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Langohr als Namensgeber: Warum Harsefeld eigentlich Hasenfeld heißen müsste

Der Harsefelder Klosterpark könnte Ostern zur Hasenwiese werden Fotomontagen: jd
 
Das Harsefelder bzw. Hasenfelder Rathaus würde dann dieses Wappen zieren
jd. Harsefeld. Als "Christkinddorf" hat Himmelpforten bundesweit Bekanntheit erlangt. Jedes Jahr beantwortet der Weihnachtsmann dort Tausende von Kinderbriefen. Die gleiche Bedeutung, die Himmelpforten zur Weihnachtszeit hat, könnte ein anderer Ort im Landkreis jetzt zu Ostern bekommen: Harsefeld. Denn der Geestflecken trägt eventuell einen falschen Namen. Richtig müsste es wohl heißen: Hasenfeld. Nach Ansicht des Hobbyhistorikers Rolf Waller dürfte der Ortsname im frühen Mittelalter vom Hasen abgeleitet worden sein.

Muss womöglich die Harsefelder Geschichte umgeschrieben werden? Gehört auf das Ortswappen statt des stolzen Ritters auf seinem Schlachtross ein niedlicher Mümmelmann? Ist die Keimzelle der blühenden Geest-Gemeinde etwa eine Wiese mit hoppelnden Langohren - eben das Feld der Hasen? Die Harsefelder und vor allem die Lokalpolitiker sollten die Osterfeiertage dazu nutzen, einmal über diese Fragen nachzudenken.

Schließlich würde die neue Namensgebung ganz neue Möglichkeiten eröffnen: Als Hasenfeld könnte das jetzige Harsefeld bundesweit Popularität erlangen. In einem Sonderpostamt würden die unzähligen Briefe an "Hanni Hase" bearbeitet, die vor den Ostertagen eintrudeln. Ein örtliches Stadtmarketing gibt es bereits. Die dortigen Damen hätten sicher einige pfiffige Ideen, wie man als neue Heimat des Hasen zusätzliche Touristen anlockt.

Selbst wenn es vorerst beim alten Namen bleiben sollte: Denkbar wären neben den beliebten Veranstaltungen Herbst- und Winterzauber ein "Harsefelder Hasenzauber" oder ein großes Ostereiersuchen im weitläufigen Klosterpark, dessen große Wiese künftig Hasenrasen heißen könnte.

Stichwort Kloster: Die Harsefelder Benediktinerabtei spannt den Bogen zu unserer Hasengeschichte. Im Zuge seiner Recherchen für einen Beitrag im Jahrbuch des Vereins für Kloster- und Heimatgeschichte hat sich Rolf Waller, der seine Jugend im Geestflecken verbrachte, mit den Ursprüngen des Ortsnamens beschäftigt. Bei seinen Recherchen ist er auf ein erstaunliches Ergebnis gestoßen: Demnach leitet sich der Name womöglich gar nicht vom altsächsischen Horsa (deutsch: Ross, Pferd) ab, sondern ist sprachgeschichtlich auf den Begriff "Hare" zurückzuführen. Es lässt sich schon ahnen, welche Bedeutung dieses Wort im Englischen hat: Hase.

Als Hare (Plural: Hares) wird Meister Lampe auch in Skandinavien bezeichnet. Die altnordischen Sprachen und das Altsächsisch, aus dem sich später Englisch und Niederdeutsch entwickelten, haben viele sprachliche Gemeinsamkeiten. Zudem erinnert Waller in seinem Aufsatz daran, dass das Elbe-Weser-Gebiet vielfältige historische und kulturelle Verflechtungen mit England und Nordeuropa aufweist. Daher "klingt es ganz logisch, die Ortsbezeichnung Harsefeld mit dem Hasen in Verbindung zu bringen", so Waller.

Seine Hypothese lautet: "Aus dem ursprünglichen Haresfeld könnte sich dann das plattdeutsche, silbensparende Harsfeld abgeleitet haben." Daraus sei später im Hochdeutschen Harsefeld geworden.

Der Heimatkundler, der inzwischen in Cuxhaven lebt, aber immer noch regen Kontakt nach Harsefeld hält, hat sogar in alten englischen Quellen recherchiert. Auf der Insel stieß er auf einen Namensvetter des Geestfleckens: In der Grafschaft Gloustershire gibt es tatsächlich ein Dörfchen namens Haresfield, also Hasenfeld. Waller schlägt vor, eine Partnerschaft einzugehen. Dann könnten sich Hobby-Forscher aus beiden Orten gemeinsam auf die Suche nach den Wurzeln des ungewöhnlichen Namens begeben.

Womöglich würde ein weiterer Ort gern mitmachen: In der Eifel gibt es auch ein Hasenfeld. Doch wer kennt das schon?

• Das Jahrbuch ist im Harsefelder Museum erhältlich.