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Faible für Filigran-Flieger: Horneburger Schüler wird bayerischer Meister

Janik de Brabandt mit seinem Ultraleicht-Flugmodell
 
Ehrung für Meister und Vize-Meister: Horneburgs Bürgermeister Hans-Jürgen Detje gratuliert Janik (re.) und Fritz
jd. Stade/Horneburg. Schüler des Stader Athenaeums waren bei Saalflug-Meisterschaften erfolgreich Wer kennt das nicht aus seiner Schulzeit? War der Unterricht mal wieder besonders langweilig, faltete man fleißig Papierflieger. Material gab es genug: Seitenweise wurden Schulhefte gefleddert. Mit diesen lahmen Zettel-Schwalben haben die Flugmodelle, die am Stader Athenaeum gebaut werden, nichts gemein. Dort konstruieren die Schüler in ihrer Freizeit kleine Wunderwerke der Aeronautik. Jetzt errangen sie mit ihren Mini-Flugzeugen einen Meister- und Vizemeistertitel.

Wenn Janik de Brabandt aus Horneburg sein Sieger-Modell in die Hand nimmt, hat man Sorge, dass der Filigran-Flieger zwischen den Fingern des Schülers zerbricht. Doch das Leichtgewicht ist robuster als man denkt: Die Miniatur-Maschine des Siebtklässlers blieb kürzlich bei einem Wettbewerb in Ingolstadt drei Minuten und 40 Sekunden in der Luft. Mit dieser Flugdauer holte sich Janik den Titel des bayerischen Meisters im Saalfliegen.

Diese Disziplin sagt wohl den wenigsten etwas: Es geht darum, selbst konstruierte Flugmodelle, die gerade mal soviel wiegen wie zwei, drei Blatt Papier, möglichst lange in der Luft zu halten. Da die Kleinstflieger, deren Rahmen aus federleichtem Balsaholz besteht, äußerst empfindlich gegen jeden Windhauch sind, starten sie in Sälen oder Sporthallen. Der Antrieb erfolgt per Propeller. Der wird wiederum von einem Gummiband auf Touren gebracht: "Um genügend Power zu haben, muss ich das Band 1.300 mal drehen", erläutert Janik.

Mit dem Gummiband fängt es schon an: "Das Spezialband hat sechs Jahre gelagert, damit es die richtige Elastizität bekommt", erläutert Janik. Profis würden 20 Jahre alte Bänder verwenden. Der Meter koste fast 300 Euro. Aus High-Tech besteht auch die Folie, mit der Tragflächen und Seitenruder bespannt sind. Die ist selbst im Fachhandel nicht erhältlich. Lehrer Schneider ließ seine Beziehungen spielen, um an das ultra-dünne Material zu kommen, das eine Dicke von lediglich einem Tausendstel Zentimeter aufweist.

Begonnen hat Janiks Faible für die filigranen Flieger vor zwei Jahren mit der sogenannten Herbstakademie, die alljährlich in den Herbstferien am Stader "Athe" ausgerichtet wird. In verschiedenen Workshops werden den Schülern naturwissenschaftliche Themen nahegebracht. Daraus entwickelte sich eine AG: Jeweils drei Jungen und Mädchen treffen sich einmal in der Woche, um die physikalischen Gesetze der Aerodynamik am praktischen Modell zu erproben. Vor ein paar Wochen schlug AG-Leiter Schneider vor, bei den offenen bayerischen Saalflug-Meisterschaften zu starten.

Vom Erfolg angespornt - hinter Janik wurde mit Fritz Banning ebenfalls ein Athe-Schüler Vize-Meister -, will die Schülertruppe das Saalfliegen jetzt im hohen Norden populär machen: Die anderen Stader Schulen seien bereits kontaktiert worden, ob nicht Interesse bestehe, ebenfalls eine Modellflug-AG zu gründen, berichtet Janik: "Vielleicht werden ja schon im kommenden Jahr die ersten Stader Saalflug-Meisterschaften ausgerichtet."