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Eine Einladung nach Weißrussland

Das offizielle Schreiben aus Weißrussland
jd. Brest. Der Brester Bürgermeister Dieter Tomforde weiß jetzt, wie sein Nachname auf Kyrillisch geschrieben wird. Er hat eine Einladung aus der weißrussischen Stadt Brest erhalten. Dort wird der 70. Jahrestag der "Befreiung von den faschistischen Besatzern" gefeiert.
Dieter Tomforde ist Bürgermeister der 800-Seelen-Gemeinde Brest und stellvertretendes Samtgemeinde-Oberhaupt von Harsefeld. In diesen Funktionen hat er bereits an vielen Empfängen und Feiern teilgenommen. Doch das hochoffizielle Schreiben, das dem SPD-Politiker jetzt ins Haus flatterte, ist schon ziemlich außergewöhnlich: Tomforde ist herzlich dazu eingeladen, mit einer Delegation seines Dorfes am 28. Juli beim Festakt zum 70. Jahrestag der Befreiung von den deutschen Faschisten teilzunehmen, heißt es in dem Schreiben. Absender ist Aleksander Palyschenkov, Oberbürgermeister der Großstadt Brest in Belarus (Weißrussland).
Wie kam Tomforde zu dieser Ehre? "Anfang April hatten wir Besuch aus dem weißrussischen Brest", berichtet der Bürgermeister. Die kleine Gruppe habe alle Orte mit diesem Namen bereist, die es in Europa gibt. Als Dankeschön habe er nun wohl die Einladung erhalten. Das Schreiben sei natürlich auf Kyrillisch verfasst. "Nach dem, was ich entziffern konnte, dürfen drei Personen für drei Tage die weißrussische Gastfreundschaft genießen", erklärt Tomforde, der sich bereits im Internet über die historischen Hintergründe informiert hat. Demnach war das an der polnischen Grenze gelegene Brest die letzte weißrussische Stadt, die im 2. Weltkrieg durch die Rote Armee von der Nazi-Herrschaft befreit wurde. Das sei am 28. Juli 1944 gewesen, so Tomforde. Dieses Datum sei seitdem ein Feiertag.
Noch ist fraglich, ob sich jemand auf die knapp 1.200 Kilometer lange Reise zum weißrussischen Namensvetter begeben wird. Die Brester dürften wissen, dass die Sache politisch ein wenig heikel ist. Der autoritäre Führungsstil des weißrussischen Präsidenten steht schließlich stark in der Kritik. Andererseits wäre es wichtig, Kontakte auf unterer Ebene zu pflegen, um mit Menschen ohne ideologische Scheuklappen und jenseits der großen Politik im Dialog zu stehen.
Ein großes Hemmnis stellt offenbar die Anreise dar: Ein Ratsmitglied hat bereits in Erfahrung gebracht, dass die meisten Flugverbindungen über Kiew laufen. Doch die Ukraine ist derzeit bekanntlich kein ungefährliches Pflaster. Auch von Autofahrten werde abgeraten, so Tomforde: "Da bleibt am Ende nur die Bahn." Doch der Berlin-Moskau-Express, der in Brest Station macht, ist wohl auch schon ausgebucht. Zudem müssen vorher Visa beantragt werden. Irgendwie habe er das Gefühl, dass es fast einfacher sei, nach Singapur zu reisen als nach Weißrussland, meint Tomforde: "Dieser europäische Staat ist für uns in mancher Hinsicht weiter entfernt als ein Land in Asien."