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"Ich verspüre keine Macht"

Vor dem Supermarkt ein Hauch von Wahlkampf: Rainer Schlichtmann (Mitte) mit seinen "Helfern" Friedrich Dammann (li.) und Torben Vagts. Auch Gabi Oelkers bekommt eine Broschüre in die Hand gedrückt
 
Rainer Schlichtmann erhält auch weibliche Unterstützung: Helma Deden (CDU, li.) und Susanne de Bruijn (FWG) verteilen fleißig Flyer
jd. Harsefeld. In Harsefeld wird gewählt: Samtgemeinde-Bürgermeister Rainer Schlichtmann tritt ohne Gegenkandidaten an. Viele dürften es erst bemerkt haben, als ihnen die Kärtchen mit den Wahlbenachrichtigungen ins Haus flatterten: In der Samtgemeinde Harsefeld stehen Wahlen an. Am kommenden Sonntag, 12. April, werden die mehr als 17.200 Wahlberechtigungen ab 16 Jahren zu den Urnen gerufen. Es geht um das Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters. Amtsinhaber Rainer Schlichtmann (parteilos) stellt sich zur Wiederwahl. Das WOCHENBLATT hat ein paar wichtige Punkte in Bezug auf die Wahl und den Kandidaten herausgegriffen und jeweils unter einem Stichwort zusammengefasst:

• Einziger Bewerber: Dass die anstehende Wahl öffentlich bisher kaum wahrgenommen wurde, liegt vor allem an einem Umstand: Es gibt nur einen Kandidaten. Das verspricht nicht gerade Spannung, zumal alle großen Parteien im Rat erklärt haben, die Bewerbung Schlichtmanns zu unterstützen. Ein echter Wahlkampf, bei dem zwei oder mehr Kontrahenten um die Gunst die Wähler buhlen, ist daher ausgefallen.

Dennoch bemüht Schlichtmann sich, dem Ganzen einen Hauch von Wahlkampf-Atmosphäre zu verleihen. Dazu gehört, dass er auf Infoveranstaltungen in allen vier Mitgliedsgemeinden den Bürgern Rede und Antwort steht und sich mit Helfern vor Supermärkte stellt, um Broschüren unter das (Wahl-)Volk zu bringen. In den Faltblättern ist nachzulesen, welche Ziele Schlichtmann sich für die kommende, bis 2021 laufende Amtszeit setzt.

• Zukunftsthemen: Dass viele Themen langfristig angelegt sind und in den nächsten sechs Jahren wahrscheinlich nicht komplett abgearbeitet werden, macht das Motto deutlich: "Harsefeld 2030" nennt Schlichtmann seine Agenda. Darin dreht sich vieles um Demographie. Besonders wichtige Zukunftsthemen sind für ihn die Schaffung von Angeboten für Senioren und die Kinderbetreuung.

Gerade bei den Kindern sieht Schlichtmann Handlungsbedarf: Da die Nachfrage nach Ganztagsgruppen weiter ansteige, muss nach seiner Ansicht künftig über die Gemeindegrenzen hinweg kooperiert wird. Auch im Schulbereich will Schlichtmann neue Wege gehen, um berufstätige Eltern zu entlasten: Er hält es für sinnvoll, die Grundschulen zu Ganztagsschulen umzuwandeln.

• Einheitsgemeinde: Die Selbstständigkeit der Gemeinden soll nicht angetastet werden: "Ich stehe für den Erhalt der Samtgemeinde", sagt Schlichtmann. Überlegungen, die mehr als 20.000 Einwohner zählende Kommune in eine Einheitsgemeinde umzuwandeln, erteilt Schlichtmann eine Absage: "Ahlerstedt, Bargstedt und Brest sind schuldenfrei und müssen sich mit keinen größeren Problemen herumschlagen. Warum sollte ich die drei Gemeinden dazu drängen, ihre Eigenständigkeit aufzugeben?"

• Machtverständnis: Dass er nach der Kommunalwahl 2011 seinen "Nebenjob" als Ahlerstedter Gemeindedirektor an den dortigen Bürgermeister Uwe Arndt abtreten musste, betrachtet Schlichtmann nicht als Machtverlust. Er habe allenfalls ein wenig direkten Einfluss auf die dortige Politik verloren. Ohnehin habe er nicht das Gefühl, Macht auszuüben. "Es geht mir nicht um eine Machtposition", erklärt Schlichtmann. Vielmehr verstehe er sich als Sachwalter der Interessen der Samtgemeinde. Er sei deren Repräsentant und zugleich Chef im Rathaus. Das letzte Wort habe aber immer der Rat als höchste politische Instanz.

• Politische Verhältnisse: Obwohl Schlichtmann Sitz und Stimme im Samtgemeinderat hat, sieht er sich weniger als Politiker, sondern eher als Leiter der Verwaltung: "Meine Aufgabe ist es, mit Hilfe meiner Mitarbeiter Sitzungsvorlagen so vorzubereiten, dass die Politiker am Ende vernünftige und ausgewogene Entscheidungen treffen können." Es gehe in Harsefeld sowieso nicht um Parteipolitik. Da es seit Jahren keine eindeutigen politischen Mehrheiten mehr gebe, stünden Sachthemen im Vordergrund. "Meine Arbeit wäre mit stabilen Mehrheitsverhältnissen wohl leichter, doch dann wäre die Gefahr von ideologischen Zwistigkeiten größer", so Schlichtmann. Jetzt müssten sich die Fraktionen immer wieder zusammenraufen, um auf der Sachebene zu einem Ergebnis zu kommen.

• Wahlmüdigkeit: "Ein wenig stolz bin ich schon, dass bei der Wahl alle großen Parteien hinter mir stehen", erklärt Schlichtmann. Es sei ein Beweis dafür, dass die Politik mit seiner Arbeit zufrieden ist. Er geht davon aus, dass dies auch bei der Mehrheit der Bürger der Fall ist. Aber das dürfte auch sein großes Problem sein: Zufriedene Wähler sind schlechter zu mobilisieren als unzufriedene. Einige Bürger hätten ihn schon gefragt, warum man überhaupt zur Wahl gehen solle, wenn das Ergebnis bereits vorher klar sei, so Schlichtmann: "Das sehe ich aber anders. Ich habe einen viel stärkeren Rückhalt und kann die Interessen der Samtgemeinde viel kraftvoller vertreten, wenn ein hoher Prozentsatz der Wähler für mich stimmt."