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Für Frieden im "Haus Europa": Junger Arzt nahm an "Friedenskonvoi" nach Russland teil

Freundlicher Empfang in Russland: "We refuse to be Enemies" steht auf dem Schild: "Wir sind keine Feinde" (Foto: privat)
(jd). Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Hoffnung groß, dass in Europa ein Zeitalter des Friedens anbricht. Jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert später, hat sich Ernüchterung breit gemacht: Im Osten des Kontinents schwelt seit Jahren ein Konflikt, dessen Folgen nicht abzuschätzen sind. Russland gilt angesichts der Berichtererstattung in den westlichen Medien über den Ukraine-Konflikt längst wieder als das "Reich des Bösen". Ein junger Arzt aus dem Landkreis Stade möchte dazu beitragen, dass alte Feindbilder nicht wieder lebendig werden. Im Rahmen einer Friedensinitiative bereiste der 29- jährige ehemalige Schüler des Stader Athenaeums zwei Wochen lang das Baltikum, Belarus und vor allem Russland.

"Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft der russischen Bevölkerung. Es war wunderbar zu erleben, in Russland als Nachbarn im gemeinsamen Haus Europa begrüßt zu werden", fasst Alexander Steffens seine persönlichen Eindrücke von der zweiwöchigen Tour zusammen. Der aus Ahrenswohlde (Gemeinde Ahlerstedt) stammende Arzt hatte sich gemeinsam mit rund 250 weiteren Teilnehmern auf die Reise in ein ihm bislang unbekanntes Land begeben. Nach den Geschehnissen rund um den "Euro-Maidan" im Winter 2013/14 befasste sich Steffens eingehend mit den Hintergründen der Situation in der Ukraine - und zwar aus einem Blickwinkel, der nicht - wie von der offiziellen Politik und auch der überregionalen Presse dargestellt - Russland einseitig als skrupellosen Aggressor betrachtet, sondern einen Teil der Schuld an der Eskalation der Ereignisse im Verhalten von EU und USA sieht.

Das Mitglied der Vereinigung "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges", der größten berufsständischen Friedens-Organisation in Deutschland, wollte sich nun selbst ein Bild davon machen, welche Stimmung in Russland herrscht: Gibt es Ressentiments gegen den Westen und speziell gegen Deutschland, das im II. Weltkrieg ja unermessliches Leid über das Land brachte? Hat sich bei den Menschen Hass aufgestaut, weil in deren Augen die einstige Großmacht Russland durch die amerikanische und europäische Politik gedemütigt wird und die Sanktionen nicht Putin und seinen Apparat, sondern die einfache Bevölkerung treffen? Um Antworten zu erhalten, schloss sich Steffens dem aus einem Reisebus sowie mehr als 70 Pkw, Kleinbussen und Motorrädern bestehenden Friedenskonvoi an.

Die Friedensaktivisten haben nun im Kleinen das getan, was die große Politik nach Steffens' Ansicht versäumt hat: Wer versuche, sich in die russische Lage zu versetzen, werde als "Putin-Versteher" verunglimpft, beklagt sich der Arzt: "Dabei ist gegenseitiges Verständnis die Voraussetzung für die friedliche Belegung von Konflikten." Ihn treibt die Sorge um, dass durch die Aussetzung des Dialogs mit Moskau eine Spirale der Eskalation in Gang gesetzt wurde: "Die Gräben des Misstrauens zwischen Russland und dem sogenannten Westen beginnen sich zu vertiefen."