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"Golden Gate" der Geest - Pläne für Brückenschlag in Harsefeld sind fast fertig, doch für Umsetzung fehlt (noch) das Geld

Ganz so gigantisch wie auf dieser Fotomontage wird die Brücke in Harsefeld wohl nicht ausfallen (Foto: jd)
jd. Harsefeld. Für die einen ist es ein völlig überflüssiges Prestige-Objekt, für die anderen das städteplanerische i-Tüpfelchen für Harsefeld: Der geplante Brückenschlag über die EVB-Strecke und die Ortsumgehung in Höhe des Bahnhofes hat Befürworter wie Gegner. Kritiker sprechen von Gigantonomie und sind der Ansicht, dass das spöttisch als "Golden Gate Bridge der Geest" bezeichnete Bauvorhaben völlig überzogen ist. Immerhin soll die Radfahrer- und Fußgängerbrücke, die mehr als 150 Meter zwischen der Böberstroot und dem Querweg überspannen wird, wohl bis zu drei Millionen Euro kosten. Dennoch treibt die Verwaltung die Planungen voran: Schließlich würde durch den Brückenbau eine Verbindung zwischen dem Ortskern und den südlichen Wohngebieten sowie - was noch wichtiger ist - zu den Schulen und den Freizeitstätten geschaffen.

Auch wenn Bahnstrecken Orte miteinander verbinden: In Harsefeld hat der Schienenstrang der EVB etwas Trennendes. Er durchschneidet den Ort südlich der Ortsmitte und gräbt sich wie eine tiefe Furche in die Topographie. Die Böberstroot im Norden und der Querweg im Süden enden unvermittelt an einem Hang, der zum Bahnhof hin steil abfällt. Da sich beide Straßen schnurgerade in einer Linie befinden, bietet sich an dieser Stelle eine Brücke geradezu an. Aus Sicht von Städteplanern wäre der Brückenschlag über die Bahn höchst attraktiv: Sowohl Bewohner des Quartiers rund um den Querweg als auch Schüler würden davon in höchstem Maße profitieren.

Bislang gibt es für diese beiden Gruppen nur zwei Möglichkeiten, die Bahnlinie zu queren: entweder am völlig überlasteten Bahnübergang Friedrich-Huth-Straße oder am kleinen Bahntunnel am Redder. Beides ist zum Teil mit erheblichen Umwegen verbunden. Anders wäre es bei der ins Auge gefassten Bahnbrücke: Anwohner hätten einen bequemen Fußweg ins Zentrum und die Schüler könnten Gymnasium und Oberschule zügig mit dem Drahtesel erreichen. Daher ziehen die Experten des Planungsbüros SHP aus Hannover den Schluss: "Eine Anbindung an den Ortskern mittels Brücke könnte einen wichtigen Impuls geben und zur Attraktivität dieser Fortbewegungsarten (zu Fuß oder per Rad) beitragen."

Auch aus verkehrsplanerischer Sicht liegen die Vorteile einer Brücke auf der Hand: Durch die Jahnstraße, der Hauptverbindung aus dem Ort zu den Schulen, quälen sich morgens die Schulbusse, die "Mama-Taxis" und die radelnden Schüler. Wenn letztere in Zukunft auf die für sie kürzere Strecke über die Brücke ausweichen würden, trüge das mit Sicherheit zu einer Entzerrung der jetzt oftmals sehr angespannten Verkehrssituation bei.

Umgesetzt werden kann der Brückenbau aber nur, wenn Harsefeld eine Finanzierung hinbekommt. Gelder aus der Städtebauförderung gab es nur für die Planungskosten. Die Pläne sind jetzt aber so weit gediehen, dass sie sofort aus der Schublade gezogen werden, wenn ein Fördertopf geöffnet wird.