Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Harsefeld wird Stadt: Bürgermeister "verplappert" sich / Fredenbeck wird eingemeindet

"Stadt Harsefeld" steht bald auf den Ortstafeln. Der Verleihung der Stadtrechte verdankt der Ort nicht zuletzt dem Bauboom der letzten Jahre (Foto: jd)
jd. Harsefeld/Fredenbeck. Für diese unbedachte Äußerung hätte sich Harsefelds Bürgermeister Michael Ospalski hinterher am liebsten auf die Zunge gebissen: Am Rande einer Veranstaltung ließ der SPD-Politiker, der für sein lockeres Mundwerk bekannt ist, eine Bombe platzen: Die Samtgemeinde Fredenbeck wird nach Harsefeld eingemeindet - und zwar schon zum Jahresende. Das ist aber noch nicht alles: Harsefeld bekommt dann wegen seiner Größe das Stadtrecht verliehen. Ospalski hat offenbar seinen Einfluss in Hannover geltend gemacht. Die Pläne gelten noch als geheim, so dass zuvor nichts durchgesickert ist.

Laut dem vorläufigen Zeitplan soll der Landtag im November der Gründung der "Stadt Harsefeld" offiziell zustimmen. Ospalski erklärte auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass die gesamte Prozedur noch vor den Landtagswahlen im Januar 2018 über die Bühne gehen soll. Vorbild ist die Neugründung der Stadt "Geestland" vor zwei Jahren im Landkreis Cuxhaven. Dort sei alles reibungslos verlaufen, so Ospalski, der sich beim Nachbohren einige Fakten entlocken ließ.

Mit dem Namen "Stadt Harsefeld" ordne sich der kleinere Ort (Fredenbeck) dem größeren (Harsefeld) unter, erklärt der SPD-Politiker, der sich einen Seitenhieb auf Fredenbeck nicht verkneifen kann: "Die Fredenbecker wollten uns ja schon vor ein paar Jahren den Titel 'Perle der Geest' streitig machen, indem sie an den Straßen entsprechende Schilder aufstellten. Künftig dürfen sie sich zu Recht so bezeichnen, weil sie dann ja zu Harsefeld gehören."

Für den Genossen geht ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: "Ich arbeite seit Jahren darauf hin, dass Harsefeld endlich Stadt wird." Mit künftig rund 34.000 Einwohnern ist die "Stadt Harsefeld" Buxtehude dicht auf den Fersen: In der Estestadt leben ca. 40.000 Menschen. "Wir werden Buxtehude in drei Jahren überholt haben", prophezeit Ospalski. Wie das so schnell gehen soll, wollte er nicht verraten. Doch das WOCHENBLATT hat herausbekommen: Auch Apensen (ca. 9.000 Einwohner) wird noch in die "Stadt Harsefeld" eingemeindet - spätestens 2020. "Damit spielt Harsefeld in Zukunft wieder die bedeutende Rolle, die es schon im Mittelalter innehatte", sagt Ospalski: "Bei uns residierten bereits Grafen, als Buxtehude noch eine mickrige Bauernsiedlung im Sumpf war."

Im Gegensatz zu Ospalski schweigt sich Harsefelds Rathauschef Rainer Schlichtmann aus: "Derzeit noch kein Kommentar", heißt es von ihm. Schlichtmann darf künftig die Amtsbezeichnung führen, die sich Ospalski schon immer für ihn gewünscht hat: Oberbürgermeister. Politisch wird sich einiges ändern: Harsefeld erhält einen Stadtrat und die bisherigen Gemeinderäte werden aufgelöst. "Die Wahl des Stadtrates ist im September 2018 vorgesehen", sagt Ospalski. Bis dahin werde ein Interimsrat die politischen Geschicke der "Stadt Harsefeld" lenken.

• Das WOCHENBLATT fragt die Leser: Was halten Sie davon, dass Harsefeld Stadt wird?
Schreiben Sie an: jd@kreiszeitung.net


Was wird sich künftig ändern?

• Der Name "Stadt Harsefeld" gilt auch für gesamte ehemalige Samtgemeinde Fredenbeck. Deren Bürger sind dann Harsefelder.

• Einige Straßennamen müssen geändert werden, da sie sowohl in Harsefeld als auch in Fredenbeck vergeben sind. Das würde sonst Probleme bei der Zustellung von Briefen und bei Rettungseinsätzen geben.

• Die Fredenbecker müssen sich auf eine neue Telefonnummer einstellen: Sie erhalten die Vorwahl von Harsefeld (04164). Das gleiche gilt für die Postleitzahl (21698).

• Die Personalausweise der Fredenbecker bleiben vorerst gültig. Es gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2020.

• Ein Rathaus gibt es nur noch in Harsefeld. Das Fredenbecker Rathaus wird zu einer Seniorenresidenz umgebaut.