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Das Sibirien des Kreises Stade?

Hat Schwierigkeiten, in seiner Gemeinde Gewerbe anzusiedeln: Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt
jd. Ahlerstedt. Ahlerstedter Bürgermeister beklagt sich über schlechte Rahmenbedingungen für seine Gemeinde. Ist der südliche Landkreis in wirtschaftlicher Hinsicht das Stader Sibirien? Dieses Gefühl hat manchmal der Ahlerstedter Bürgermeister Uwe Arndt. In den vergangenen Jahren erlitt er bei seinen Bemühungen, Fördermittel in die Geest-Gemeinde zu lenken, einige Schlappen. So erteilte ihm das landeseigene Finanzierungsinstitut "NBank" eine Abfuhr, als im Ort das Industriegebiet am Klethener Weg gebaut werden sollte. Solche Projekte seien zu kleinteilig, um gefördert zu werden, begründeten die Bänker ihr Nein. Doch ohne Geld aus Hannover und Brüssel werde der Stader Geest im kommenden Jahrzehnt das gleiche Schicksal wie den ländlichen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern beschieden sein: Die Dörfer verarmen und die Jüngeren wandern ab.

Neidisch schielt Arndt auf die Nachbarkommunen im Kreis Rotenburg: "Gemeinden wie Heeslingen oder Sittensen haben viel günstigere Rahmenbedingungen." Die Kreisumlage - also der Betrag, den die Gemeinden an die Landkreise abführen müssen - liege dort mit 49 Prozent weit unter dem Satz im Kreis Stade, der derzeit 53 Prozent verlange. Ahlerstedt würden vier Prozentpunkte weniger immerhin jährliche Mehreinnahmen von 100.000 Euro bescheren, rechnet Arndt vor. Nach seiner Ansicht ist das Ganze ein Teufelskreis: Ahlerstedt habe mit 410 Prozent einen wesentlichen höheren Gewerbesteuer-Hebesatz als die "Konkurrenz" im Nachbarkreis. "Logischerweise ist es auch schwieriger, bei uns neue Unternehmen anzusiedeln", meint Arndt.

Weniger ansässige Firmen bedeute aber auch weniger Beschäftigte vor Ort und damit eine geringere Steuereinnahmekraft und Wertschöpfung, so der Bürgermeister. Derzeit gebe es im Gemeindegebiet rund 750 steuerpflichtige Arbeitsplätze. Um den Durchschnitt im Landkreis zu erreichen, müssten in Ahlerstedt rund 500 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. "Das ist illusorisch, wenn seitens des Landes nicht endlich ein maßgeschneidertes Förderprogramm zugunsten strukturschwacher Dörfer im ländlichen Raum aufgelegt wird", erklärt Arndt. Die jetzige Strategie, Fördermittel nur in große Projekte fließen zu lassen, halte er für verfehlt.

Der Ahlerstedter Bürgermeister will keine Almosen, sondern setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe, um sich für die Aufgaben der Zukunft zu wappnen. "In Hannover und in Brüssel muss man sich darüber im Klaren sein, dass noch immer ein Großteil der Bevölkerung auf dem Lande lebt", meint Arndt. Er fordert, dass in den Ministerien endlich gehandelt wird, um die Dörfer am Leben zu erhalten. Ohne eine bessere Finanzkraft würden die nötigen Mittel fehlen, um dringend erforderliche Investitionen zu tätigen. "Wir müssen beispielsweise viele unserer Gemeindestraßen dringend sanieren, doch dafür ist kein Geld vorhanden", sagt Arndt.

Von den Schönwetter-Reden der Bundes- und Landespolitiker hat Arndt längst die Nase voll: "Da wird vollmundig die Vereinbarung von Familie und Beruf gefordert, ohne dass geklärt ist, woher das Geld für eine intensivere Kinderbetreuung kommen soll." Auch hier habe man die kleinen Gemeinden im Stich gelassen: "Vor zehn Jahren zahlten wir aus der Gemeindekasse rund 200.000 Euro für unsere Kitas, heute ist es eine halbe Million Euro."