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Ehegatten-Nachzug: "Der Weg ist schwierig, aber er ist möglich"

Petra und Gurpreet Singh haben einen Behördenmarathon hinter sich, bis der Mann aus Indien zu seiner Ehefrau nach Deutschland durfte (Foto: privat)
bc. Harsefeld/Winsen. Heute sind Petra und Gurpreet Singh glückliche Eheleute, die in Deutschland zusammenleben dürfen. Bis es soweit war, musste das Paar aus Winsen jedoch einen Behördenmarathon überstehen, der seinesgleichen sucht. Ihre Geschichte erinnert stark an die der Schwagmeiers aus Harsefeld (das WOCHENBLATT berichtete). Nur dass die Singhs ihr Happyend bereits feiern durften.

Zur Erinnerung: Stephan und Nancy Schwagmeier heirateten 2014 im Landkreis Stade. Doch ein gemeinsames Leben in Deutschland dürfen sie noch nicht führen, da die Frau aus Ecuador bislang keinen deutschen Sprachnachweis erwerben konnte.

Ohne Zertifikat kein Einreisevisum. So sieht die aktuelle Gesetzeslage aus.
„Auch mein Mann musste lange darum kämpfen. Der Weg ist schwierig, aufwendig, teuer und nervig - aber möglich“, erzählt Petra Singh. Die Biografie ihrer Geschichte dient als Mutmacher für Ehepaare in der gleichen Situation.

Im Sommerurlaub 2010 lernte die Frau aus Winsen Gurpreet kennen. Es war die viel zitierte Liebe auf den ersten Blick. Anfang November 2010 fand die Trauung in Indien statt. In einer Hindu-Zeremonie. Allein die notwendigen Papiere, um die Ehe in beiden Ländern eintragen zu lassen, füllen schon einen halben Aktenordner. Ein Jahr vergeht, bis endlich alle Unterlagen aus Indien beim Standesamt in Winsen eintreffen. Gurpreet Singh lebt am ersten Hochzeitstag aber immer noch in Delhi.

Um ein Visum für den Familiennachzug nach Deutschland zu erhalten, will die Botschaft in Indien einen Berg von Urkunden, Zeugnissen, Pässen und Bescheinigungen sehen. „Da darf man es nicht persönlich nehmen, wenn für die Überprüfung Fotos aus dem Hochzeitsalbum herausgerissen werden“, berichtet Petra Singh.

Im zweiten Anlauf besteht Gurpreet Singh schließlich den erforderlichen Deutschtest am Goethe-Institut. Im November 2011 stellt er den Visa-Antrag. Es folgt ein hartnäckiges Interview bei der Botschaft, bei dem der Ehemann durchaus intime Fragen beantworten muss. So soll eine Scheinehe ausgeschlossen werden.

Im März 2012 wird ihm die Einreise genehmigt, im April darf Petra Singh ihren Schatz gut eineinhalb Jahre nach der Trauung in Deutschland in die Arme schließen. Die letzten Hürden will Gurpreet nun auch noch nehmen.

Damit seine Aufenthaltserlaubnis verlängert wird, braucht er einen Deutschtest nach B1-Standard. Auch den besteht er Ende 2012. Erst im Mai 2015 erhält er unter Vorlage eines Jobnachweises und eines polizeilichen Führungszeugnisses ein unbefristestes Aufenthaltsrecht. „Wahnsinn. Aber nun haben wir es endlich geschafft“, sagt Petra Singh.

Angesichts der aktuellen politischen Lage habe sich das Paar zwischenzeitlich ungerecht behandelt gefühlt. Petra Singh weiß jedoch: „Auch wenn es schwer zu verstehen ist: das eine ist Visum- das andere Asylrecht.“