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Kleine bretonische Dickköpfe - Brester Bürgermeister hat Bock auf Schafe

Streicheleinheiten für Böckchen "Linus"
 
Dieter Tomforde füttert seine Mini-Herde. Die Zwergschafe sind putzmunter und neugierig, aber auch sehr eigensinnig

jd. Brest. Zwergschafe, die ursprünglich aus der Nähe der französischen Stadt Brest stammen, leben jetzt im Dörfchen Brest.

Was macht ein gestresster Rechtsanwalt, um sich nach der Arbeit zu entspannen? Einen Grappa in der Club-Lounge schlürfen? Oder eine Runde Golf spielen? Das ist nichts für Dieter Tomforde. Den Anwalt und Notar zieht es nach Hause, sobald er die Aktendeckel zugeklappt hat. Daheim im beschaulichen Dorf Brest muss er die Tiere auf seinem Resthof füttern. "Mein kleiner Tierpark ist der beste Ausgleich für nervigen Bürostress", sagt Tomforde. Sein ganzer Stolz sind seine fünf Mini-Schafe: Bei den kleinen Wollknäulen handelt sich um sogenannte Ouessant-Schafe.

"Diese seltene Rasse stammt aus der Nähe von Brest", verrät der Hobby-Hirte. Tomforde meint damit nicht sein kleines Geestdörfchen, in dem er übrigens Bürgermeister ist, sondern dessen großen Namensvetter, die Stadt Brest in Frankreich. Unweit der bretonischen Hafenstadt liegt 20 Kilometer vor der Küste ein kleines, windumtostes Eiland: die île d'Ouessant. "Diese Insel ist die ursprüngliche Heimat dieser Zwergschafe", erläutert Tomforde.

Er und seine Frau Carola hatten sich bei einem Besuch bei Bekannten in die putzigen Vierbeiner verguckt. "Im Gegensatz zu unseren Enten und Hühnern sind unsere Ouessants eigentlich zu nichts nutze", meint Tomforde. Für eine ordentliche Lammkeule seien die Tiere zu klein. Ein ausgewachsener Bock erreiche gerade mal einen halben Meter. Und die fettreiche Wolle lasse sich höchstens zu Filz verarbeiten.

Dafür bleiben aber auch die Futterkosten im Rahmen: Von ihrer Heimatinsel, wo zwischen den Granitfelsen nur Heide, Farn und mageres Gras gedeihen, sind die Zwergschafe karge Kost gewöhnt. "Die Viecher stellen keine großen Ansprüche und kommen mit jedem Wetter zurecht", erklärt Tomforde. Im vergangenen Winter hätten sich die Tiere draußen bei Eis, Schnee und frostigen Minusgraden pudelwohl gefühlt.

Wer sich mit dem Gedanken trage, diese genügsamen Tiere nun selbst in seinem Garten als lebendige Rasenmäher zu halten, sollte bedenken, dass die "Ouessants" recht eigensinnig sein können, warnt Carola Tomforde: "Das sind typisch bretonische Dickköpfe". Ob ihr Mann sich die Schafe möglicherweise zugelegt hat, weil diese charakterlich so gut zu ihm passen, will sie allerdings nicht verraten.


Ouessant-Schafe wären beinahe ausgestorben


Das Ouessant-Schaf ist die kleinste und wollreichste Schafrasse der Welt. Das Gewicht ihres Vlieses beträgt bis 1,8 kg und macht ein Zehntel des Körpergewichts aus. Die Zwergwüchsigkeit ist vermutlich eine Folge der Anpassung an das raue Klima und die karge Vegetation auf der Île d'Ouessant. Um 1920 verschwanden die letzten reinrassigen "Ouessants" auf der Insel.

Schlossherren aus der Bretagne bewahrten die Rasse vor dem Aussterben: Die Tiere wurden gezüchtet, um sie später zu bejagen. Ende der siebziger Jahre gab es nur noch knapp 500 Ouessant-Schafe. Seitdem steigt die Population wieder. Die Mini-Schafe werden ausschließlich von Hobby-Schäfern gehalten.