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Massaker darf nicht vergessen werden

Überwiegend ältere Zuschauer und nur wenige Schüler fanden sich im Gymnasium ein, um sich den Film anzusehen
jd. Harsefeld. Undramatisch, aber unter die Haut gehend: Harsefelder Gymnasium zeigte Film "Die Geige aus Cervarolo"Diese Filmszene ging unter die Haut: Eine Zeugin schildert vor Gericht, wie deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg Leid und Elend über ein kleines italienisches Dorf brachten. Obwohl das Massaker fast 70 Jahre zurückliegt, erinnert sich die alte Frau noch gut an die schrecklichen Details. Als das Militär abzog, stand das Dorf in Flammen. Zwischen den verkohlten Trümmern lagen die Leichen von 24 Jungen und Männern. Die Zeugenaussagen sind wohl die eindringlichsten Szenen des Dokumentarstreifens "Die Geige von Cervarolo", der jetzt im Forum des Harsefelder Aue-Geest-Gymnasiums gezeigt wurde.
Knapp 100 Besucher fanden sich ein, um sich den Film anzuschauen, der im Vorfeld für so viel Wirbel gesorgt hatte. Eine von der Partei "Die Linken" organisierte Vorführung in einer Harsefelder Gaststätte war abgesagt worden, nachdem der Wirt Drohanrufe erhalten haben soll (das WOCHENBLATT berichtete).
Harsefeld war bewusst als Aufführungsort gewählt worden: In der Samtgemeinde lebt der ehemalige Wehrmachtssoldat Alfred L. (88). Er gehörte der Division "Hermann Göring" an, die die Morde in Cervarolo verübte. L. wurde in Italien rechtskräftig als Kriegsverbrecher verurteilt - nicht wegen der Taten in Cervarolo, aber wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an ähnlichen Massakern in der Nähe.
In krassem Gegensatz zu dem medialen Aufsehen rund um die Filmvorführung steht die unspektakuläre Machart des dokumentarischen Streifens: Jenseits aller Dramatik wird geschildert, wie sich die Hinterbliebenen der Ermordeten auf ihre Aussagen im Prozess vorbereiten, bei dem mehrere deutsche Ex-Soldaten - darunter Alfred L. - 2009 bis 2011 im italienischen Verona wegen Kriegsverbrechen an Zivilisten angeklagt waren. Durch die Filmhandlung zieht sich als roter Faden die Geschichte einer Geige, die nach dem Massaker unversehrt aus einer Brandruine geborgen wurde.
Nach der Aufführung machte sich Schulleiter Johann Book Gedanken über die Intention der Filmemacher: "Es geht den Autoren sicher nicht um individuelle Schuldzuweisungen", erklärte Book in seinem Schlusswort. Aufgabe des Films sei es vielmehr, Kriegsgräuel wie das geschilderte Massaker nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieser Film müsse als Aufruf verstanden werden, daran mitzuwirken, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen, so der Appell der Schulleiters.

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