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Es war einmal ein Wäldchen...

Die gefällten Bäume sind säuberlich gestapelt Fotos: jd

Ein Harsefelder Märchen - erzählt nach einer wahren Begebenheit

Fein säuberlich sind die Stämme entlang der Straße abgelegt, ein Stück weiter liegen auf einem großen Haufen Zweige und Baumkronen: Das am Neuenteicher Weg in Harsefeld aufgestapelte Holz und Geäst war einmal ein kleines Waldstück.

Es war einmal: So beginnen viele Märchen, auch die traurigen. Und das Märchen von dem kleinen Wäldchen am Rande des Harsefelder Neubaugebietes "Am Redder" ist sehr traurig. Es waren einmal zahlreiche kleine Buchen. Sie wurden vor vielen, vielen Jahren gepflanzt - als Ausgleich für eine Baumaßnahme. Im Laufe der Jahrzehnte wuchsen sie zu kräftigen Bäumchen heran und boten vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf. Weitab von allen Häusern entwickelte sich hier ein kleines Naturidyll. Es gab sogar einen Tümpel, in dem die Frösche herumquakten. Die Buchen fühlten sich wohl und wollten einmal so groß werden wie die vier stattlichen Eichen, die am Rande des Wäldchens standen.

Doch irgendwann rückten die Häuser immer näher. Denn die Harsefelder Politiker hatten beschlossen, dass ihr Ort ganz groß werden soll. Damit mehr Menschen nach Harsefeld ziehen konnten, mussten viele Häuser gebaut werden.

Jedes Jahr wurden neue Bauplätze geschaffen. Und dann stand auf einmal das Wäldchen im Weg. Aber die Politiker wollten lieber das Baugebiet als die Buchen wachsen sehen. Sie dachten wohl: Wen interessieren schon die hundert Bäume und die Tiere, die dort leben.
Also kamen Männer mit Kettensägen und rodeten das Wäldchen. Nur an die Eichen trauten sie sich nicht heran, weil es dann wohl Ärger mit den Naturschützern vom Landkreis gegeben hätte. So kamen die Politiker auf eine tolle Idee: Die Eichen werden in eine Grünfläche eingebunden, die inmitten der Häuser entstehen soll. Ein Stück Rasen mit Bäumen soll dann zeigen, wie naturverbunden man in Harsefeld ist.

Um den Leuten zu beweisen, wie sehr sie die Natur lieben, haben sich die Politiker jetzt etwas neues überlegt: Sie wollen überall in Harsefeld Wildblumenwiesen anlegen. Da freuen sich die Bienen und Krabbelkäfer. Und die gefällten Bäumchen? An die wird sich keiner mehr erinnern, wenn die Häuser in zwei Jahren dort stehen, wo einst das Wäldchen war.

Jörg Dammann