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Harsefelder Bau-Debakel: Die Bewohner bangen weiter

Die Handwerker ließen alles stehen und liegen:Ein Wohnungskäufer in der unfertigen Hälfte des "Problem-Hauses" (kl. Foto)
 
Der Firmenname "A&B Hochbau" besteht nicht mehr. Das Unternehmen heißt jetzt N&M Hochbau"
jd. Harsefeld. Adresse in London: In die Kritik geratene Baufirma firmiert unter neuem Namen und hat einen neuen Chef. Die Bewohner des vom Abriss bedrohten Mehrfamilienhauses in Harsefeld hätten so gern ein sorgenfreies Weihnachtsfest gefeiert. Doch die Hoffnung, dass noch im alten Jahr eine Lösung gefunden wird, hat sich zerschlagen. Laut Auskunft des Buxtehuder Rechtsanwaltes Ingo Ebling, der die Interessen der sieben Wohnungskäufer vertritt, herrscht seitens der Baufirma seit Wochen Funkstille. Inzwischen hat die wegen des Bau-Debakels in die Schusslinie geratene "A&B Hochbau GmbH" aus Schönkirchen bei Kiel sogar einen neuen Namen, einen neuen Geschäftsführer und einen neuen Firmensitz: Laut Handelsregister-Eintragung vom 25. November firmiert das Unternehmen nun als "N&M Hochbau GmbH" mit Sitz in der brandenburgischen Kleinstadt Trebbin. Das WOCHENBLATT erreichte den neuen Geschäftsführer Michael Nasshan jetzt in England. Er sagte zu, sich Anfang kommenden Jahres mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen.

"Ich kümmere mich um die Sanierung oder Abwicklung von GmbHs", erläutert Nasshan. Er leitet neuerdings nicht nur die ehemalige "A&B Hochbau", sondern hat von seinem Vorgänger Ender Akkoyun auch zwei weitere Firmen der "A&B Gruppe" übernommen: Die "A&B Bauunternehmung" sowie die "A&B Dachdecker und Zimmerer", die sich seit Juli in der Insolvenz befindet. Auch diese beiden Firmen erhielten neue Namen und sitzen nun in Trebbin - ebenso wie zahlreiche andere Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet. Nasshan hat sich darauf spezialisiert, sogenannte "Problem-GmbHs" zu übernehmen, die finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen.

Im Internet wird dafür sogar geworben: "Ihre Firma befindet sich in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten?" wird auf der Homepage www.arbeitsgemeinschaft-gmbhprobleme.de gefragt. Die Lösung soll in einem Geschäftsführerwechsel sowie in der Verlegung des Firmensitzes und der Änderung des Namens bestehen. Die Übernahme könne innerhalb von zwei Tagen vollzogen werden - inklusive notarieller Beurkundung. Der Name Nasshan taucht auf der Seite zwar nirgends auf, doch ein Anruf unter der angegebenen Rufnummer ergab, dass man Nasshan gut kennt.

Es ist also kein Zufall, dass sowohl die von Nasshan übernommenen GmbHs als auch die Arbeitsgemeinschaft in dem ostdeutschen Ort Trebbin angesiedelt sind. Schließlich bekam das WOCHENBLATT doch noch Nasshan persönlich ans Telefon: Der meldete sich aus England und erklärte, wegen des Problemhauses gleich im Januar das Gespräch zu suchen: "Diese Sache darf nicht mehr länger vor sich her geschoben werden". Der neue Geschäftsführer gibt sich zuversichtlich, rasch zu einer Einigung mit dem Bauordnungsamt zu kommen. Denkbar sei eine kleine Umgestaltung des Gebäudes, die eine nachträgliche Befreiung von den örtlichen Bauvorschriften ermöglicht.

Doch es bleibt ungewiss, ob der Landkreis mitzieht: Dieser hatte bereits im August eine Stilllegung der Baustelle verfügt, weil das Haus sieben Meter zu lang geraten ist. Doch die Arbeiten am Rohbau liefen zunächst ungehindert weiter. Käufer und Handwerker erfuhren erst aus dem WOCHENBLATT von dem Baustopp.
Nach Ansicht von Nasshan ist der Architekt der Hauptverantwortliche an dem Debkael, da dieser ein falsche Bauanzeige abgegeben habe: "Wir werden ihn für sämtliche Schäden, die meiner Firma entstehen, haftbar machen." Es sei eine "bodenlose Frechheit", dass der Architekt jetzt noch finanzielle Forderungen an die "A&B Hochbau" bzw. deren Nachfolgerin "N&M Hochbau" gestellt habe.

Befreit vom alten Ballast, kann sich der bisherige "Hochbau"-Geschäftsführer Ender Akkoyun nun ganz seinen beiden neuen Firmen "A&B Projektbau" und "A&B Verwaltungs GmbH" zuwenden. Beide Unternehmen wurden erst im August gegründet. Die Projektbau hat bereits ein weiteres Bauvorhaben in Harsefeld beworben.

Nasshan hat angeboten, das WOCHENBLATT über alle weiteren Schritte zu informieren. Wir nehmen ihm beim Wort und hoffen für die betroffenen Familien, dass seine Erklärungen nicht nur heiße Luft sind.

Landkreis waren neue Fakten nicht bekannt

Laut Kreisbaurat Hans-Hermann Bode wurde dem verantwortlichen Architekten inzwischen ein saftiges Bußgeld aufgebrummt. Doch sein Schreiben, in dem er die Baufirma zu einem Lösungsvorschlag auffordert, muss Bode an einen neuen Adressaten richten: Der Firmenname und auch der Geschäftsführer haben gewechselt. Der neue Chef ist ein Profi für die Abwicklung für "Problem-GmbHs". Seinen Sitz hat er laut Handelsregister in London. Unter der genannten Adresse bietet ein "Office-Service" virtuelle Büros an - für knapp 2 britische Pfund die Woche. Bode waren diese neuen Fakten nach eigenem Bekunden bisher nicht bekannt.