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"Luther wäre ein Blogger" - Wie junge Christen den Reformator sehen

Die tägliche Lektüre der Bibel ist für sie selbstverständlich (v.li.): Jonas, Rebecca und Lene Foto: jd
jd. Harsefeld. Als "coolen Typen" würden sie ihn vielleicht nicht gerade bezeichnen, doch Rebecca (17), Lene (16) und Jonas (15) sind sich einig: Luther war schon eine beeindruckende Persönlichkeit. Die drei Gymnasiasten gehören dem Jugendhauskreis der evangelischen Kirchengemeinde in Harsefeld an. Auf ihren wöchentlichen Treffen spricht die rund 15-köpfige Runde im wahrsten Sinne des Wortes über "Gott und die Welt" und liest gemeinsam die Bibel. Die Luther-Bibel, die sich an die Übersetzung des Reformators anlehnt, nutzen sie dabei allerdings nicht: Die Jugendlichen ziehen eine modernere Fassung vor.

Luther im Original zu lesen, käme für Rebecca jedenfalls kaum in Frage: "Seine Sprache ist mir zu altertümlich." Auch Luthers Predigten wären nichts für sie: "Mir wäre das zu steif. Ich finde einen lockeren Predigt-Stil besser. Ein Pastor sollte frei sprechen." Zu altertümlich, zu steif: Zwei Attribute, die auf Jugendliche eigentlich abschreckend wirken. Dennoch sehen die drei Schüler in Luther auch jemanden, dessen Handeln durchaus moderne Züge hatte: Luther sei anfangs ein Rebell gewesen, der sich gegen das herrschende System aufgelehnt habe. Zudem habe mit seiner Flugschriften die modernsten Kommunikationsmittel seiner Zeit genutzt: "Würde Luther heute leben, wäre er bestimmt ein erfolgreicher Blogger."

In den Gruppenstunden war der Reformator allerdings kaum ein Thema: "Im Jubiläumsjahr ging es überall nur um Luther. Warum sollen wir uns dann damit auch noch beschäftigen", sagt Jonas. Eine intensive Begegnung mit den Lehren Luthers gab es anderswo aber dennoch: Die Jugendlichen hatten sich auf einer Familienfreizeit im Frühjahr mit den Glaubensgrundsätzen des Reformators befasst. "Mich hat am meisten der Workshop zu Luthers "sola gratia" beeindruckt", berichtet Lene: Dieser lateinische Ausdruck bedeute "allein durch die Gnade".

"Luthers Auffassung vom gnädigen Gott, der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Nationalität liebt, bedeutet mir in unserer heutigen Zeit ganz viel", erklärt die 16-Jährige. Sie habe es toll gefunden, wie auf dem Workshop der Begriff "Gnade" aufgelöst worden sei: Wir haben ihn als Kürzel für "Gottes Nähe auf der Erde" aufgefasst. In diesem Sinne sei sie Luther dann doch sehr nahe. Das bestätigt auch Jugenddiakonin Jareike Lappoehn, die die Gruppe leitet: "Luthers Botschaften können auch für junge Menschen von Bedeutung sein. Man muss es ihnen nur zeitgemäß vermitteln."

Gefragt nach dem Platz, dem sie Luther auf einer Rangliste der einhundert wichtigsten Personen der vergangenen 2.000 Jahre zuweisen würden, gibt es für die Jugendlichen keinen Zweifel: "Luther gehört unter die Top Ten der Zeitgeschichte."