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Kulis sind bei ihm Kult

Hans-Heinrich Schmidt ist begeisterter Kugelschreiber-Sammler
jd. Brest. Hans-Heinrich Schmidt muss nicht lange suchen, wenn er etwas aufschreiben will: Er besitzt mehr als 30.000 Kugelschreiber

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In ihm stecken offenbar noch besonders viele Gene der steinzeitlichen Jäger und Sammler: Hans-Heinrich Schmidt (73) aus Brest hat in seinem Leben schon allerlei Dinge zusammengetragen. Zunächst begab er sich auf die Jagd nach Briefmarken und Bierdeckeln. Später füllten die winzigen Figuren aus den Überraschungseiern und Hunderte von Miniatur-Schnapsflaschen die heimischen Regale. Doch dann hat der Rentner das ultimative Objekt seiner Sammelleidenschaft für sich entdeckt. Ziel seiner Begierde ist ein ganz profaner Alltagsgegenstand: der Kugelschreiber - in allen erdenklichen Formen, Farben und Größen. Längst hat Schmidts Sammlung die 30.000er-Marke überschritten.

"Wie viele Exemplare es genau sind, kann ich erst in ein paar Wochen abschätzen", erklärt der gelernte Elektromonteur. Seit Januar ist er dabei, den Inhalt von elf Umzugskartons zu sichten. Diese waren randvoll mit Stiften bepackt, die aus einem Nachlass stammen. Schmidt erwarb das Komplettpaket für ein paar Hundert Euro. "Dabei überstiegen die Portokosten den Kaufpreis", so der Sammler, dem sein Hobby lieb und - im wahrsten Sinne des Wortes - teuer ist.

Als Rentner hat er jede Menge Zeit und so verbringt er derzeit tagtäglich rund fünf Stunden damit, die Neuzugänge nach Kategorien wie Material oder Werbeaufdruck zu ordnen und doppelte Exemplare auszusortieren. "Da sind auch ein paar besondere Schätze bei", freut sich Schmidt und kramt eine Cremetube, ein Gewehr, eine Plastik-Peperoni, Mini-Skier sowie einen Schnuller hervor. Alle Teile sind mit einer Mine versehen und lassen sich auf mehr oder weniger handliche Weise als Kugelschreiber verwenden.

Der Ankauf einer ganzen Sammlung sei allerdings die große Ausnahme, betont Schmidt: Die originellsten Kugelschreiber habe er auf Flohmärkten aufgestöbert. Auch eine Urlaubsecke gibt es. Dort sind die Stifte zu finden, die der Rentner von seinen Reisen mitgebracht hat: "Ich frage in Hotels, Restaurants und Geschäften nach, ob ich einen Kugelschreiber bekomme." Im Gepäck führt er immer ein paar doppelte Exemplare mit sich, falls jemand tauschen möchte.

Von der Sammelwut des Kuli-Besessenen sind bereits Freunde, Bekannte und sogar der Bürgermeister angesteckt worden. Außerdem versorgt ihn ein Vertreter, der in ganz Deutschland unterwegs ist, wöchentlich mit Nachschub. Bislang passte seine Sammlung in eine Nebenraum des Wohnhauses. Seine verstorbene Frau hatte ihm spezielle Aufhänger aus Wolle gehäkelt, an denen die Kugelschreiber befestigt werden konnten. Als der Platz an den Wänden nicht mehr reichte, hängte Schmidt die Stifte sogar an der Decke auf.

Da die Sammlung mittlerweile aus allen Nähten platzt, will er damit nun in eine benachbarte Scheune umziehen. Dort ist ausreichend Platz vorhanden, sodass Schmidt noch viele Jahre seiner Leidenschaft frönen kann.