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Schweinefleisch "made in Germany"

Diplom-Agraringenieur Lars Prigge aus dem Landkreis Stade ist Vorsitzender des Landvolk-Arbeitskreises "Sauenhaltung"
bc. Wohlerst. Die wirtschaftliche Entwicklung der Sauenhalter ist "dramatisch", sagte Albert Hortmann-Scholten von der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer bei der jüngsten Sitzung des Landvolk-Arbeitskreises "Sauenhaltung". Dessen Vorsitzender ist Ferkelerzeuger Lars Prigge (40) aus Wohlerst (Landkreis Stade). Er hält 115 Zuchtsauen, vermarktet jährlich rund 3.000 Ferkel, und weiß: "Um langfristig überleben zu können, müssen wir uns von der weltweiten Konkurrenz abgrenzen."

Der Diplom-Agraringenieur fordert eine transparente Herkunftskennzeichnung für deutsches Schweinefleisch, um die Position heimischer Sauenhalter zu stärken - eine Art Gütesiegel "made in Germany". Denkbar sei eine sogenannte 5-D-Kennzeichnung für Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung in Deutschland - ähnlich der DDD-Kennzeichnung im Geflügelbereich. "Wir müssen dem Verbraucher eine Möglichkeit geben, sich für Regionalität entscheiden zu können", sagt Lars Prigge.

Das Problem: Das Überangebot an Schweinefleisch in Deutschland drückt auf den Preis. Derzeit liegt er bei zirka 1,68 Euro pro kg Schlachtgewicht. Prigge: „Wir brauchen etwa 1,80 Euro, um wirtschaftlich zu arbeiten.“ Die Landwirtschaftskammer errechnete sogar einen Preis von 2,07 Euro, damit die Sauenhalter langfristig am Markt bestehen können. Pro 28-Kilogramm-Ferkel bekommt Prigge derzeit 54 Euro vom Schweinemäster: „Wir brauchen aber 65 Euro.“
Hinzu komme, dass die Futterpreise kontinuierlich stiegen. 2006 habe Prigge 16,50 Euro pro 100 kg Sauenfutter bezahlt, derzeit seien es rund 28 Euro. Die Ferkelerzeuger als erstes Glied in der Kette der Schweinefleischproduktion könnten die gestiegenen Preise nicht weitergeben.

Verschärft werde die Lage der Sauenhalter durch den Import von aktuell ca. elf Mio. Ferkel pro Jahr nach Deutschland, insbesondere aus den Nachbarstaaten Dänemark und den Niederlanden. Gleichzeitig sinke jedoch der Inlandverbrauch an Schweinefleisch. Die Überproduktion müssten die Schweinemäster auf dem Weltmarkt anbieten. Prigge: "Weil in Deutschland aber hohe Auflagen in Sachen Haltung und Stallbau gelten, können sie mit den günstigen Preisen auf dem Weltmarkt nicht mithalten."

Um trotzdem einen hohen Teil der Ferkelerzeugung in Deutschland behalten zu können, müsse die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt werden. Prigge: "Wir müssen uns von den ausländischen Erzeugern abgrenzen, auch wenn die Forderung nach einer Herkunftskennzeichnung beim Handel nicht auf offene Ohren stoßen wird."