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"Du bist die heilige Christa": Engagierte Ehrenamtliche und ihr Mann geben Leitung der Harsefelder Tafel ab

Christa Wittkowski-Stienen und Dieter Stienen (2.v.li.) wurden von den Harsefelder Bürgermeistern Michael Ospalski (li.) und Rainer Schlichtmann geehrt Foto: jd
jd. Harsefeld. "Du bist für uns die heilige Christa von Harsefeld" - Mit diesen Worten würdigte Landrat Michael Roesberg, seines Zeichens Katholik, das engagierte Wirken einer Frau, die jetzt schweren Herzens ein Ehrenamt niedergelegt hat, in das sie ihr ganzes Herzblut gesteckt hat: Christa Wittkowski-Stienen leitete mit ihrem Mann Dieter Stienen sieben Jahre lang die Harsefelder Tafel, die beide aus dem Nichts heraus aufgebaut haben. Kurz vor Weihnachten war Schluss: Die Entscheidung hatte das Ehepaar Stienen bereits im Februar gefällt - nach einem unsäglichen Streit mit dem Diakonieverband Stade um dessen Forderung nach einer Bezuschussung der Tafeln durch die Kommunen, was die Stienens ablehnten (das WOCHENBLATT berichtete).

Dem Diakonieverband und allen voran dessen Geschäftsführerin Annette Kirn war zudem ein Dorn im Auge, dass sich die Stienens mit ihrem Harsefelder Tafel-Team immer ein Stück weit Autonomie bewahrten. Denn Träger der Tafeln ist kreisweit die Diakonie. Der Krach hinter den Kulissen der Tafel ist schon ein ganzes Jahr her (siehe Kasten), hallte aber auch jetzt bei der offiziellen Verabschiedung von Christa Wittkowski-Stienen (71) und ihrem Mann Dieter Stienen (72) nach: Deutliche Worte in Richtung Diakonieverband richtete der Harsefelder Bürgermeister und stellvertretende Landrat Michael Ospalski: "Überlegt in Zukunft, wie ihr mit euren Ehrenamtlichen umgeht."

Für ihr langjähriges und intensives Engagement hätten die Stienens "mehr Dank von anderer Seite verdient", so Ospalski. Er nannte zwar keine Namen, aber jeder im Saal wusste, dass diese Botschaft an Kirn gerichtet war. Sie ließ sich - welch glückliche Fügung - entschuldigen, weil sie im Urlaub weilte. Die undankbare Aufgabe, Grußworte im Namen des Diakonieverbandes zu sprechen, kam vertretungsweise dem Superintendenten des Buxtehuder Kirchenkreises, Dr. Martin Krarup, zu. Er räumte ein: "Manches ist seitens des Verbandes nicht optimal gelaufen." Krarup betonte, dass das Ehepaar Stienen in Harsefeld viel für die Tafelarbeit geleistet habe.

Welche Bedeutung diesem ehrenamtlichen Engagement auch von politischer Seite beigemessen wird, zeigte die Anwesenheit der lokalen "Polit-Prominenz": Neben dem Landrat richteten die Bundestags- bzw. Landtagsabgeordneten Oliver Grundmann und Helmut Dammann-Tamke sowie Harsefelds Rathauschef Rainer Schlichtmann Dankesworte an das umtriebige Ehepaar.

Was die Stienens mit dem Aufbau der Tafel in Harsefeld geleistet haben, machen ein paar Zahlen deutlich: Seit dem ersten Ausgabetermin am 24. Februar 2011 hat das rund 60-köpfige Tafel-Team mehr als 75.000 freiwillige Stunden absolviert, in der Woche sind es derzeit durchschnittlich 230 Stunden. Am Anfang waren es 120 bedürftige Personen, die die Leistungen der Tafel in Anspruch nahmen, mittlerweile ist diese Zahl auf 730 Personen geklettert. Im Jahre 2017 erfolgten zu den beiden Öffnungszeiten am Montag- und Donnerstagnachmittag insgesamt 5.183 Lebensmittel-Ausgaben.

Die Waren bei den Geschäften abzuholen, sie einzulagern und schließlich für die Ausgabe bereitzustellen - das alles erfordert einen gewaltigen logistischen Aufwand, den die Stienens mit ihrem Helferkreis neben den vielen Stunden in der Ausgabestelle zusätzlich organisiert haben.
Doch das Ehepaar kennt es nicht anders. Beide engagieren sich weiter ehrenamtlich an anderen Stellen: "Wir können uns über Langeweile nicht beklagen."

"Maulkorb" für das Ehepaar Stienen

Es muss im Februar 2017 heftig gekracht haben beim Diakonieverband: Das sozial engagierte Ehepaar Stienen, das dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, hatte in der Presse für eine Klarstellung gesorgt. Es ging um die Kosten für die Stader Tafel. Deren Träger, der Diakonieverband Stade, hatte zuvor mitgeteilt, dass die Tafeln ein jährliches Defizit von zuletzt 36.000 Euro verursacht haben. Für dieses Minus sollten künftig die Gemeinden aufkommen.

Gegen diese Aussage verwahrten sich die Stienens in Bezug auf die Harsefelder Tafel: Dort werde man wie bisher ohne öffentliche Zuschüsse auskommen. Die Tafel finanziere sich über Spenden sowie den Obolus, den die "Kunden" entrichten. Dieses Geld reiche vollkommen aus. Diese Äußerungen stießen beim Diakonieverband offenbar auf Unmut: Die Stienens bekamen einen "Maulkorb" verpasst.