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Vier Blöcke als Symbol: Die Harsefelder Kirche erhält neuen Altar

Künstler Matthias Weber passt das Metallgewebe an die Kanzel an Foto: jd
 
Der Entwurf zeigt den Chorraum mit dem neuen Altar Skizze: Weber
jd. Harsefeld. Der Reformationstag wird auch als Geburtstag der protestantischen Kirchen bezeichnet. Zum jetzt anstehenden "runden Geburtstag", dem 500-jährigen Reformationsjubiläum, macht sich die evangelische Kirchengemeinde Harsefeld ein ganz besonderes Geschenk: Am 31. Oktober, dem Reformationstag, wird im Rahmen eines Festgottesdienstes ein neuer Altar mitsamt Kanzel eingeweiht. Damit endet ein jahrelanges Provisorium, denn der jetzige Altar stellte nur eine Zwischenlösung dar. Mit dem neuen Altartisch und der dazu passenden Kanzel wird die vor Jahren begonnene Umgestaltung des Kirchenraums zu einem guten Ende gebracht.

Früher wirkte das Innere der Harsefelder Kirche wie zusammengewürfelt. Im Chor die pseudo-gotische Altarwand, von Spöttern wegen der verzierten Türmchen und Spitzbögen als "Kölner Dom" bezeichnet, und davor der Altar von 1969, gefertigt aus schnödem Beton. Nachdem die Altarwand 2013 ausgebaut wurde und im Zuge der Sanierung auch der Beton-Altar verschwand, gab es eine Ausschreibung für einen neuen Altar. "Leider hat uns keiner der eingereichten Entwürfe überzeugt", sagt Kirchenvorstands-Vorsitzende Silke Jeske.

Im vergangenen Jahr skizzierte der in der Region bekannte Künstler Matthias Weber dann einen Vorschlag, der auf Anhieb Zustimmung beim Kirchenvorstand fand. "Wir wussten gleich: Darauf konnten wir uns einlassen", so Jeske. Webers Idee ist es, dem Altar eine besondere Schwere zu verleihen, um so dessen herausragende Bedeutung als "Tisch des Herrn" auszudrücken. So ungewöhnlich wie die Idee ist auch das Material: Weber stieß bei einem befreundeten Künstler auf einen 300 Jahre alten, fünf Meter langen Stützpfeiler aus sogenanntem Eisenholz, den dieser aus einer Fabrikhalle im Bergischen Land ausgebaut hatte.

Eisenholz stammt von tropischen Bongossi-Bäumen und wird wegen seiner extremen Härte kaum im Möbelbau eingesetzt. Für die Sägerei stellte der dicke Pfeiler eine Herausforderung dar: Etliche Sägeblätter wurden zerschlissen, denn um das Tischformat zu erhalten, musste der Pfeiler in vier Blöcke geschnitten werden. Sie werden am Freitag direkt in der Kirche zum Altartisch zusammengefügt. Damit verbindet Weber einen spirituellen Hintergrund: "Die vier Blöcke symbolisieren die vier Evangelien."

Im Aufbau besteht eine weitere Herausforderung: Die mehr als 1,5 Tonnen schwere Holzplatte musste eine Unterkonstruktion erhalten, die stabil genug ist, um das Gewicht der Hölzer zu tragen, und die selbst nicht ganz so schwer ist, um nicht die zulässige Bodenlast zu überschreiten. Umkleidet wird der Unterbau mit einem speziellen Metallgewebe, das sonst für eher profane Zwecke eingesetzt wird: "Daraus stellt man normalerweise Fleischerhandschuhe oder schusssichere Westen her", erläutert der Künstler.

Vor Wochen wurden bereits der Boden im Chorraum verstärkt, damit der Altar mittels Schwerlastrollen für besondere Zwecke nach hinten verschoben werden kann - in Richtung des am Kreuz hängenden Jesus.

"Der Zauber des Neuen"

"Der Zauber des Neuen": Unter diesem Motto findet der Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum am Dienstag, 31. Oktober, statt, bei dem der Altar und die Kanzel eingeweiht werden. Nach dem Gottesdienst, der um 11 Uhr beginnt, sind ein Imbiss und Empfang im Gemeindehaus vorgesehen. Der Gottesdienst bildet den Abschluss des dreitägigen Festprogramms "Reformations-Zauber in Harsefeld. Mehr dazu in der kommenden WOCHENBLATT-Ausgabe.