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Löschen aus luftiger Höhe

Fleckens-Bürgermeister Michael Ospalski (li.) und Samtgemeinde-Bürgermeister Rainer Schlichtmann (3.v.li.) hoben mit Feuerwehrmann Johann Böker ab
jd. Harsefeld. Die Freiwillige Feuerwehr Harsefeld hat ein neues "Flaggschiff": Die Drehleiter wurde beim Hersteller abgeholt. Die Aktiven von der Freiwilligen Feuerwehr Harsefeld sind stolz "wie Oskar": Die langersehnte Drehleiter ist endlich da. Eine Handvoll Kameraden hatte sich in der vergangenen Woche auf den Weg zum Hersteller Magirus nach Ulm gemacht, um das neue "Flaggschiff" der Harsefelder Ortswehr abzuholen. Nach zwölfstündiger "Jungfernfahrt" quer durch Deutschland erreichte das schmucke Gefährt sein Ziel. Gemeinsam mit Vertretern aus der Politik wurde das feuerrote Mobil anschließend in Augenschein genommen. Die Anwesenden waren sich einig: Die rund 440.000 Euro für die Drehleiter sind gut angelegtes Geld.

"Mit diesem Fahrzeug erhöht sich die Schlagkraft unserer Wehr erheblich", erklärte Ortsbrandmeister Olaf Jonas bei der Vorführung. Bislang musste bei Bränden im Dachstuhl die Drehleiter aus Buxtehude oder Stade angefordert werden. Künftig können die Harsefelder Feuerwehrleute selbst aus luftiger Höhe löschen oder Menschen aus oberen Stockwerken retten. In dem Rettungskorb der Leiter, der binnen einer halben Minute voll ausgefahren werden kann, finden maximal drei Helfer Platz. Der Korb verfügt über eine Halterung für eine Krankentrage und kann mit einem Wasserwerfer bestückt werden, der 2.500 Liter pro Minute herausschießt.

Da die Drehleiter voller High-Tech steckt - zu Steuerung der einzelnen Abläufe sind fünf Computer eingebaut -, ist es mit einer Schnelleinweisung nicht getan. Deshalb werden in den kommenden Wochen 20 Aktive der Harsefelder Wehr im Rahmen einer einwöchigen Schulung zu sogenannten Drehleitermaschinisten ausgebildet. Nach dieser Schulungsmaßnahme, für die die Samtgemeinde weitere 10.000 Euro hinblättert, wird ein Blick in die Betriebsanleitung hoffentlich überflüssig: Diese ist mit 272 dicht beschriebenen Din-A4-Seiten nicht gerade übersichtlich.

Laut Gemeindebrandmeister Heiko Wachlin werden auch die anderen 15 Ortswehren in der Samtgemeinde von der Anschaffung der Drehleiter profitieren. Die Geduld und Beharrlichkeit der Feuerwehr beim Thema Drehleiter habe sich gelohnt, so Wachlin. Er erinnerte daran, dass von den ersten Überlegungen zur Erfordernis einer Drehleiter über die Aufnahme in den Feuwehr-Bedarfsplan bis zum Erwerb rund fünfeinhalb Jahre ins Land gegangen seien.

Einen interessanten Aspekt steuerte Feuerwehr-Chronist Günter Kachmann bei: Er machte augenzwinkernd darauf aufmerksam, dass der Wunsch der Harsefelder Feuerwehr nach einer Leiter eigentlich wesentlich älter ist. Beim Stöbern im Archiv stieß er auf ein Dokument aus dem Jahr 1895. Darin heißt es wörtlich: "Indes ist der lebhafte Wunsch der Wehr, eine freistehend zu besteigende Leiter zu bekommen, die sowohl als wirksames Rettungsgerät als auch ... zum Löschen ... von Wert sein werde." Nach 120 Jahren ist dieser Wunsch nun in Erfüllung gegangen.