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Mächtig Zoff um Maschendraht

Heiner Wehrenberg am zerstörten Zaun. Daneben ist der Stumpf der umgestürzten Eiche
jd. Harsefeld. Bürger kontra Gemeinde: Wegen einer umgestürzten Eiche ist in Harsefeld ein Streit vom Zaun gebrochen. Es geht nichts über ein leckeres Frühstücksei. Dieser Ansicht ist Heinrich Wehrenberg aus Harsefeld. Der Rentner hält in seinem Garten Zwerghühner. Damit das Federvieh nicht ausbüxt, hat er zum benachbarten Campingplatz einen Maschendrahtzaun gezogen. Dieser Zaun bereitet Wehrenberg derzeit so viel Verdruss, dass ihm die Freude an den schmackhaften Eiern gründlich vermiest ist. Beim Sturmtief "Christian" im vergangenen Oktober krachte eine dicke Eiche auf das Drahtgeflecht. Wegen des Schadens zofft sich der Hühnerhalter nun mit der Gemeinde.

"Der umgestürzte Baum lag tagelang auf dem Zaun und nichts passierte", beklagt sich Wehrenberg. Erst nach einer lautstarken Beschwerde im Rathaus hätten Bauhof-Mitarbeiter den Baum zu Kleinholz verarbeitet. Anschließend habe ein Gemeindearbeiter das Drahtgeflecht mehr schlecht als recht ausgebessert, so der Rentner: "Der gute Mann sagte mir, dass er den Zaun erst mal provisorisch aufrichte, damit die Hühner nicht abhauen können. Alles weitere regele die Versicherung."

Dass er seit fünf Monaten auf eine Schadensregulierung wartet, hält Wehrenberg für ein Unding. Schließlich habe ihm auch der ehrenamtliche Bürgermeister Michael Ospalski bestätigt, dass die Versicherung der Gemeinde den Schaden übernehmen müsse. Nebenbei: Ospalski ist Pächter des benachbarten Campingplatzes, sieht sich als solcher aber nicht in der Pflicht, da nach seiner Ansicht die Gemeinde als Grundeigentümer für den Baumbestand zuständig ist.

Mittlerweile hat sich der Zaun-Zoff zu einer regelrechten Posse entwickelt: Der resolute Rentner riss den notdürftig hergerichteten Maschendrahtzaun wieder ein und beschwerte sich abermals. Erneut rückten die Männer vom Bauhof zur Reparatur an. Das Spielchen wiederholte sich einige Male: Zaun geflickt, Zaun kaputt. "Ich will, dass nichts verändert wird, bis jemand von der Versicherung den Schaden begutachtet hat", begründet Wehrenberg seine Abbau-Aktionen. Er verlangt, dass auf Kosten der Gemeinde ein neuer Zaun gezogen wird. Vorher sei schließlich alles intakt gewesen. "Es ist eine Frechheit, mich mit Flickwerk abspeisen zu wollen", schimpft Wehrenberg. Der Bürgermeister stehe doch bei ihm im Wort, dass die Sache geregelt werde.

Das hält Bürgermeister Ospalski wiederum für ein riesiges Missverständnis: "Ich habe nichts versprochen und nur gesagt, dass das Ganze eine Angelegenheit für die Versicherung sei." Er empfiehlt Wehrenberg, im Rathaus eine schriftliche Schadensmeldung abzugeben und dabei höflich zu bleiben: "Herumpoltern hilft da wenig weiter."

Inzwischen ist auch die Verwaltung aktiv geworden. "Wir gehen dem Fall jetzt nach und prüfen die Ansprüche", erklärt Rathaus-Vizechef Bernd Meinke, der nach eigenem Bekunden gerade erst von den Zaun-Querelen erfahren hat: "Die Kollegen vom Bauhof haben so viel um die Ohren, dass wohl einfach vergessen wurde, die Sache weiterzugeben." Außerdem sei Wehrenberg nicht ganz unschuldig an diesem Dilemma: "Wenn etwas nicht vernünftig gemeldet und sachlich vorgetragen wird, können wir uns nicht darum kümmern."

Wehrenberg hofft nun, dass ein neuer Zaun bald gerichtet wird und anschließend alles wieder im Lot ist. Dann schmeckt ihm hoffentlich auch wieder das Frühstücksei.