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In Russland Brücken gebaut

Verstanden sich prima: Niklas (2.v.re.) und Hendrik (4.v.re.) mit Pfadfindern, aus Russland, Kasachstan und der Ukraine grüßen aus Sibirien
(jd). Der Weg war ihr Ziel: Das WOCHENBLATT berichtete kürzlich über junge Menschen aus der Region, die quer durch Russland reisten, um Land und vor allem Leute kennenzulernen. Sie nahmen am Pfadfinder-Projekt "Scouting Train" teil: Mit der Transsibirischen Eisenbahn ging es von Moskau bis nach Irkutsk in Sibirien. Jetzt ist die Aktion abgeschlossen und die Mehrheit der rund 200 Teilnehmer befindet sich auf dem Heimweg. Niklas und Hendrik vom Harsefelder Pfadfinderstamm "Horse" bleiben allerdings noch im Fernen Osten. Sie wollen weiter nach Peking. Als das WOCHENBLATT sie über Skype "anfunkte", hielten sie sich gerade in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator auf. Ihr Fazit der Russland-Reise: "Unsere Kontakte, die wir hier geknüpft haben, sind ein kleiner Baustein für die Brücke der Völkerverständigung."

Auf ihrer Tour machten die Pfadfinder in mehreren russischen Städten Station. "Überall wurden wir herzlich empfangen", berichten die beiden. Von der Krisen- und sogar Kriegsstimmung, wie sie hierzulande in vielen Medien verbreitet werde, habe man in Russland nichts gespürt. Auch und gerade den Deutschen in der Reisegruppe seien die Menschen ohne jegliche Ressentiments und Vorurteile begegnet. Als einer der Höhepunkte der Aktion bezeichnen die zwei Scouts das "Couch-Surfing": Aufgabe war es, sich via Internet bei Familien in Irkutsk eine Unterkunft zu suchen. "Die russische Gastfreundschaft ist einfach toll", meinen Niklas und Hendrik.

Im Gepäck haben sie nun jede Menge Adressen und auf ihren Handys sind etliche neue Facebook-Kontakte eingespeichert. Gegenseitige Besuche zwischen den jungen Pfadis aus Deutschland, Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan sind schon fest vereinbart. "Für uns junge Menschen in Deutschland muss es künftig ganz selbstverständlich sein, nach Moskau, Minsk oder Kiew zu reisen - so wie eine Tour nach Paris, London oder Rom völlig normal ist. Es sei schließlich die Grundidee des "Scouting Train" gewesen, ein Netzwerk zu schaffen, das die Jugend zwischen West und Ost verbindet.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges habe man die Kontakte nach Osteuropa zu lange der Politik und der Wirtschaft überlassen, so Niklas. Es sei aber viel wichtiger, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Nur so können Ängste und Vorurteile überwunden werden. Der aktuelle Konflikt in der Ukraine habe zu keinem Zeitpunkt die Reise überschattet: "Für uns Pfadfinder ist der Nationalgedanke keine Perspektive für die Zukunft", meint Niklas: "Der Nationalismus steht unserer Vision vom geeinten Europa entgegen." Die Teilnehmer aus Russland und der Ukraine hätten klipp und klar gesagt: Für das, was derzeit in der Ost-Ukraine passiere, könnten sie keinerlei Verständnis aufbringen.