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Koran kritisch beleuchtet - „Viele Suren nicht mehr zeitgemäß“: Islam-Experte stellte in Jork sein neuestes Buch vor

Abdel-Samad legte vor rund 100 Zuhörern seine Thesen dar
jd. Jork. “Der Koran ist wie ein Supermarkt, dessen Regale alle möglichen Produkte enthalten und in dem sich jeder nach seinem Geschmack bedienen kann: Die einen nehmen die Passagen, die zu Gewalt und Intoleranz aufrufen, die anderen beziehen sich auf Stellen, in denen von Frieden und Nächstenliebe die Rede ist.“ Diesen Vergleich zieht der Islamwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad in seinem neuesten islamkritischen Werk, das sich mit der „Heiligen Schrift“ der Muslim befasst. Abdel-Samad, dessen Thesen zum Islam nicht unumstritten sind, stellte sein Buch „Der Koran - Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses“ am Montag im Museum Altes Land vor. Gekommen war er auf Einladung des Bücherstübchens.

Dass der gebürtige Ägypter mit seinen Ansichten zum Islam nicht nur aneckt, sondern sich auch Feinde gemacht hat, die ihm nach dem Leben trachten, wurde an der Tatsache deutlich, dass er gleich vier Bodyguards im Schlepptau hatte. „Auf Anweisung des BKA stehe ich unter Personenschutz“, erklärte der Autor. Auch der Inhalt seines neuesten Buches dürfte bei Islamisten zu Zornesausbrüchen führen. Immerhin stellt er die Bedeutung des Korans in Frage: Die Schrift enthalte nicht Allahs Wort, sondern sei ein Buch, das ein Mensch verfasst habe: „Der Koran dokumentiert das Denken und Handeln des Propheten über einen Zeitraum von 22 Jahren. Es ist das Protokoll über die Bildung und Entwicklung einer Glaubensgemeinschaft.“

Laut Abdel-Samad ist es höchste Zeit, den Koran einer historisch-kritischen Analyse zu unterziehen. Statt sich der Schrift mit rational-wissenschaftlichen Kriterien zu nähern, werde in Diskussionen meist „Koran-Pingpong“ gespielt: „Jeder zitiert die Suren, die zu seiner Argumentation passen.“ Er habe nun in seinem Buch alle relevanten Passagen sortiert und zeitlich eingeordnet, so Abdel-Samad. Dabei werde deutlich, dass die später entstandenen Texte diejenigen seien, in denen die Botschaft von Krieg, Gewalt und Hass verkündet werde. „Der Koran erhebt hier Krieg zum Gottesdienst und Hass zu einer heiligen Mission“, kritisiert der Autor.

„Diese Text sind aus ihrer Zeit heraus entstanden“, so der Islam-Kritiker: Es sei eine Katastrophe, dass Islamisten diese späten Koran-Passagen immer wieder zur Rechtfertigung ihrer aktuellen Taten heranziehen würden. Abdel-Samad bemüht in diesem Zusammenhang erneut den Vergleich mit dem Supermarkt: „Viele Texte im Koran haben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten.“ Damit meint er auch diejenigen Stellen im Koran, in denen es um Gebote und Verbote sowie allgemeine Rechtsgrundsätze geht: „Das ist alles nicht mehr zeitgemäß.“ Sharia und Rechtsstaat würden nicht zusammenpassen.

Abdel-Samad möchte erreichen, dass der Dialog über den Islam mit vernüftigen Argumenten geführt wird: In dieser Debatte Rücksicht auf sogenannte religiöse Gefühle zu nehmen, sei der falsche Weg: „Kuschel-Dialoge helfen hier nicht weiter.“