Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Programmierter Gerätetod?

War früher ein Elektrogerät defekt, half oft der Griff zum Schraubenzieher. Heute lassen sich viele Apparate nicht mehr reparieren, weil es keine Ersatzteile mehr gibt
 
Das ist heute kaum mehr möglich: Lötpistole und Schraubenzieher reichten zur Reparatur eines kaputten Gerätes

(jd). Laut einer Studie sollen in vielen Elektro-Artikeln vorsätzlich minderwertige Teile eingebaut sein.

Wer hat sich darüber noch nicht geärgert: Kaum ist die Garantiefrist abgelaufen, streiken Staubsauger, Mikrowelle oder andere Elektrogeräte. Steckt dahinter Methode? Das behauptet jedenfalls eine Studie der Grünen Bundestagsfraktion (siehe Kasten).
In dem Papier wird die These vertreten, dass Hersteller von Haushalts- und Unterhaltungselektronik die Lebensdauer ihrer Produkte bewusst verkürzen. Gibt es tatsächlich so etwas wie eine "eingebaute Altersgrenze"? Das WOCHENBLATT fragte bei Reparatur-Profis nach.
"An der Sache könnte etwas dran sein", meint Rainer Dubbels, Inhaber des Radio- und Fernsehfachgeschäftes Poppe in Harsefeld. In seiner Werkstatt werden überwiegend Fernseher repariert - egal, wo gekauft und welche Marke. "Bei bestimmten Herstellern stellen wir zunehmend Auffälligkeiten fest", sagt der Experte.
"Mit ihren Behauptungen lehnen sich die Macher der Studie sehr weit aus dem Fenster", sagt hingegen Ulrich Bencke, Geschäftsführer von "Multimedia Bencke" in Stade. Die modernen Flachbildschirme seien längst nicht so anfällig wie die alten Röhren-Fernseher. Das Reparaturaufkommen gehe immer mehr zurück.
In einer Hinsicht teilt er aber die Einschätzung der Studie: Darin wird auch kritisiert, dass viele Ersatzteile nach kurzer Zeit nicht mehr erhältlich sind. "Bei den koreanischen Herstellern endet der Ersatzteil-Service bereits zwei, drei Jahre nach der Markteinführung", berichtet Bencke. Weil im Falle eines Defekts Kleinteile wie Platinen oder Schalter nicht nachbestellt werden können, müssten teure Geräte verschrottet werden, obwohl sie noch neuwertig seien.
Vorbei sind die Zeiten, als jeder halbwegs geschickte Heimwerker selbst in der Lage war, die kaputte Kaffeemaschine wieder in Gang zu bringen. Wer sich heute an das komplizierte, meist per Mikrochip gesteuerte Innenleben eines Elektrogerätes heranwagen will, muss ein versierter Techniker sein - oder gründlich im Internet recherchieren: In verschiedenen "Schrauber-Foren" finden Wegwerf-Verweigerer Anleitungen zur Selbsthilfe.
In einem dieser Online-Portale wurde auch WOCHENBLATT-Leser Harald Brümmer fündig. Seine Waschmaschine funktionierte nicht mehr. "Der Händler erklärte mir, dass sich eine Reparatur wegen der hohen Arbeitskosten nicht lohne", berichtet Brümmer. Er beherzigte den Tipp einer Reparierer-Community, lud sich einen Schaltplan herunter und griff zum Lötkolben.
Kaputt war lediglich ein kleiner Kondensator - ein Cent-Artikel, den Brümmer bei einem Online-Händler orderte. Jetzt läuft die Waschmaschine wieder auf Hochtouren.

Grüne kritisieren absichtlichen "Murks"

Die Industrie baut vorsätzlich mangelhafte Teile in Elektrogeräte ein, damit diese schon nach kurzer Zeit kaputt gehen. Das ist die zentrale Aussage des von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenen Gutachtens "Geplante Obsoleszens". Unter diesem Begriff versteht man den programmierten Verschleiß von Geräten, die eigentlich viel länger halten müssten. Die Folge seien ständig wachsende Müllberge mit giftigem Elektroschrott. Co-Autor der Studie ist Stefan Schridde, Initiator des Verbraucherportals "Murks? Nein Danke". Dort werden etliche Fälle aufgelistet, bei denen Hersteller mutmaßlich minderwertiges Material verwendet haben sollen.