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Katzen sind für Jagdhund "Raubzeug"

Jagdhunde sind oftmals besonders "scharf", wenn es um Katzen geht. Ob dieser Wachtelhund keine Miezen mag, ist aber nicht bekannt
 
Katze Amelie wurde "Opfer" eines Jagdhundes
(jd). Mieze verendet nach Beiß-Attacke, doch Vorfall bleibt für Hundehalter folgenlos. Ein Jagdhund packt eine Katze und schüttelt sie in seinem Maul wild hin und her. Der Hund lässt erst von seinem "Opfer" ab, als er von den Katzenbesitzern traktiert und gewürgt wird. Die Katze verendet wenige Tage später. Selbst eine aufwendige Notoperation kann sie nicht mehr retten. Die Katzenbesitzerin Karin G.* erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Hundehalter, einen Jäger, und zweifelt an seiner Eignung, überhaupt mit Hunden auf die Jagd gehen zu dürfen. Sie schaltete verschiedene Behörden ein, damit diese den Vorfall ahnden.

Doch die Anzeigen führten nicht zum gewünschten Ergebnis: Der Jagdhund befindet sich weiterhin "auf freiem Fuß" und muss keinen Maulkorb tragen. Auch für sein Herrchen blieb der Vorfall folgenlos: Der Jäger wurde lediglich verwarnt, weil ihm der Vierbeiner in einem unbeobachteten Moment entwischt ist. "Das ist doch keine Strafe", ärgert sich Karin G. Ihre Vermutung: Die Behörden handeln nicht, weil es "nur" um eine Katze gehe. Für sie hingegen ist der tragische Tod ihres Lieblings Amelie "alles anders als eine Lappalie."

Aber auch wenn es sich um einen "Katzenkiller" handelt: Welche konkrete Gefahr geht von dem Hund tatsächlich aus? Denn gegenüber Menschen verhält sich der ausgebildete Jagdhund offenbar stets lammfromm. Wenn von gefährlichen Hunden die Rede ist, denkt man zunächst an die Beißattacken aggressiver Vierbeiner, die in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen sorgten. In der Folge verabschiedeten viele Bundesländer - darunter auch Niedersachsen - strengere Gesetze, um eine bessere Handhabe gegen gefährliche Hunde und deren Halter zu besitzen. Hier die ganze Geschichte:

Das Häuschen von Karin G. und Thomas N.* steht einsam inmitten von Feldern. Ein traumhaftes Revier für Katzen. Doch die drei Stubentiger, die hier unweit von Harsefeld leben, sind zu Hausarrest verdonnert. Nicht weil sie etwas ausgefressen haben, sondern weil Karin G. Angst hat, dass den Miezen das Gleiche widerfährt wie der vierten Katze, die dort lebte. Sie hieß Amelie und verendete vor ein paar Wochen an den schweren Bisswunden eines Jagdhundes. Was sich genau im Vorfeld dieser "Tat" zugetragen hat, weiß niemand. Für Karin G. ist der Fall aber klar: "Der Hund hat gewildert." Sie besitzt keinerlei Verständnis dafür, dass die Behörden trotz Anzeige nicht handeln.

"Mir ist der Hund einfach entwischt", erklärt der Halter, der Jäger Frank S.* Er habe an einem Fischteich mit einem zweiten Hund, der sich noch in Ausbildung befindet, das Apportieren einer toten Ente aus dem Wasser geübt. Plötzlich sei der Jagdhund laut kläffend abgehauen - mit dem "Lehrling" im Schlepptau. S. geht davon aus, dass der Hund der Rasse "Deutsch Drahthaar" eine Fährte aufgenommen hat: "Der kann eine Katze über mehrere hundert Meter wittern." Der Jagdhund müsse die Katze dann bis zu ihrem Zuhause verfolgt haben. "Es tut mir alles sehr leid, doch der Jagdtrieb steckt in dieser Rasse einfach drin", meint S.

Tatsächlich liegt es in den Anlagen eines "Drahthaars", kleinen Räubern wie Mardern, Ratten, aber eben auch Katzen besonders intensiv nachzustellen. Diese "ausgeprägte Raubzeugschärfe", wie es im Fachjargon heißt, wurde Amelie zum Verhängnis. So ließ der Jagdhund auch nicht von der Katze ab, als Thomas N. auf ihn einschlug. Erst als der Hund mit dem Halsband gewürgt wurde, konnte Amelie aus den Fängen des Hundes fliehen. Doch die Katze war so schwer verletzt, dass ihr auch in einer Harsefelder Tierklinik nicht mehr geholfen werden konnte. Immerhin: Die rund 2.800 Euro für OP, Sauerstoffzelt und anschließende Einäscherung übernahm anstandslos die Haftpflicht-Versicherung des Jägers.

Doch mit dem bloßen Schadensersatz wollte sich Karin G. nicht zufrieden geben: Sie erstattete gleich bei vier Ämtern Anzeige - unter anderem wegen Sachbeschädigung, Tierquälerei, Halten eines gefährliche Hundes und Verstoßes gegen das Jagdgesetz. Lediglich die Jagdbehörde reagierte und teilte mit, dass keine Verletzung jagdrechtlicher Regelungen vorliege: Eine Anleinpflicht habe nicht bestanden, da auch das Training zur (leinenbefreiten) Jagdausübung zähle.

Bei den anderen Stellen musste Karin G. erst nachhaken - um mitgeteilt zu bekommen, dass der Fall längst zu den Akten gelegt ist. Zuvor hatte sich offenbar munter das Behördenkarussell gedreht: Vom Ordnungsamt der Samtgemeinde Harsefeld hieß es, dass die Staatsanwaltschaft zuständig sei. Dort wurde das Verfahren mangels öffentlichem Interesse an einer Strafverfolgung eingestellt und an das Kreis-Veterinäramt weitergereicht, um eine mögliche Ordnungswidrigkeit zu verfolgen. Die Veterinärin prüfte den Fall nach Aktenlage und sah keinen Anlass, den Jagdhund gemäß Hundegesetz als gefährlich einzustufen. Immerhin steht zweifelsfrei fest, dass der Hund keinen Menschen biss oder bedrohte und sich problemlos anleinen ließ.

Am Ende landete das Ganze wieder beim Ordnungsamt. Dort galt es noch zu prüfen, ob der Hund zum Tragen eines Maulkorbes verdonnert werden kann. Doch solch eine Maßnahme wäre völlig überzogen gewesen, wenn das Veterinäramt den Hund als ungefährlich einstufe, heißt es aus dem Harsefelder Rathaus. So blieb es bei einer Verwarnung: Der Hundehalter hätte dafür sorgen müssen, dass ihm seine Tiere nicht entwischen.

Dingfest gemacht wurden die beiden "Übeltäter" übrigens von der herbeigerufenen Polizei. "Hunde sitzen im Kerker bei Wasser und Schrot", schrieben die Beamten in ihren Bericht.

* Namen v.d. Red. geändert