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Ackerland als Anlageobjekt?

Egal, ob Pacht oder Kauf: Für landwirtschaftliche Flächen muss immer mehr Geld hingeblättert werden. Auch Investoren tummeln sich zunehmend am Markt

"Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" kritisiert hohe Kauf- und Pachtpreise für Agrarflächen.

Pacht-Haie und Boden-Spekulanten bedrohen zunehmend die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben. Dieser Ansicht ist die "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (AbL). Sie kritisiert den extremen Anstieg der Kauf- und Pachtpreise für Agrarland. Verantwortlich für diese Preisspirale sollen laut AbL der Biogas-Boom sowie überhöhte EU-Subventionen sein. Beides mache Ackerboden und Grünland interessant für finanzkräftige Investoren, die sich eine fette Rendite erhoffen, so der AbL-Bundesvorsitzende Bernd Voß: "Diese Anleger steigen mit ihrem Kapital in den landwirtschaftlichen Bodenmarkt ein und verdrängen die Bauern." Auch im Landkreis Stade müssen zunehmend höhere Pachten gezahlt werden, doch Spekulanten, die die Preise künstlich in Höhe treiben, hat Kreislandwirt Johann Knabbe noch nicht gesichtet.
Und der Landvolk-Funktionär muss es schließlich wissen: Knabbe ist Vorsitzender des Grundstücksverkehrsausschusses. Dieses Gremium prüft bei jedem Landverkauf mit einer Fläche von mehr als einem Hektar, ob dabei die Interessen der benachbarten Landwirte berücksichtigt worden sind. "Eine Tendenz, Ackerland als Anlageobjekte zu erwerben, gibt es im Landkreis Stade bisher nicht", sagt Knabbe. Nur vereinzelt seien Ankäufe durch Nicht-Landwirte erfolgt.

Keine Zustände wie in Ostdeutschland

Knabbe geht nicht davon, dass hier irgendwann Zustände wie in Ostdeutschland herrschen. Dort reißen sich Kapitalgesellschaften in großem Stil landwirtschaftliche Flächen unter den Nagel. Der Grund dafür liege auf der Hand, so der AbL-Vorsitzende Voß: "Viel Fläche bringt viel Geld." Denn die EU leiste Direktzahlungen an die Bodeneigentümer, ohne diese Zuschüsse an ökologische Kriterien wie eine vielfältige Fruchtfolge zu binden. "Silomais in Monokultur muss zu drastischen Kürzungen der EU-Zahlungen führen", fordert Voß. Das stärke die bäuerlichen Betriebe gegenüber Investoren, die es allein auf den Anbau von Mais für Biogasanlagen abgesehen hätten.
Anläufe, den Kauf von Äckern, Forsten und Weiden zwecks Bekämpfung des Spekulantentums gesetzlich zu regulieren, gab es in Niedersachsen bereits. "Wir hatten das Thema noch vor den Grünen auf dem Tisch", sagt Helmut Dammann-Tamke, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Doch das sei eine heikle Materie. "Wir leben in einem freien Land", sagt der Christdemokrat. Da könne einem Bürger schwerlich verboten werden, Grund und Boden zu erwerben. Es sei rechtlich äußerst zweifelhaft, ob nach Investoren und Landwirten sortiert werden könne.

Weiter steigende Pachtpreise

Mehr Sorgenfalten bereiten Kreislandwirt Knabbe die steigenden Pachtpreise: " Das ist natürlich ein Riesen-Problem." Immerhin betrage der Pachtflächenanteil im Landkreis Stade mehr als 50 Prozent. Doch von einseitigen Schuldzuweisungen hält Knabbe nichts. Nach seiner Ansicht ist nicht allein der verstärkte Anbau von Energiemais dafür verantwortlich, dass in einigen Ecken des Landkreises astronomische Summen für Pachtland geboten werden.
"Es gibt eine Handvoll Einflüsse", meint der Kreislandwirt. Zwei Beispiele seien die Ausdehnung des Obstbaus auf die Geest und steigende Bestände bei der Milchviehhaltung. "Pro zwei Kühe wird mit einem Hektar Futterfläche gerechnet", sagt Knabbe. Daneben habe es Impulse von außen gegeben wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das den Bau von Biogasanlagen und damit auch den Pachtmarkt angeheizt habe. "Solange es sich wirtschaftlich rechnet, akzeptiert man eben höhere Pachtpreise", meint Knabbe, "egal, ob jemand Milchviehhalter oder Energie-Landwirt ist."