo reichte aus, um alle "Sehenswürdigkeiten" in kurzer Zeit anzusteuern. Es wurden fleißig Kontakte zwischen den Bürgern der beiden Brest geknüpft. Dabei half Dolmetscherin Susanne Jakuta - selbst aus dem weißrussischen Brest stammend und seit Jahren in Harsefeld lebend -, Sprachgrenzen zu überwinden.

Im Gepäck hatten die Belarussen zahlreiche großformatige Bilder, die meisten geknipst von Irina. Die Profi-Fotografin hatte die Linse aus ganz unterschiedlicher Perspektive auf ihre Heimatstadt gerichtet. Sie betonte, dass diese Reise keinerlei politischen Hintergrund habe: "Wir sind normale Bürger und wollen in den anderen Ländern auch ganz normale Menschen kennenlernen." Die im Westen häufig geäußerte Kritik, dass ihr Land vom Präsidenten quasi diktatorisch regiert werde, sei für sie kein Thema. "Uns geht es nicht um Politik, sondern um Kultur, Freundschaft und gegenseitiges Verständnis", erklärt Irina.