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Nach dem Metronom-Crash in Buxtehude: Wie geht es dem Lokführer?

Der beschädigte Steuerwagen des Metronom nach dem Aufprall
 
Unglück am Bahnübergang: Ein Metronom-Zug prallte gegen einen Schulbus
(jd). Nach dem Zusammenprall eines Zuges mit einem Schulbus an einem Bahnübergang in Buxtehude-Hedendorf richtete sich das Augenmerk der Presse fast ausschließlich auf die Busfahrerin und die rund 60 Schüler, die sich in letzter Sekunde retteten. Noch ist offen, wie es zu dem Unglück kommen konnte, das glücklicherweise nicht in einer Katastrophe endete. Bei den Fragen, die bisher gestellt wurden, drehte sich alles um den Bus und seine Insassen. Doch was ist mit dem Lokführer? Wie geht es ihm und wie kann er sich eigentlich schützen? Das WOCHENBLATT hakte nach.

"Unser Mitarbeiter ist wohlauf und hat nach zwei Tagen wieder seinen Dienst angetreten - auf eigenen Wunsch", sagt Björn Pamperin, Sprecher des Bahnunternehmens Metronom. Der Lokführer habe das Geschehene offenbar gut verarbeitet. Laut Pamperin machte er alles richtig: "Als er das Hindernis auf den Gleisen sah, zog er sofort den Hebel für die Notfall-Schnellbremsung." Der früheste Sichtkontakt habe bei rund 400 Metern gelegen: "Unsere Techniker haben nachgemessen, dass bei dieser Entfernung auch die Bremsen ausgelöst wurden." Damit ist klar: Der Lokführer reagierte sofort.

Immerhin war der Zug zu diesem Zeitpunkt mit 138 Stundenkilometern unterwegs. Der Aufprall, der mit Tempo 40 erfolgte, sei unvermeidlich gewesen, so Pamperin: "Der Bremsweg beträgt etwa 600 Meter." Doch warum wurde der Lokführer nicht rechtzeitig unterrichtet? "Das ist zeitlich nicht möglich gewesen", erläutert Pamperin: Um 7.41 Uhr habe die Metronom-Zentrale die Nachricht von der KVG-Leitstelle erhalten. Um 7.43 Uhr sei der Aufprall erfolgt. "Wir hatten überhaupt keine Chance mehr zu reagieren", so der Metronom-Sprecher.

Geholfen hätte wohl nur ein spezielles Sicherheitssystem, über das lediglich größere Bahnübergänge verfügen und das an dem betroffenen Übergang nicht vorhanden ist: Anhand von Kontaktschleifen, die in den Boden eingelassen sind, wird erkannt, wenn sich trotz heruntergelassener Schranken ein Fahrzeug auf einem Bahnübergang befindet. Bei herannahenden Zügen erfolgt sofort eine Zwangsbremsung. "Im Hedendorfer Fall wurde lediglich ein optisches Signal in der Betriebszentrale der Deutschen Bahn ausgelöst", berichtet Pamperin: "Von dort ging die Nachricht um 7.45 Uhr bei uns ein."

Für die Metronom-Lokführer gibt es laut Pamperin außer dem Auslösen der Notbremse und eines Warnsignals keine speziellen Vorschriften für das Verhalten bei einem drohenden Zusammenprall. Wenn noch Zeit sei, könne der Lokführer einen Notruf absetzen. Ansonsten solle er sich selbst in Sicherheit bringen. "Eine Dienstanweisung gibt es dafür nicht", sagt Pamperin: "Was soll die auch bringen?"
Laut Pamperin übernehmen die Lokomotiven oder Steuerwagen bereits eine gewisse Schutzfunktion: "Eine Lok bringt allein 90 Tonnen auf die Waage. Außerdem schluckt das Kupplungsgestänge jede Menge Aufprallenergie".

Einen ähnlich schweren Unfall auf einer der Metronom-Strecken habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben, so Pamperin: "Wenn, dann kollidierten die Züge mit umgestürzten Bäumen."