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Lieber Bäume statt Büro - Zwei angehende Forstwirte sind sich einig: "Wir haben einen spannenden Job"

Arbeitsplatz Wald: Torge Both (li.) und Thore Schlüter hantieren mit Axt und Kettensäge (Foto: jd)
 
Für ihn gibt es keinen schöneren Job: Detlev Lippert liebt seinen Arbeitsplatz im Wald. Sein Wissen über den Wald gibt der Forstwirtschaftsmeister an die nächste Generation weiter: Er bildet seit mehr als 30 Jahren angehende Forstwirte aus
jd. Rüstje. Zwei junge Männer erlernen einen Beruf, der auf der Rangliste der gefährlichen Jobs weit oben steht: Thore Schlüter (21) und Torge Both (20) lassen sich im Forstamt Harsefeld zu Forstwirten ausbilden. Auch wenn der Umgang mit Gerätschaften wie Motorsäge oder Axt und das Fällen von Bäumen laut Statistik unfallträchtig sein soll: Die beiden Azubis haben Spaß daran, fast täglich in der freien Natur zu sein und tüchtig ranzuklotzen. Ihre Arbeit sei kein Zuckerschlecken - doch tausendmal spannender als ein Bürojob, sind sich die zwei einig.

Dass dabei die Sicherheit stets Vorrang hat, macht ihnen einer der erfahrensten Ausbilder der Niedersächsischen Landesforsten immer wieder klar: Forstwirtschaftsmeister Detlev Lippert (57) aus Bargstedt hat bereits 60 Lehrlinge fit für den anspruchsvollen Beruf gemacht. Seine Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent.

Ihren Ausbildungsplatz haben Thore und Torge im Rüstjer Forst. Dort ist Detlev Lippert derzeit mit seinen Azubis unterwegs, um "Waldpflege" zu betreiben: Es sollen einige Bäume gefällt werden - vorwiegend Fichten, die das Waldgebiet zwischen Horneburg und Helmste dominieren, deren Bestand aber in den kommenden Jahrzehnten deutlich reduziert werden soll. Gepflanzt wurden die Fichten nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus: Die englischen Besatzungstruppen ließen große Teile der niedersächsischen Wälder abholzen - als Reparationsleistung.

Vielerorts wurde wie in Rüstje mit schnell wachsendem Nutzholz aufgeforstet. Diese Monokulturen werden langfristig verschwinden: "Unser Ziel ist ein gesunder Mischwald", sagt Lippert. Vorwiegend werden im Rüstjer Forst Buchen gepflanzt, dazu gesellen sich Douglasien und auch ein paar Lärchen. Damit sich die jungen Stämmchen durchsetzen können, muss nun ausgelichtet werden.

Thore Schlüter ist bereits im zweiten Lehrjahr und darf daher schon mit der Motorsäge hantieren. Lippert verfolgt mit kritischem Blick, wie der Forstwirt-Azubi die Säge an den Stamm ansetzt: Es gibt eine genau festgelegte Reihenfolge der Schnitte. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Baum auch wie geplant umfällt. "Einen Stamm beim Fällen möglichst zielgenau dort zu platzieren, wo man ihn hinhaben will, wird bei uns immer wieder geübt", erläutert Lippert.

Doch Forstwirte sind nicht nur Holzfäller: Zu Thores und Torges Aufgabenbereich gehören auch weniger spektakuläre Arbeiten. So sind sie häufig mit dem Freischneider unterwegs, um das Unterholz auszulichten, oder bereiten den Boden für das Pflanzen neuer Setzlinge vor. An vielen Stellen im Rüstjer Forst sind bereits Buchen gepflanzt.

"Ich würde gern mal in 200 Jahren hier spazieren gehen", sagt Lippert. Dann habe sich das Erscheinungsbild des Waldes komplett gewandelt: "Wir Forstleute planen immer für einige Generationen im voraus. Die Ergebnisse unserer Arbeit sind erst dann zu sehen." Bereits an die nächste Generation kann aber er sein umfangreiches Fachwissen weitergeben.


Sechs Azubis im Forstamt Harsefeld

Im Forstamt Harsefeld gibt es immer sechs Forstwirt-Azubis - pro Jahrgang zwei. Der praktische Teil der Ausbildung erfolgt im Forstrevier Rüstje. Beim dortigen Forsthaus ist auch die "Lehrwerkstatt" mitsamt Sozialräumen untergebracht. Außerdem gibt es blockweisen Berufsschulunterricht in Münchehof am Harz.
Wer 2017 eine Lehre beginnen will, kann sich bis zum 24. Oktober bewerben. Voraussetzungen sind mindestens ein Hauptschulabschluss sowie körperliche Fitness.
Infos im Internet unter www.landesforsten.de