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"Er gehört zu uns": Flüchtling als Feuerwehrmann / Junger Syrer ist jetzt Mitglied bei der Harsefelder Ortswehr

Tarek weiß schon recht gut, wo sich die einzelnen Geräte befinden (Foto: Günter Kachmann)
 
Der Feuerwehr-Neuling bringt den nächsten Gegenstand (Foto: Günter Kachmann)
jd. Harsefeld. Die Integration von Flüchtlingen ist eine große Aufgabe, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gilt. Doch bloß darüber zu reden, nützt wenig. Handeln ist jetzt gefragt - so wie es die Freiwillige Feuerwehr Harsefeld getan hat: Die nahm einen jungen Syrer in ihren Reihen auf. Der 22-jährige Tarek ist seit drei Monaten Mitglied der Ortswehr. Er hat bereits fleißig Deutsch gebüffelt, doch die Fachausdrücke für die Feuerwehr-Gerätschaften gehen ihm noch nicht so leicht über die Lippen. Nun haben sich die Feuerwehrleute eine ganz besondere Lernmethode für den Neuling ausgedacht.

Es ist ein wenig wie das Spiel Memory: Tarek erhält ein kleines Kärtchen mit einem Bild. Das Foto zeigt einen sogenannten Hydroschild, eine Spezialdüse, um eine Wasserwand aufzubauen. Er bekommt den Namen des abgebildeten Gegenstands gesagt und wiederholt das Wort. Doch anders als bei Memory deckt er kein zweites Kärtchen auf, sondern geht zu einem Fahrzeug, um den Hydroschild zu holen. Anschließend schreibt er den Begriff auf eine Tafel.

"Auf diese Weise kann sich Tarek die Bezeichnungen intensiv einprägen", sagt Feuerwehr-Pressewart Günter Kachmann. Dass der junge Syrer zur Freiwilligen Feuerwehr kam, ist auch ein wenig dem Zufall zu verdanken: Tarek war eine Unterkunft in Nachbarschaft zum Feuerwehrgerätehaus zugewiesen worden. So bekam er mit, wenn die Retter zu Einsätzen ausrückten oder Übungen abhielten. Das weckte sein Interesse. Irgendwann bat er, mitmachen zu dürfen.

"Zunächst fragten wir uns, ob wir diese Aufgabe überhaupt bewältigen können", berichtet Kachmann. Tarek erhalte zwar an der VHS Deutschunterricht, doch das Feuerwehr-Vokabular sei eben sehr speziell. So kam man in der Wehr auf die Idee, ihm Mentoren zur Seite zu stellen. Von der Verwaltung und der Feuerwehr-Führung gab es schnell grünes Licht. Als "echter" Feuerwehrmann erhielt er seinen Funkmeldeempfänger und ist bereits für den Grundausbildungs-Lehrgang angemeldet.

Während der Übungen ist der Topographie-Ingenieur mit Feuer-Eifer bei der Sache, stets freundlich und lächelnd. Doch seine Miene wird ernster, als er in einer Pause auf die Umstände seiner Flucht angesprochen wird. Sehr emotional schildert er, wie er sich mit seinem Bruder auf der Fluchtroute über das Mittelmeer unterwegs war. "Elf Tage lang befanden wir uns in einem kleinen Boot mitten auf dem Meer", berichtet Tarek. Sie hatten Glück und erreichten schließlich Italien. Ihr Ziel war Schweden. Doch die Flucht war dort noch nicht zu Ende: Nach einem Vierteljahr drohte ihnen die Abschiebung zurück nach Italien. So gingen die Brüder nach Deutschland. Hier dürfen sie für zunächst drei Jahre bleiben.

In Harsefeld hat Tarek das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Er konzentriert sich auf die Dinge, die hier wichtig sind - und dazu gehört vor allem Lernen: die deutsche Sprache und bei der Feuerwehr eben wichtige Begriffe und richtige Handgriffe. "Wir können Tarek nicht die Heimat ersetzen", meint Kachmann: "Aber durch den Zusammenhalt in der Gruppe können wir ihm vermitteln: Er gehört jetzt zu uns."