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Wenn das Adrenalin bis zur Schädeldecke steigt

Volltreffer mitten auf die Brille. Für solche Fälle werden Papiertücher verteilt (Foto: jd)
  bc. Klein-Wangersen. Ich glitsche über den triefnassen Kunstrasen, schmeiße mich hinter eine zerschossene Karosse, während eine Salve Farbkugeln auf mich abgefeuert wird. Paintball - kriegsverherrlichendes Ballerspiel oder adrenalingeschwängerter Funsport?: Ich, WOCHENBLATT-Reporter Björn Carstens (33), will mir ein eigenes Urteil bilden und wage den Selbstversuch.

Ich bin zu Gast bei Kai und Henner Wichern von "World of Paintball", dem Funsportclub im idyllischen Klein Wangersen (Ahlerstedt). Hier spielen Profis und Anfänger, hier treffen sich Junggesellenabschiede und Weihnachtsfeiern, hier duellieren sich konkurrierende Mannschaften in der Regionalliga. Sie alle vereint der sportliche Wettstreit, gepaart mit der Suche nach dem Adrenalinkick.

Das Wichtigste vorweg: Ohne Sicherheitsmaske geht nichts. Weitere Schutzkleidung ist nicht notwendig. Aus einem mir wichtig erscheinenden Grund bestehe ich trotzdem auf ein Suspensorium. Ein dünner Overall schützt mich zudem vor der Ladung Farbe, die mich später treffen soll. Frauen erhalten einen Brustpanzer.

Nach einer kurzen Einweisung wird es ernst. Henner Wichern führt mich auf eines der fünf Spielfelder auf dem 15.000 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Legebatterie. Unzählige selbstgezimmerte Blockhütten, Holzstapel, leere Ölfässer, alte Autos, sogar eine nachgebaute Tankstelle dienen als Deckung.

Das Ziel des Spiels ist einfach: Zwei Teams treten gegeneinander an, die Spieler verstecken sich hinter Hindernissen und versuchen, eine Fahne in den eigenen Besitz zu bringen. Wird ein Gegenspieler dabei getroffen, ist er aus dem Spiel - ähnlich wie beim Völkerball.

Die Wörter "Waffen" und "schießen" nehmen professionelle Paintball-Spieler nicht in den Mund. Die Druckluft betriebenen sogenannten Markierer verschießen ungefährliche Gelatinekugeln, gefüllt mit Lebensmittelfarbe. Um mich mit Paintball vertraut zu machen, trete ich im Eins-gegen-Eins gegen Henner Wichern an. Atemlos hechte ich über das Spielfeld, versuche mich, der Fahne zu nähern. Dass ich dabei längst getroffen wurde, merke ich erst viel später. Schuld ist das Adrenalin, das bis zur Schädeldecke steigt, wenn man genau weiß, dass sich irgendwo jemand versteckt, der nur darauf lauert, einen abzuschießen. Verzeihung, natürlich muss es markieren heißen.

Verliert man nur einen Moment die Konzentration, starrt in die Luft oder vernachlässigt die Deckung, passiert es. Flatsch! Mitten auf dem Oberschenkel ein gelber Fleck. Ist man nicht ständig in Bewegung und ist die Distanz gering genug, kann so ein Treffer schon mal einen blauen Fleck ergeben - wie ich später feststellen darf. Immerhin fliegen die Kugeln mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 Metern pro Sekunde.

Aber ansonsten ist Paintball ungefährlich. In den USA fliegen die Farbkugeln sogar noch 50 Prozent schneller durch die Luft. Auch die Klamotten muss man nach dem Spielen nicht wegwerfen. Laut Henner Wichern lassen sich die Farbkleckse rückstandslos herauswaschen. Gut zu wissen. Denn am Ende sehe ich aus wie ein bunter Vogel.

Fazit: Da die Markierer schon stark an Pistolen erinnern und Paintball erst ab 18 Jahren gespielt werden darf, wird es immer Kritiker geben, die Paintball mit Kriegspielen verwechseln. Gewaltverherrlichender als ein Bud Spencer-Film ist der Sport aber nicht.

• Mehr Infos im Internet auf www.world-of-paintball.de