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Dorfposse mit neuem Akteur

Die rote Linie zeigt den möglichen neuen Straßenverlauf. Die drei Eichen in der Bildmitte müssten dann wahrscheinlich gefällt werden
jd. Harsefeld-Hollenbeck. Im Fall des "Hollenbecker Straßenraubs" schaltet sich jetzt der örtliche Heimatverein als Eichenretter ein. Es ist eigentlich eine Dorfposse, hat aber auch etwas von einem Satirestück: Über die Geschichte vom "Hollenbecker Straßenraub" kann man schmunzeln, herzlich lachen oder sich gehörig ärgern - je nach Sichtweise. Der Flecken Harsefeld ließ vor zwei Jahren im Ortsteil Hollenbeck eine Straße ohne Zustimmung der Eigentümerin sanieren. Die Verantwortlichen im Harsefelder Rathaus sahen sich im Recht, wurden später vor Gericht eines Besseren belehrt: Der alte Zustand der Fahrbahn muss laut Urteil wiederhergestellt werden (das WOCHENBLATT berichtete). Bislang wurde der Streit zwischen Gemeinde und Eigentümerin ausgetragen. Jetzt gesellt sich im Possenspiel ein neuer Akteur hinzu: Der örtliche Heimatverein hat sich eingeschaltet, um das Aufreißen der Straße zu verhindern.

"Wenn uns ein Jurist bestätigt, dass die Straße öffentlich gewidmet sei, haben wir keinen Anlass, das anzuzweifeln", sagt Harsefelds Rathaus-Vizechef Bernd Meinke. Man habe nicht ahnen können, dass das Verwaltungsgericht die vor mehr als 30 Jahren vorgenommene Widmung für nichtig erklärt. "Jetzt müssen wir für den Bockmist geradestehen, den damals irgendjemand in unserer Verwaltung angerichtet hat", ärgert sich Meinke.

Erst kürzlich flatterte ihm ein Schreiben vom Anwalt der Straßen-Eigentümerin Marion Balzer ins Büro: Darin wird die Gemeinde aufgefordert, einen verbindlichen Zeitplan für den Rückbau vorzulegen. Ansonsten droht die Einleitung eines Vollstreckungsverfahrens. Doch es hätte gar nicht so weit kommen müssen. Marion Balzer hatte der Gemeinde unlängst eine goldene Brücke gebaut: Wird die Straße, die jetzt den unscheinbaren Namen "Buttermoor" trägt, in "Chlodwig-Poth-Weg" umbenannt, will sie auf eine Vollstreckung des Urteils verzichten. Das Angebot erfolgte nicht ohne Hintersinn: Der Satiriker Poth nahm in seinen Arbeiten immer wieder Behörden-Willkür und politische Überheblichkeit aufs Korn.

Doch die Politiker im Flecken Harsefeld wollten sich wohl nicht den satirischen Spiegel vorhalten lassen. Sie stimmten gegen eine Umbenennung. Meinke blieb nichts anderes übrig, als das Votum umzusetzen und Pläne für eine Verlegung der Straße ein paar Meter weiter auf Gemeindegrund anzuschieben. Doch genau da steht das nächste Problem im Weg: in Form von drei stattlichen Eichen. Die müssten der neue Straße weichen. Zwar ist es um den Zustand der Bäume nicht bestens bestellt, doch deren geplante Fällung der Bäume hat den Heimatverein auf den Plan gerufen: "Wir als Hollenbecker identifizieren uns viel sensibler mit dem Ortsbild und den prägnanten Eichenbäumen als die Eigentümerin... es jemals kann", heißt es in einem Schreiben der Dorf-Aktivisten an die Gemeinde.

Der Heimatverein hat nun eine Bürgerversammlung einberufen: Dort soll diskutiert werden, ob die Menschen im Dorf mit einer "Chlodwig-Poth-Straße" leben können. Wenn ja, will man offenbar noch mal auf die Harsefelder Politiker einwirken, um doch noch eine Umbenennung zu erreichen. Das Ergebnis der Unterredung stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Vielleicht ist der vorzeitige Schlussakt in dieser Dorfposse bereits eingeläutet.